Mitglieder des Umweltausschusses sprechen sich für schnelle Lösung aus

Nidderau: Beschädigte Fichten sollen gefällt werden

Begutachten den Zustand des Nidderauer Waldes: Die Mitglieder des Umweltausschusses mit Revierförster Alexander Zentz (links) und Fortsamtsleiter Lutz Hofheinz (Dritter von rechts) sowie dem Ersten Stadtrat Rainer Vogel (rechts).
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Begutachten den Zustand des Nidderauer Waldes: Die Mitglieder des Umweltausschusses mit Revierförster Alexander Zentz (links) und Fortsamtsleiter Lutz Hofheinz (Dritter von rechts) sowie dem Ersten Stadtrat Rainer Vogel (rechts).

Sollen die kaputten oder zumindest schwer geschädigten Fichten im Nidderauer Bürgerwald gefällt werden oder oder sollte man sie besser stehen lassen – das wollte der Nidderauer Umweltausschuss direkt vor Ort entscheiden.

Nidderau - In der letzten Sitzung des Umweltausschusses Mitte Juni hatte der kommissarische Revierförster Alexander Zentz seinen Forstwirtschaftsplan 2022 präsentiert und dem Ausschuss dabei wenig Hoffnung auf ein ertragreiches Jahr in Aussicht gestellt. Im Gegenteil. Es gebe dringenden Handlungsbedarf, denn in Folge des Borkenkäferbefalls und der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Jahren seien nicht nur die Fichtenbestände erheblich geschädigt oder sogar schon verloren, sondern auch der übrige Baumbestand inzwischen gefährdet.

„Wir müssen jetzt handeln“, hatte Zentz vorgeschlagen. Ansonsten würden die Schäden in dem rund 1050 Hektar großen Wald der Stadt immer größer. Schon jetzt zeigten annähernd 50 Prozent des alten Baumbestandes kleinere und größere Schäden, wie etwa abgestorbene Äste oder viel zu kleine Blätter.

Nach eingehender Diskussion beschloss der Umweltausschuss, sich erst einmal selbst vor Ort davon überzeugen zu wollen, ob der Handlungsbedarf tatsächlich so groß ist, um einer radikalen Fällaktion des Fichtenbestandes zuzustimmen.

Also traf sich der Ausschuss kürzlich am Waldesrand in Eichen und ließ sich von Zentz und dem Leiter des Forstamtes Hanau Lutz Hofheinz zu mehreren Stellen im Wald führen, in denen Fichten eine größere Insel innerhalb des Mischwaldes bilden. Vor Ort bedurfte es dann allerdings nicht mehr sehr vieler Erklärungen durch Zentz, zu offensichtlich waren die Schäden. „Noch 2015 machten die Fichten 15 Prozent des Baumbestandes in unserem Nidderauer Wald aus. Jetzt, sechs Jahre später, sind es nur noch knapp vier Prozent“, so Constantin Faatz, stellvertretender Fachbereichsleiter Umwelt.

In Anbetracht der massiven Schäden an dem restlichen Fichtenbestand gebe es nun zwei Möglichkeiten, wiederholte Zentz seine Feststellung aus der Ausschusssitzung: „Entweder wir fällen auch die restlichen Fichten, egal ob noch grün oder schon tot oder wir überlassen es dem Wald selber, wie er mit dem Borkenkäfer und den neuen Wetterbedingungen fertig wird.“ Forstamtsleiter Hofheinz führte weiter aus: „Drei Gesichtspunkte sind bei der Entscheidungsfindung wichtig. Aus ökonomischer Sicht müssten jetzt auch die restlichen Fichten gefällt werden, da mit den gesunden Stämmen noch Geld zu verdienen ist. Aus ökologischer Sicht sollten zumindest die gesunden Fichten stehen bleiben, weil sie den jungen Trieben zumindest den für das Wachstum erforderlichen Schatten bieten können. Und schließlich aus Arbeitssicherungsgründen müssten sie wieder gefällt werden, weil die jungen nachwachsenden Bäume gepflegt werden müssen, dies aber neben den absterbenden Fichten aus Sicherheitsgründen keinem Arbeiter zugemutet werden kann.“

Nur noch wenige Fichten im Nidderauer Wald haben eine grüne Krone. Die Trockenheit der vergangenen Jahre und der Borkenkäfer haben ihnen schwer zugesetzt.

Auf die Frage eines Ausschussmitgliedes, ob nicht zumindest ein Teil der Bäume stehen bleiben solle, war die Antwort des Revierförsters eindeutig. Das ist nicht zielführend, denn dann müsse man in den kommenden Jahren mit den Fäll- und Räumungsarbeiten fortsetzen. Und das sei teuer und beschädigt auch den Waldboden nicht unerheblich.

Mitten auf einer größeren Lichtung, auf der nur noch tote Fichtenstämme in den Himmel ragten, bedurfte es dann auch keiner Diskussion seitens des Ausschusses mehr. Einstimmig wurde beschlossen, den restlichen Fichtenbestand schnellstmöglich fällen zu lassen und die frei werdenden Flächen zunächst erst einmal der Natur zu überlassen, also der Naturverjüngung. Ob und in welchem Ausmaß nachgepflanzt werden soll, darüber will der Ausschuss im kommenden Jahr beraten. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Ob Hessen Forst an den Maßnahmen noch beteiligt sein wird, darüber muss eine neue Ausschreibung entscheiden. Der Vertrag mit Hessen Forst für die Pflege des Nidderauer Waldes läuft Ende dieses Jahres aus, genau wie der Vertrag des zurzeit kommissarisch eingesetzten Revierförsters Alexander Zentz. Auch diese Stelle müsste im neuen Jahr neu besetzt werden, weil Zentz sehr weit weg wohnt und ihm der tägliche Weg nach Nidderau zu weit ist. (Von Jürgen W. Niehoff)

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