Ehrenamt

Nidderau: Gerd Bauscher geht nach einem Leben für Sport und Politik in den Ruhestand

Gerd Bauscher auf seiner Terrasse: Der engagierte 77-Jährige hat nun mehr Zeit für Erinnerungen wie an die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im März 2013. Er zieht sich in den Ruhestand zurück.
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Gerd Bauscher auf seiner Terrasse: Der engagierte 77-Jährige hat nun mehr Zeit für Erinnerungen wie an die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im März 2013. Er zieht sich in den Ruhestand zurück.

Hochdekoriert und mit sich und der Welt im Reinen, geht der Windecker Gerd Bauscher, ein vielbeschäftigter Sport- und Parteifunktionär, nun mit 77 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. „Ich möchte einfach über den Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem öffentlichen Leben selbst bestimmen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nidderau – Er fände es furchbar, irgendwann einmal auf das berühmt, berüchtigte Abstellgleis geschoben zu werden. „Möglicherweise auch noch begleitet von verletzenden Kommentaren“, begründet Bauscher, der bis zum Ende der Wahlperiode Ortsvorsteher in Windecken war, seinen Entschluss, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Neben dem Alter waren es auch gesundheitliche Gründe, die ihn zu dem Rückzug veranlasst haben. Nach längerer Überlegung schiebt er schließlich noch einen dritten Grund für seinen Abschied nach: „Irgendwie verliert das Engagement für die Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Jeder macht nur Seins. Und das ist schade.“

Kontakt zu Bürgern als Ortsvorsteher immer vorrangig

Für ihn sei der Kontakt zu den Bürgern stets vorrangig gewesen. Und deshalb empfand er den Ortsbeirat auch stets als Bindeglied zwischen Politik und den Bürgern. „Doch diese Auffassung scheinen nicht mehr alle zu teilen“, so Bauscher nachdenklich. Er sei aber weder verbittert noch in irgendeiner Art enttäuscht, sondern er habe einfach registrieren müssen, dass sich die Gesellschaft ändert und deshalb auch ein Generationenwechsel dringend notwendig sei. Deshalb habe er bei den Kommunalwahlen am 14. März weder für das Stadtparlament noch für den Ortsbeirat Windecken kandidiert.

Ein Rückblick: 1943 wurde Gerd Bauscher in Thüringen geboren, lebt aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Windecken. „Ich bin mit Haut und Haaren wirklich ein waschechter Windecker geworden“, versichert der 77-Jährige. Er ist verheiratet, hat eine Tochter, die nur einen Steinwurf von ihm entfernt wohnt. Nach dem Schulabschluss erlernte er den Beruf des Industriekaufmanns bei der Firma Hohlbein und arbeitete anschließend 36 Jahre als Speditionskaufmann bei der „Cassella/Hoechst“ in Frankfurt.

Über Jahrzehnte in verschiedenen Positionen für den Fußball engagiert

Sein Engagement für die Allgemeinheit begann beim Fußball. Nach einer nur kurzen aktiven Laufbahn wechselte er schon bald ins Funktionärslager über und wurde 1962 mit gerade einmal 19 Jahren bereits stellvertretender Jugendleiter. Nach seinem Aufstieg zum Jugendleiter im Jahr 1965 übte er das Amt anschließend acht Jahre lang beim SC Eintracht-Sportfreunde Windecken aus.

Es folgten 15 Jahre als Kreisjugendwart im Fußballkreis Hanau und von 1987 bis 1995 war er dann Klassenleiter der Bezirksklasse Frankfurt-Ost und stellvertretender Bezirksfußballfachwart. Darüber hinaus trug er als Vorsitzender des SC Windecken insgesamt 29 Jahre, nämlich von 1974 bis 2003, die Verantwortung für seinen Windecker Sportverein. Im Jahr 2010 wurde Gerd Bauscher zum Ehrenvorsitzenden des SC Eintracht-Sportfreunde Windecken ernannt.

Doch nicht nur im sportlichen Bereich engagierte er sich, auch in der Kommunalpolitik war er aktiv. So war er zehn Jahre, von 2001 bis 2011, Mitglied im Ortsbeirat Windecken, ab 2016 die letzten fünf Jahre sogar als dessen Vorsitzender. Darüber hinaus war er von 2001 bis 2016 Stadtverordneter im Nidderauer Stadtparlament und führte den SPD-Ortsbezirk Windecken von 2006 bis 2018 als Vorsitzender.

Marktmeister und „Leseopa“

Doch nicht genug damit, er engagierte sich außerdem auch noch als Marktmeister von Windecken und zeigte sich mitverantwortlich für die Weihnachts-, Pfingst- und Herbstmärkte. Sein gesellschaftliches Engagement rundete er als „Leseopa“ im evangelischen Kindergarten in Heldenbergen ab und mit der Verwaltung des Fundus für die Stadt Nidderau.

Für diese zahlreichen Einsätze für die Allgemeinheit über all die vielen Jahre wurde Bauscher dann auch ausgezeichnet. So erhielt er 1988 zunächst den Ehrenbrief des Landes Hessen und 2013 dann sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die letzte Auszeichnung war die Berufung zum Ehren-Ortsvorsteher von Windecken durch die Stadt. Ganz zurückziehen will sich Bauscher allerdings nicht. „Ich bin noch Regionalbeauftragter der Altfußballer. Dieses Ehrenamt möchte ich doch noch eine Weile ausüben.“ Jürgen W. Niehoff

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