Schwimmtraining

Nidderau: CDU-Antrag auf freien Eintritt ins Nidderbad für Kinder abgelehnt

Sicher ohne Schwimmflügel schwimmen? Mit fünf bis sechs Jahren sind die meisten Kinder im besten Alter, es zu lernen.
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Sicher ohne Schwimmflügel schwimmen? Mit fünf bis sechs Jahren sind die meisten Kinder im besten Alter, es zu lernen.

Schwimmen zählt zu den lebensnotwendigen Grundfertigkeiten. Diese Meinung vertritt nicht nur die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), sondern auch die CDU Nidderau. Doch die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Schließungen von Bädern haben den Schwimmunterricht in Schulen und Vereinen in den vergangenen eineinhalb Jahren ausgebremst.

Nidderau – Die CDU-Fraktion beantragte deshalb in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend, dass Nidderauer Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren (Jahrgänge 2011 bis 2017) für die Sommersaison 2021 freien Eintritt ins Nidderbad erhalten sollen, um das Schwimmen zu fördern und erst gar keine „Wasserangst“ aufkommen zu lassen.

„Gerade in der derzeitigen Pandemie mit den daraus resultierenden Maßnahmen kamen die Kinder und Jugendlichen viel zu kurz“, begründete CDU-Vertreterin Stefanie Birnbaum den Antrag. Zudem sei Schwimmen eine unverzichtbare Überlebenstechnik. „Wenn ein Kind nicht balancieren kann, fällt es runter. Wenn es keinen Ball fangen kann, bekommt es ihn ins Gesicht. Wenn es allerdings nicht schwimmen kann, ist es am Ende vielleicht – soweit wollen wir erst gar nicht denken.“

FWG: 50.000 Euro Mindereinnahmen fallen nicht besonders ins Gewicht

Unterstützung erhielt die CDU von der FWG durch die Abgeordnete Silke Sacha. „Ich bin als Mutter eines fünfjährigen Sohnes ebenfalls selbst betroffen. Das ist ein wichtiger Antrag.“ Die Mindereinnahmen an Eintrittsgeldern, die Sacha nach eigener Berechnung mit etwa 50 000 Euro bezifferte, fielen beim jährlichen Millionendefizit des Nidderbades nicht schwer ins Gewicht.

In einem Ergänzungsantrag ging die FWG sogar noch weiter: Die DLRG solle schnellstmöglich Schwimmkurse anbieten, die Stadt solle die Kosten dafür übernehmen, um den Rückstand bei der Schimmfähigkeit der Kinder aufzuholen.“

SPD-Vertreter Michael Bär, zugleich Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, fand den Antrag zwar auf den ersten Blick einleuchtend, hatte dann aber doch jede Menge Einwände. Auch er komme bei seiner Berechnung auf Mindereinnahmen von mindestens 55 000 Euro. Aus seiner Sicht sei das jedoch viel Geld. Zudem müsse für den angestrebten Zeitraum von jetzt noch zwei Monaten ein neues Ticket für den aktuell geltenden Online-Vorverkauf eingeführt werden. Die Kontrolle an der Kasse, ob ein Kind wirklich aus Nidderau stamme, stelle eine weitere Hürde dar.

DLRG steckt momentan selbst noch in der Trainer-Ausbildung

Zudem sei die mangelnde Schwimmfähigkeit von Kindern nicht erst seit Corona Thema. Die wenigsten seien heutzutage motorisch überhaupt dazu in der Lage, schon im Alter von vier Jahren Schwimmen zu lernen, äußerte Bär Skepsis an der im Antrag angegebenen Altersgruppe. „Hinzu kommt, dass die DLRG derzeit kaum nachkommt, ihre Trainer neu zu zertifizieren“, erläuterte Michal Bär, der selbst zertifizierter Schwimmausbilder und Mitglied der DLRG Nidderau ist. „Die Kapazitäten sind derzeit also begrenzt.“ Immerhin konnte Bürgermeister Andreas Bär (SPD) von städtischer Seite berichten, dass der Betriebsleiter des Nidderbads Harald Rühl für den Herbst zusätzliche Schwimmkurse angekündigt hat.

Birnbaum und Sacha entgegneten Michael Bär, dass die Umstellung des Ticket- und Buchungssystems ja auch bei Jahreskarteninhabern und anderen vergünstigten Besuchergruppen funktioniere. Andere Kommunen seien schneller beim Angebot von Kursen. Und Stefanie Birnbaum fragte: „Was sind 50 000 Euro für Kosten im Vergleich zu einem Kinderleben?“ Die Mehrheit von SPD und Grünen ließ sich jedoch auch durch diesen emotionalen Appell nicht erweichen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Weitere Themen der Stadtverordnetensitzung

Neben dem CDU-Antrag auf freien Eintritt für Kinder ins Nidderbad für die Sommersaison, diskutierten die Stadtverordneten am Donnerstagabend in der Kultur- und Sporthalle Heldenbergen eine Reihe anderer Themen. Hier eine Auswahl:

Die städtischen Verkehrskreisel sollen auf Antrag von SPD und Grünen mit mehrjährigen, insektenfreundlichen Stauden bepflanzt werden. Der Vorschlag der FWG, dafür Firmen und Vereine mit ins Boot zu holen, um Kosten zu sparen, wurde abgelehnt.

Hinter dem „Greenhouse“, dem Jugendklub in Erbstadt, wird auf Antrag von SPD und Grünen ein zweiter Basketballkorb samt Beleuchtung installiert.

Der CDU-Antrag auf Errichtung einer Sitzgruppe in der Nähe der Baumgräber auf dem Friedhof Heldenbergen wurde abgelehnt. Bürgermeister Andreas Bär und die SPD-Fraktion argumentierten, am Denkmal für Sternenkinder seien bereits Sitzgelegenheiten geplant.

Die Verwaltung soll auf Antrag der FWG die Anschaffung oder die Miete eines mobilen Kuppelzeltes für Freiluftveranstaltungen prüfen, eventuell im Verbund mit den Kulturprogrammpartnern Schöneck und Altenstadt. Es soll etwa 300 Teilnehmern Schutz vor Sonne und Regen bieten.

Resultierend aus zwei Anträgen der FWG wird ein Controlling von städtischen Investitionsmaßnahmen ab einer Summe von 250.000 Euro eingeführt. Die Verwaltung soll zum Quartalsende über den Verlauf der Maßnahmen berichten.

Der FWG-Antrag für eine Baumschutzsatzung wurde abgelehnt. Die Kontrolle von Baumfällungen auf Privatgrundstücken sei schwierig. Die Satzung rette keine Bäume, sondern könne lediglich im Nachhinein Strafen verhängen, meinten die Grünen, die vor Jahren selbst festellen mussten, dass eine solche Satzung nicht funktioniere und juristische Auseinandersetzungen sowie viel Bürokratie nach sich ziehe. Die SPD sah zudem formale Fehler des Antrags. Das Argument der FWG, dass Städte wie Bonn, Marburg, Darmstadt, Frankfurt oder Bad Homburg solche Satzungen anwenden würden und die Bürger im Vorfeld Fällungen anmelden würden, fand keine Anerkennung.

Folgende Personen wurden zu Mitgliedern der Integrations-Kommission gewählt: Arda Oral, Teclemariam Ghebregergis, Elisabeth Mayer-Gracia, Lejla Hasanbasic und Mahwish Iftikhar.

Die Stadt Nidderau bekundet ihr Interesse, dem SPESSARTregional e.V. beizutreten, um von Fördermitteln für Tourismus und wirtschaftliche Strukturen zu profitieren.

Die Fortführung des Einzelhandelskonzepts wurde mehrheitlich beschlossen. Ansiedlungen von Einzelhandel in den Ortsrandlagen soll verhindert und in den Kernbereichen gefördert werden.

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