Rassismus

18-jährige Schülerin Aysha Iftikhar setzt sich gegen Rassismus ein und erhält ein Start-Stipendium

Für ihr Engagement ausgezeichnet: Aysha Iftikhar aus Nidderau zählt zu den 21 Schülern aus Hessen, die über die Start-Stiftung gefördert werden.
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Für ihr Engagement ausgezeichnet: Aysha Iftikhar aus Nidderau zählt zu den 21 Schülern aus Hessen, die über die Start-Stiftung gefördert werden.

Aysha Iftikhar ist die Freude anzusehen: Sie gehört zu den 21 hessischen Schülern, die durch ein Stipendium der Start-Stiftung unterstützt werden. „Ich bin so froh, dass ich es geschafft habe“, sagt die 18-Jährige aus Nidderau. „Diese Bewerbung war meine letzte Chance –und ich wollte doch so gerne bei "Start" dabei sein.“

Nidderau – Die Start-Stiftung gGmbH mit Sitz in Frankfurt fördert junge Talente, die für sich und andere Verantwortung zeigen. Gefördert werden Jugendliche mit Migrationserfahrung, die noch drei Jahre die Schule besuchen und mindestens 14 Jahre alt sind.

Für Aysha Iftikhar war es die zweite Bewerbung. „Ich habe mich nach dem ersten Versuch nicht unterkriegen lassen. Aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Nach der Online-Bewerbung findet ein persönliches Gespräch statt“, sagte sie, „dieses Jahr als Telefongespräch.“ In der neunten Klasse war die Schülerin der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule noch nicht zum Zug gekommen, aber mit dem Wechsel auf die Kaufmännischen Schulen in Hanau hat es dann doch geklappt. Die Nidderauerin mit pakistanischen Wurzeln kannte die Start-Förderung bereits durch ihre ältere Schwester Mahwish, die bereits zweimal von Kultusminister Lorz für ihr Engagement geehrt worden ist. „Meine Schwester hat ihren politischen Weg durch Start gefunden“, meint die Schülerin.

In Nidderau war die Schülerin in der Schülervertretung aktiv

Aysha Iftikhar kam 2006 als Fünfjährige aus dem pakistanischen Kaschmir nach Offenbach. „Mein Vater lebte und arbeitete bereits seit einiger Zeit in Deutschland“, erzählte Aysha. An ihre ersten Schuljahre in Offenbach hat sie keine guten Erinnerungen. „Du, Paki“ wurde sie genannt und das war nicht freundlich, sondern ausgrenzend gemeint. „Ich war sehr schüchtern, wollte mich im Unterricht nicht melden.“

Mit dem Umzug nach Nidderau und dem Wechsel in die achte Klasse der Bertha-von-Suttner-Schule sei vieles besser geworden. Auch weil Aysha Iftikhar sich traute „was zu sagen, für sich Respekt einforderte.“ An der Bertha war sie Klassensprecherin, stellvertretende Schulsprecherin und in der Schülervertretung aktiv. Die Schülerin beteiligte sich zudem an Aktionen des Projekts „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.

Nach ihrem guten Realschulabschluss ist die Nidderauerin nun auf dem Weg zum Abitur. An den Kaufmännischen Schulen hat sie sich für den Schwerpunkt Gesundheit entschieden, Aysha Iftikhar möchte Ärztin werden. Ihre Eltern geben ihr Rückhalt und unterstützen sie, sagte Aysha. Zusätzlich wird die Start-Stiftung sie mit einem dreijährigen Programm auf diesem Weg begleiten und fördern.

Stiftung will Jugendliche mit Migrationshintergrund stärken

Die Stiftung will Jugendliche mit Migrationshintergrund auf verschiedenen Ebenen stärken und motivieren, sich in der Gesellschaft einzubringen und sich für Demokratie einzusetzen. Hierzu er-halten die Stipendiaten eine materielle und finanzielle Unterstützung in Form eines Notebooks und einem „Bildungsgeld“ von 1000 Euro pro Jahr, das ausdrücklich für Bildungsangebote zu verwenden ist. „Wir können damit Nachhilfe finanzieren oder auch eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Wir können Fahrtkosten bezahlen, uns im Sport- oder Musikverein anmelden“, erklärte die 18-Jährige. Die Quittungen werden gesammelt und online an die Stiftung übermittelt.

Weitaus entscheidender ist für Aysha die ideelle Begleitung. „Ich freue mich schon sehr darauf, die anderen hessischen Stipendiaten kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.“ Das erste nicht digitale freiwillige Treffen wird im Kletterpark Offenbach stattfinden. Die erste Pflichtveranstaltung wird am 24. Oktober mit den Stipendiaten aus Hessen und Landes-Koordinatoren stattfinden.

Zum Netzwerk gehören nicht nur die Stipendiaten sondern auch Mentoren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Weitere Akademien und Seminare zu verschieden Themen aus Kultur, Politik, Medien oder Naturwissenschaft werden folgen. Dabei erfahren die Jugendlichen eine individuelle Förderung, sollen ihre eigenen Stärken entdecken und entwickeln. Zu den vier Schlüsselkompetenzen – der Fähigkeit zu kommunizieren, kreativ und kritisch zu sein und zusammenzuarbeiten, sieht die Start-Stiftung „den gesellschaftlichen Kompass“ als eine entscheidende Komponente“.

Zum Netzwerk der Start-Community gehören deshalb nicht nur Stipendiaten aus unterschiedlichen Regionen, sondern auch Begleiter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ob nun Zoom-Meeting oder reale Veranstaltung, für Hobbys wie Freunde treffen, Joggen oder Reisen wird Aysha Iftikhar in den nächsten drei Jahren ihrer Aussage nach nicht viel Zeit übrig haben. Trotzdem sagte sie zum Abschluss des Gesprächs: „Ich wünsche mir, durch die überregionalen Vernetzungen die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland kennenzulernen und freue mich auf den Austausch. Ich hoffe auf eine schöne Zeit und weiterhin auf Unterstützung. Und eine Abschlussfeier in Berlin.“

Weitere Informationen zum Förderprogramm der Start-Stiftung gGmbH gibt es im Internet.

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