Nidderau

Müll in Windecken: Stadt sieht Verantwortung nicht nur bei Jugend

Die Verschmutzung rund um den "Kleinen Bahnhof" und das Blauhaus in Windecken ist massiv. Foto: J. Weber

Nidderau. An wohl keinem anderen Ort in Nidderau herrscht so eine große Müllverschmutzung wie rund um den „Kleinen Bahnhof“ und das Jugendzentrum Blauhaus in Windecken. Neben der Deutschen Bahn werden vor allem Pauschalurteile über Jugendliche gefällt. Wir haben bei den zuständigen Stellen nachgefragt.

Von Jan-Otto Weber

„Die Kinder-Umwelt-AG rückte bei ihrer jährlichen Frühjahrsaktion dem Müll im Stadtgebiet zu Leibe“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Stadtverwaltung. „Rund um die Willi-Salzmann-Halle und am kleinen Bahnhof im Stadtteil Windecken waren die Müllsäcke schnell gefüllt. Leider konnte während des zweistündigen Einsatzes nur ein Teil der unzähligen Getränkeflaschen, Verpackungen, Plastikfolien und Kaffeebecher beseitigt werden. Die Kinder der Umwelt-AG gehen hier mit gutem Beispiel voran und würden sich über viele Nachahmer freuen.“

Über Nachahmer würden sich auch die Verantwortlichen im Rathaus der Stadt und bei der Deutschen Bahn freuen. Noch besser wäre, wenn der Müll erst gar nicht achtlos in die Gegend geworfen würde. Denn am Bahnsteig und entlang des Bahndamms zeigt sich auch unserem Reporter am Donnerstagmorgen ein erschreckendes Bild: Zigarettenstummel, Getränkedosen, Einweg-Kaffeebecher, Papiertüten von Bäckereien und Dönerbuden, Plastikverpackungen von Chips, Keksen und Schokolade. Die ganze Palette der Fastfood- und Nahrungsmittelindustrie findet sich als Müll verstreut. Mittendrin ein Mülleimer, der zwar gut gefüllt, aber noch nicht voll ist.

Das Problem sei der Bahn bekannt„Das Problem ist uns bekannt. Wir leeren die Mülleimer regelmäßig“, so die Auskunft eines Bahnsprechers des Regionalbüros Frankfurt. „Auch das Gleisbett wird tournusgemäß gereinigt, was während des laufenden Zugverkehrs natürlich sehr aufwändig und gefährlich ist. Die Häufigkeit der Einsätze richtet sich nach der Fahrgastfrequenz. Es nutzt aber nichts, wenn die Mülleimer nicht benutzt werden und es einen Tag nach der Reinigung wieder so aussieht wie vorher.“

Dieses Problem kennt auch Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne). Denn nicht nur am Bahnhof, sondern auch rund um das unterhalb gelegene Jugendzentrum Blauhaus gegenüber der Willi-Salzmann-Halle herrscht eine massive Verschmutzung. „Das Gelände bis zum Fuß des Bahndamms gehört der Bahn. Wir sind für die übrigen Flächen um das Blauhaus zuständig. Der Bauhof säubert dort regelmäßig, aber die Leute sind so hemmungslos, dass sie auch teilweise Tüten mit Restmüll dort abladen.“

Kontrollen würden nichts bringenHinzu komme laut Vogel, dass der hoch gelegene Bahnhof in einer Windschneise liege und der Müll deshalb, teilweise aus den Mülleimern heraus, durch die Gegend gewirbelt werde. Natürlich stamme ein großer Teil des Mülls aber auch von Jugendlichen, die sich im Umfeld des Blauhauses aufhielten, räumt Vogel ein. Vor allem an einem Unterstand mit Sitzgelegenheit auf dem Platz hinter dem Jugendzentrum sieht es schlimm aus. „Wir haben schon über eine Plakataktion nachgedacht, um die Leute für die Problematik zu sensibilisieren. Aber da habe ich eigentlich wenig Hoffnung“, gesteht Vogel. Auch von Kontrollen hält der Stadtrat nichts. „Sie werden garantiert niemanden erwischen, wenn sie einmal am Tag dort entlang laufen.“

Holger Nix und sein Team von der städtischen Kinder- und Jugendförderung setzen deshalb auf eine andere Strategie. „Ich lese die Kommentare bei Facebook ja auch“, erklärt er. „Das Problem mit dem Müll ist aber kein neues Phänomen. Es besteht, seit das Blauhaus 1996 eröffnet hat.“ Zugenommen habe der Müll zudem durch die vermehrte Nutzung der Niddertalbahn und der Verlagerung des Schülerverkehrs zur Bertha-von-Suttner-Schule vom Bus auf die Schiene.

Treffpunkt ist erwünscht„Dass die Jugendlichen den Unterstand hinter dem Blauhaus als Treffpunkt nutzen, soll so sein“, erklärt Nix. „Was natürlich nicht sein soll, ist die Vermüllung. Es geht dabei nur um eine bestimmte Gruppe, die da so hartnäckig ist. Uns ist es aber lieber, sie treffen sich am Blauhaus, wo wir Kontakt aufbauen und mit ihnen arbeiten können, als dass sie sich sonst irgendwo im Stadtgebiet tummeln.“

Grundsätzlich arbeite sein Team mit den Jugendlichen an dem Problem. „Dass Jugendliche ihren Müll achtlos wegwerfen, geschieht oft nicht aus bösem Willen, sondern Gedankenlosigkeit. Jugendliche in dem Alter sind mit anderen Problemen in der Schule oder im Freundeskreis beschäftigt. Deshalb ist es unserer Aufgabe, da draufzuzeigen.“

Thema auch an Bertha-von-Suttner-Schule aufgegriffenRegelmäßig fänden Reinigungsaktionen statt, verbunden mit angenehmen Dingen wie zum Beispiel Pizza backen. Außerdem gebe es eine enge Zusammenarbeit mit der Bertha-von-Suttner-Schule. „Einer unserer Mitarbeiter ist zugleich als Schulsozialarbeiter an der Bertha tätig. Auch dort wird das Thema Müll immer wieder aufgegriffen.“

Nix weist aber auch deutlich darauf hin, dass nicht nur die Jugendlichen für den Müll verantwortlich sind. „Schauen Sie sich nur mal die Verschmutzung an Autobahnausfahrten an, besonders dort, wo Schnellrestaurants in der Nähe sind. Daran sieht man, dass das Umweltbewusstsein auch bei vielen Erwachsenen nicht sehr hoch ist.“

Alle Nidderauer Kinder ab dem Grundschulalter bis zum zwölften Lebensjahr sind übrigens eingeladen, bei der AG mitzumachen. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung beim Fachbereich Umwelt der Stadt unter 0 61 87/299-179 oder -180. Die AG findet 14-tägig samstagvormittags jeweils von 10 bis 12 Uhr statt.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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