Kultur

Musikfans sitzen Corona aus: Organisatoren finden mit Festival „Hock den Acker“ kreative Lösung

„Bierecke“ für die Besucher: In diesen abgesteckten Feldern, von denen es 70 auf dem Festivalgelände in Erbstadt geben wird, dürfen jeweils vier Leute abrocken.
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„Bierecke“ für die Besucher: In diesen abgesteckten Feldern, von denen es 70 auf dem Festivalgelände in Erbstadt geben wird, dürfen jeweils vier Leute abrocken.

Das Festival „Rock den Acker“ hat sich in den vergangenen Jahren zum Geheimtipp für Musikfans gemausert. Doch das ursprüngliche diesjährige Setting wurde wegen Corona zunächst auf 2021 verschoben – mit denselben Bands, Camping und was sonst dazu gehört. Dafür hat sich die Orga-Crew um den Windecker Jens Seifried „Hock den Acker“ ausgedacht, mit maximal 250 Besuchern und einem eigens ausgearbeiteten Hygienekonzept.

Nidderau – „Wir wollten uns nicht damit abfinden, dass zum einen das kulturelle Leben in der Stadt weitgehend daniederliegt und zum anderen auch die Bands und Fans keine Möglichkeit haben, gemeinsam zu feiern und Veranstaltungsfirmen ohne Aufträge dastehen“, erklärt der „Godfather of Rock den Acker“, wie er auf der Homepage genannt wird.

„Und weil uns ‘Rock den Acker’ in Erbstadt eine Herzensangelegenheit ist, wollten wir ein Zeichen setzen und haben nach einer Alternative noch für dieses Jahr gesucht.“

„Hock den Acker“: Genug Erfahrung für ein kleines Festival

„Godfather of Rock den Acker“: Jens Seifried aus Windecken ist der Initiator des Festivals.

Zunächst habe es leise Bedenken gegeben, ob in Zeiten der Pandemie solch ein Event überhaupt zu stemmen sei. Aber die Orga-Crew sei sich dann schnell einig geworden, dass man inzwischen so viel Erfahrung gesammelt habe, um auch ein kleines Festival unter den herrschenden Bedingungen organisieren zu können. „Der Mut hat sich jetzt schon bezahlt gemacht, denn für die Veranstaltung am nächsten Samstag waren die personalisierten Karten innerhalb von 25 Stunden ausverkauft“, freut sich der 36-Jährige.

Das beim Ordnungsamt der Stadt eingereichte Veranstaltungs- und Hygienekonzept wurde nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Kreises noch verfeinert und dann genehmigt. „Die Stadt hat uns hier sehr gut unterstützt, damit wir alle Auflagen erfüllen können“, betont Seifried.

70 abgesperrte Flächen für vier Musikfans bei „Hock den Acker“

Auf dem Gelände hinter dem Sportplatz wird es 70, mit Flatterband abgegrenzte „Bierecken“ geben, in denen sich vier Fans aufhalten dürfen. Dort entfällt die Maskenpflicht, ansonsten muss auf dem gesamten Gelände der Mund-Nasen-Schutz getragen werden, stellt der Organisator fest. Ein Getränkestand, den die „Rock den Acker“-Leute selbst bewirtschaften, und ein nagelneuer Foodtruck eines Neu-Nidderauers, für den „Hock den Acker“ die Feuertaufe werden wird, sorgen für Speis und Trank.

„Die Bühne wird wieder so gestellt, dass die Beschallung weg von der Bebauung erfolgt. Wir wollen den Festivalgegnern im Dorf keine Munition an die Hand zu geben, um ‘Rock den Acker’ verbieten lassen zu können“, betont Seifried, der aber auch von einer großen Akzeptanz vieler Erbstädter für das Festival berichtet.

Sieben Bands werden am 29. August von 15 bis 24 Uhr die Rockfans unterhalten. Zwei kommen aus Nidderau, und jeweils eine Gruppe aus Schöneck, Hanau, Frankfurt, Hadamar und Mainz. „Mit den Bands haben wir vereinbart, dass sie Benzingeld, Kost und Logis bekommen und – falls wir einen Überschuss erwirtschaften – an diesem anteilmäßig beteiligt werden“, stellt Seifried fest. Die Technik auf der Bühne und ein Drumset stellen Sponsoren dem Veranstalter, wegen der Hygienevorschriften werden die Umbaupausen etwa 30 statt der sonst üblichen 15 Minuten dauern, kündigt Seifried an.

Corona-Auflagen sollen bei „Hock den Acker" streng eingehalten werden

„Wir haben eigene Ordner und eine Security im Einsatz und werden sehr streng die Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände kontrollieren. Um einem Andrang von Zaungästen vorzubeugen, wird das Gelände auf der offenen Seite noch mit Bauzäunen abgeschirmt, die Bühne ist also nicht einsehbar“, fügt der Organisator hinzu. Und nach dem Event würden die vielen Helfer das Gelände und die angrenzenden Äcker und Felder von Müll befreien. „Meist ist es dann sauberer als zuvor“, weiß Seifried.

„Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen und die Infektionszahlen dürfen sich nicht so erhöhen, dass die Teilnehmerzahl noch zusammengestrichen oder ‘Hock den Acker’ insgesamt abgesagt werden muss. Das wäre allerdings sehr bitter für uns als Veranstalter, für die Bands und natürlich für die Rockfans“, blickt Jens Seifried der Veranstaltung mit etwas gemischten Gefühlen entgegen.

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