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Nidderau: Flurbereinigung zum Bau der Ortsumgehung endet nach 17 Jahren

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Als eine der letzten Maßnahmen des Windecker Flurbereinigungsverfahrens wurde der Weg vom Regenrückhaltebecken bis zum Wartbaum neu asphaltiert, wie Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) erklärt.
Als eine der letzten Maßnahmen des Windecker Flurbereinigungsverfahrens wurde der Weg vom Regenrückhaltebecken bis zum Wartbaum neu asphaltiert, wie Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) erklärt. © Thomas Seifert

Auch 17 Jahre nach Einleitung des Flurbereinigungsverfahrens im Zuge des Neubaus der Ortsumgehung Nidderau sind noch nicht alle geplanten Maßnahmen durchgeführt. „Allerdings kann man sagen, dass mit dem noch ausstehenden Eintrag in das Grundbuch dann das Verfahren als abgeschlossen gilt“, stellt Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) fest.

Nidderau – Der Biolandwirt war bereits vor seiner Zeit als Erster Stadtrat in das Verfahren involviert und seinerzeit als Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft in alle Schritte der Flurbereinigung einbezogen. Federführend war und ist das Amt für Bodenmanagement in Büdingen, das das Verfahren als Unternehmensflurbereinigung durchführte. Das hatte den Vorteil, dass schon in einer frühen Phase für den Bau der B45/521 durch Hessen Mobil Baurecht vorlag.

Am 20. Dezember 2004 wurde das Verfahren für den Abschnitt Windecken eingeleitet, der weitere Abschnitt Heldenbergen/Eichen folgte erst gut ein Jahr später, sodass dieses Flurbereinigungsverfahren noch andauert, stellte Vogel fest. In Windecken betrug die Fläche etwa 342 Hektar und betraf über 500 Flurstücke, die im Besitz von 340 Eigentümern waren. Ein Mammut-Projekt. Die Eigentümer konnten sich entscheiden, ob die für den Bau und die Ausgleichsmaßnahmen der Bundesstraße notwendigen Flächen an anderer Stelle ersetzt wurden oder ob die Eigentümer die benötigten Flächen verkauften.

Böden in Windecken von nahezu gleicher Qualität

Nachdem 2007 der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft gewählt worden war, dauerte es noch bis 2016 bis ein detaillierter Wege- und Gewässerplan mit landschaftspflegerischem Begleitplan aufgestellt worden war. Mittels eines Wertermittlungsrahmens wurden sämtliche Grundstücke des Verfahrens eingeteilt. „Wobei wir in Windecken in der glücklichen Lage waren, dass die Böden von nahezu gleicher Qualität sind und deshalb lediglich zwei Kategorien zur Wertermittlung herangezogen werden mussten“, blickt Vogel zurück.

Komplexes Verfahren: Stadtrat Vogel zeigt eine Karte, auf der sämtliche Maßnahmen im Zuge der Flurbereinigung Windecken zum Bau der Umgehungsstraße Nidderau verzeichnet sind.
Komplexes Verfahren: Stadtrat Vogel zeigt eine Karte, auf der sämtliche Maßnahmen im Zuge der Flurbereinigung Windecken zum Bau der Umgehungsstraße Nidderau verzeichnet sind. © Thomas Seifert

Es schloss sich der Abfindungswunschtermin an, dessen Ergebnisse in eine Vereinbarung mündeten. 2017 folgte dann der allgemeine Besitzübergang, noch ausstehend sind die Bekanntgabe des Flurbereinigungs- beziehungsweise Zusammenlegungsbeschlusses, der Eintritt des neues Rechtszustands, die Berichtigung der öffentlichen Bücher und die Schlussfeststellung. „Ein umfangreiches und langwieriges Verfahren, das aber in Windecken kaum durch unerfüllbare Wünsche von Grundeigentümern ausgebremst worden ist, sondern sehr geräuschlos über die Bühne ging“, lobt der ehemalige Vorsitzende die Mitglieder der umfassenden Teilnehmergemeinschaft.

Ausbau eines funktionsgerechten Wege- und Gewässernetzes

Die Gründe für die Verfahrenseinleitung waren, wie erwähnt, die Bereitstellung von Flächen für die geplante Trasse der B45/521, inklusive Nebenanlagen, Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen, sowie die Verteilung des möglichen Landverlusts auf einen größeren Kreis von Eigentümern.

Weiter ging es um die Minderung oder Beseitigung der landeskulturellen Nachteile, wie zum Beispiel Durchschneidungsschäden der Feldgemarkung, Schaffung von wirtschaftlichen Grundstücksformen, Anlage und Ausbau eines funktionsgerechten Wege- und Gewässernetzes und die Durchführung landschaftspflegerischer Maßnahmen. Der Erosionsschutz, Aspekte des Naturschutzes und der Artenschutz spielten ebenso eine Rolle – Stichworte Feldhamster und der Schmetterling Ameisenbläuling.

Wie der Erste Stadtrat betont, habe die Stadt im Zuge des Verfahrens eigene Maßnahmen durchgeführt, die zur besseren Infrastruktur für die Landwirte, Fußgänger und Radfahrer führten. Dazu gehören die Verbreiterung der Feldwege an der Umgehungsstraße von drei Metern auf 3,50. Zusätzlich ist eine Verbindung zum Radweg entlang der B521 nach Büdesheim hergestellt worden.

Feldwege verbreitert und asphaltiert

Der Feldweg „Vorderes Nidderfeld“ entlang der Eisenbahnlinie Bad Vilbel–Stockheim wurde asphaltiert, ebenso wie das letzte Stück des Feldwegs zum Wartbaum ab dem Regenrückhaltebecken. Weiterhin wurde der Ausbau des Feldwegs in der Gemarkungsbezeichnung „Handbeil“ durchgeführt. Durch die Asphaltierung dieses Feldweges wurde das bestehende Wegenetz erweitert und somit eine durchgängige Nutzung ermöglicht.

Saniert wurden die Drainagen in den Gemarkungsgebieten „Herzboden“, „Hanauer Fußpfad“ und „Sirzwiese“. Die Drainagen waren nicht mehr funktionstüchtig, dadurch hatten in diesen Bereichen die Eigentümer Nachteile durch Äckervernässung. Durch die Herstellung der Drainagen konnte ein erhöhter Wertverlust vermieden werden.

Zuwachs von Rebhühnern und Feldhasen

Ausstehend sind jetzt noch die Herstellung einer Überflutungsrinne im Bereich des Angelteichs in der Nidderaue Richtung Büdesheim und verschiedene Aufweitungsmaßnahmen im Uferbereich der Nidder. „In diesem Zug wollen wir direkt die künftigen europäischen Gewässerrichtlinien umzusetzen“, stellt Vogel fest.

Ein Nebeneffekt der Neuordnung von Teilen der Gemarkung Windecken freut den Ersten Stadtrat besonders, denn durch die Ausgleichsflächen und Blühstreifen konnte ein Zuwachs von Rebhühnern und Feldhasen beobachtet werden, wie Jagdpächter Heilmann festgestellt hat. (Von Thomas Seifert)

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