40 Jahre Stadtrat

Nidderau: Hanstheo Freywald verlässt nach 50 Jahren Ehrenamt die Kommunalpolitik

Die höchste von vielen Auszeichnungen erhielt Hanstheo Freywald (Zweiter von rechts) im Beisein seiner Frau Brigitte und von Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (rechts) im Februar 2019 von Hessens Innenminister Peter Beuth (links): das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
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Die höchste von vielen Auszeichnungen erhielt Hanstheo Freywald (Zweiter von rechts) im Beisein seiner Frau Brigitte und von Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (rechts) im Februar 2019 von Hessens Innenminister Peter Beuth (links): das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Zwei Vorlieben hatte der inzwischen 83-jährige Hanstheo Freywald, die Kommunalpolitik und Tennis. Nun zieht sich der immer noch rüstige Rentner von beiden Bühnen zurück. Weder auf dem Tennisplatz, noch im Stadtparlament wird er zukünftig zu sehen sein.

Nidderau – „Mit dem Tennis habe ich schon letztes Jahr mit einem Doppel aufgehört. Und mit der Kommunalpolitik mache ich nun dieses Jahr mit der Kommunalwahl Schluss“, sagt der Diplom-Bergingenieur im Ruhestand und langjährige ehrenamtliche Stadtrat Hanstheo Freywald aus Heldenbergen bei einer Tasse Kaffee auf seinem Balkon. Jetzt will er sich ganz der Familie widmen, die all die Jahre „vielleicht ein wenig zu kurz gekommen ist“, schmunzelt er einsichtig.

1937 wurde Freywald in dem kleinen Ort Kredenbach im Siegerland geboren. Schon früh besserte er als Jugendlicher mit Gelegenheitsarbeiten sein Taschengeld auf. Mit 17 Jahren verließ er mit der mittleren Reife die Schule und ergriff einen Beruf, mit dem er schnell Geld verdienen konnte, nämlich als Steiger im Bergbau. Nach den damaligen Gesetzen war das gleichzusetzen mit einem Diplom-Bergbauingenieur.

Arbeit im Bergbau hat ihn geprägt

Doch bis dahin war es ein steiniger Weg. Schichtdienst und die schwere körperliche Arbeit prägten ihn zur Bescheidenheit im Leben. „Wir haben mit dem Presslufthammer Kohle gebrochen, zum Teil kriechend auf dem Bauch“, erzählt Freywald, der sich aber auch gern an Skatrunden auf Sprengstoffkisten bei einer Flasche Schnaps erinnert. Als Nidderaus Bürgermeister Willi Salzmann Jahre später von einem Aufenthalt im Siegerland zurückgekehrt sei, bei dem er auch Freywalds Mutter besucht hatte, habe er zu ihm gesagt: „Ich habe immer gewusst, dass Du aus einem guten Stall kommst.“

1962 wechselte der Diplom-Bergbauingenieur seinen Arbeitgeber und fing im U-Bahntunnelbau in Frankfurt an. Sein Chef hatte damals eine freie Wohnung in Heldenbergen, und so wurde Freywald Heldenberger Bürger. Weil er ein recht geselliger Typ ist, der sich gerne unter Menschen mischt, dauerte es nicht lange, bis er Anschluss fand. Mit Gleichgesinnten gründete er 1966 den Nidderauer Tennisclub. Doch auch die beiden örtlichen Parteien SPD und CDU warben um den rührigen Siegerländer.

Zahlreiche Ämter und Mitgliedschaften

Noch ist Hanstheo Freywald ehrenamtlicher Stadtrat der Stadt Nidderau. „Ich scheide erst mit der konstituierenden Sitzung des neuen Magistrats aus“, stellt der erfahrene Kommunalpolitiker fest. Hans Theodor Freywald war von 1970 bis 1977 Stadtverordneter der Stadt Nidderau. Ab 1981 ehrenamtlicher Stadtrat und von 1985 bis 1989 sowie von 2007 bis 2009 ständiger Stellvertreter des Bürgermeisters. Zudem engagierte sich Freywald ehrenamtlich etwa als Sportwart, Jugendwart und Vorsitzender im Nidderauer Tennis Club sowie im Kuratorium der evangelischen Kindertagesstätte Heldenbergen. Darüber hinaus war er unter anderem Mitglied im Arbeitskreis Radwegeplanung, im AK Stadtverkehr (Vorsitzender), Stellvertretender Vorsitzender des Schwimmbadzweckverbandes, Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Steinheim, Mitglied Koordinationskomitee Nidderau-Gehren, Betriebskommission Stadtwerke und Aufsichtsrat der Abwasser GmbH. Außerdem ist er Mitglied in sieben Vereinen. 

Seit 1970 Stadtverordneter

„Nein, ein Schlüsselerlebnis hat es damals nicht gegeben. Ich entschloss mich damals für die SPD, wahrscheinlich, weil ich prekäre Lebenssituationen von meiner Jugend her kannte und weil ich für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit in der Bevölkerung war“, erinnert sich Freywald heute. Das war 1968.

Schon zwei Jahre später, nach der Gebietsreform in Hessen und der Geburtsstunde der Stadt Nidderau, gehörte Freywald dem neuen Stadtparlament an. Und damit seine Frau Brigitte trotz der drei Kinder inzwischen nicht immer alleine zu Hause sitzen musste, wenn er auf Sitzungen oder Parteiveranstaltungen seine Zeit verbrachte, überredete er sie auch zum Parteieintritt. „Ich habe sie dann auch zu sehr vielen Veranstaltungen mitgenommen und meine Teilnahme an diesen Veranstaltungen auch davon abhängig gemacht, dass sie mit eingeladen wurde.“

Wechsel in hauptamtliche Laufbahn als Stadtrat scheiterte zweimal

Zweimal hatte er in all den Jahren hauptamtlich in die Politik wechseln wollen. Das erste Mal war 1980, als er sich zeitgleich mit dem späteren Landrat Erich Pipa und Heinz Appel um den Posten des hauptamtlichen Stadtrates in Nidderau bewarb. Damals trat Appel die Nachfolge von Bernd Reuter an, der in den Bonner Bundestag gewählt wurde.

Das zweite Mal war einige Jahre später in Maintal. Auch hier wollte Freywald gern Erster Stadtrat werden. Doch er unterlag erneut seinem Mitbewerber. Danach blieb es bei seinem ehrenamtlichen Engagement. Das wiederum übte er mit so viel Freude und Überzeugung aus, dass er nicht nur zeitweise ganz offiziell ständiger stellvertretender Bürgermeister von Nidderau wurde sowie von 1981 ununterbrochen bis heute ehrenamtlicher Stadtrat. Er erhielt für sein Wirken im Februar 2019 auch das Bundesverdienstkreuz durch Hessens Innenminister und weitere hochrangige Auszeichnungen.

Ab jetzt öfter in Freizeitkleidung und in der Sonne auf seinem Balkon anzutreffen: Hanstheo Freywald. „Einen solch engagierten Kommunalpolitiker wird man in Hessen und auch bundesweit lange suchen“, sagt Bürgermeister Gerhard Schultheiß, „immer freundlich, humorig und sachkundig. Ein toller Vertreter.“

Bürgermeister wollte er nie werden

Trotz der Zugehörigkeit zu den inneren Zirkeln der städtischen Politik hat es ihn nie auf den Stuhl des Rathauschefs gezogen. „Nein, ich bin nicht der Typ für die erste Reihe. Ich möchte lieber im Hintergrund entwickeln und gestalten. Meine Vorliebe gilt deshalb vor allem der Schaffung der jeweils am besten geeigneten Infrastruktur“, sagt Freywald. Besonders stolz ist er deshalb darauf, dass er beim Bau des Nidderauer Rathauses, das im September 1991 eingeweiht wurde, das Ausschreibungsverfahren leiten durfte.

Jetzt ist mit all dem Schluss. Was bleibt sind unzählige schöne Erinnerungen. „Ja, ein bisschen Angst habe ich schon vor den nun langen, beschäftigungslosen Abenden“, gesteht Freywald nachdenklich. „Aber ich habe ja meine Familie und auch meine Hobbies wie Wandern und Briefmarkensammeln. Und natürlich meine Enkel und Urenkel.“ Jürgen W. Niehoff

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