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Nidderau: Das Untertor prägt noch heute den dörflichen Charakter

Das Untertor am Anfang der Kleinen Gasse wurde einstmals als Eingangstor für das Dorf Eichen errichtet.
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Das Untertor am Anfang der Kleinen Gasse wurde einstmals als Eingangstor für das Dorf Eichen errichtet.

Nidderau – In den fünf Stadtteilen Nidderaus gibt es über 160 Gebäude, die wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung, ihrer Schönheit oder ihrer Einmaligkeit unter den Schutz des Amts für Denkmalpflege gestellt sind. Das Untertor in Eichen ist eines von ihnen.

Der kleine Ort Eichen wurde erstmals urkundlich im Jahr 1035 erwähnt. Dabei reicht die Geschichte Eichens wesentlich weiter zurück. Frühere Ausgrabungen belegten nämlich die Existenz germanischer und römischer Siedlungen in diesem Bereich noch vor Beginn unserer Zeitrechnung. Die Namensgebung der einst selbstständigen Gemeinde Eichen ist nicht, wie es eigentlich nahe liegen könnte, auf die vielen Eichenbäume in der näheren Umgebung zurückzuführen, sondern auf den lateinischen Ausdruck „Locus Eichine“, der so viel wie „eigener Ort“ bedeutet.

Dieser Begriff war zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Eichens in offiziellen Urkunden (etwa in Schenkungsurkunden) eine sehr gebräuchliche Formulierung für eigenständige Ansiedlungen ohne eigenen Namen. Weil das Dorf lange im kirchlichen Besitz des Klosters von Limburg war, wurde es im dreißigjährigen Krieg und zwar am 15. Mai 1635 bis auf ein Haus völlig zerstört.

Für das Dorf war dies wohl eines der einschneidendsten Ereignisse in seiner Jahrhunderte alten Geschichte. Denn nicht nur die Häuser wurden zerstört, auch die Einwohner, die sich nicht rechtzeitig in die umliegenden Wälder retten konnten, wurden entweder getötet oder mussten unvorstellbares Leid ertragen.

Der spätere Wiederaufbau des Dorfes, der sich über viele Jahrzehnte hinzog, erfolgte, mit Ausnahme der Kirche, die wieder an derselben Stelle errichtet wurde, nicht mehr an der ursprünglichen Stelle, sondern näher an der Nidder. So konnte die Wasserversorgung besser gesichert und im Brandfall auch besser gelöscht werden. Bei dem allmählichen Neuaufbau des Dorfes spielte die Ortsbefestigung eine nicht unwesentliche Rolle.

Werner Brodt mit seiner Frau Ute Stoffel-Brodt vor dem Eicher Tor.

Da sich die Dorfbewohner damals eine Befestigungsmauer nicht leisten konnten – schließlich mussten sie nach der Zerstörung erst einmal ihre Häuser und Höfe wieder errichten – wurden alle Scheunen in Form eines Ringes an den Außenseiten der Grundstücke errichtet („Scheunenring“). Lücken zwischen den Gebäuden wurden mit undurchdringlichen Hecken (das sogenannte „Gebück“) bepflanzt und sollten so das Eindringen unerwünschter Personen verhindern. „Zur Befestigung des Dorfes gehörten auch zwei verschließbare Pforten, von denen leider nur das 1682 errichtete Untertor erhalten geblieben ist“, berichtet Werner Brodt.

Er beschäftigt sich in seiner Freizeit intensiv mit der Vergangenheit von Eichen. Die zweite Pforte, das Obertor, befand sich in der Obergasse in der Nähe der Einmündung des Friedhofsweges und musste später dem Ausbau und Neugestaltung des Ortskerns weichen. „Das Untertor hat Glück gehabt, dass die Kleine Gasse, an der das Bauwerk liegt, keine Durchgangsstraße war, sondern dass der Verkehr an ihr vorbei geleitet wurde“, berichtet Brodt weiter.

Seit dem Umbau des Kirchplatzes vor etwa zehn Jahren ist die Kleine Gasse für den Durchgangsverkehr nun völlig gesperrt. Wegen seiner historischen Bedeutung ist das Untertor zum Kulturdenkmal erklärt worden. Ein gut erhaltener und in der Zwischenzeit restaurierter Balken am Untertor trägt auch noch die die Inschrift der Baumeister: „Herr Johann Peter Mörsel Schultheiß und Johann Peter Müller, Heinrich Osthaust, Burgmeister 1682“. Der Untere Teil des Gebäudes ist gemauert, während der obere Teil aus Fachwerk besteht und auch bewohnt war.

Ursprünglich befanden sich an beiden Pforten Holztore, die nachts verschlossen wurden. Überlieferungen zufolge war es Aufgabe der Bäcker, die ohnehin morgens früh aufstehen mussten, die Tore zu öffnen, damit die Bauern ihre Äcker erreichen konnten. Diese Tore gibt es nicht mehr. Trotzdem prägt das Untertor auch heute noch den dörflichen Charakter Eichens.

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