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Nidderau: Horst Körzinger hat auch mit 80 Jahren als Vorsitzender der Bürgerstiftung noch einiges vor

So blühend wie die Rabatte um sein Haus in Windecken sind auch die Ideen von Horst Körzinger, der an diesem Samstag 80 Jahre alt wird.
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So blühend wie die Rabatte um sein Haus in Windecken sind auch die Ideen von Horst Körzinger, der an diesem Samstag 80 Jahre alt wird.

Von Grenzen und Einschränkungen will Horst Körzinger nichts wissen. Er ist daran interessiert, was möglich und machbar ist. „Zwischen uns und dem Nachbarn gibt es nicht einmal einen Zaun“, bemerkt der überzeugte Optimist scherzhaft beim kurzen Gang durch den Nieselregen um das großzügige Haus. Überall grünt und blüht es.

Nidderau – „Hier an der Stelle war früher ein Teich“, erklärt der Vorsitzende der Bürgerstiftung Nidderau. „Heute lassen wir hier Blumen und Kräuter wild wachsen. Schließlich unterstützen wir ja auch mit der Stiftung Aktionen wie ‘Nidderau blüht’.“

Blühend sind auch Körzingers Ideen. Er ist bekannt für immer neue Projekte, die die Menschen vereinen und die Stadt voranbringen sollen. Das gilt gerade auch mit Blick auf das 50-jährige Bestehen Nidderaus, auch wenn die Feierlichkeiten dazu im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie abgesagt werden mussten.

„Ich bin Nidderauer“, bekennt der gebürtige Ostheimer, der seit Jahrzehnten in Windecken lebt. „Wenn ich früher nach Ostheim zum Schützenclub kam, wurde ich als Windecker begrüßt“, lacht er. „In der Windecker Hochmühle haben sie gesagt: ‘De Usthemer kimmt.’“

„Fünf Stadtteile sind wie Adoptivkinder“

Für Körzinger sind die fünf Stadtteile wie Adoptivkinder, die vor 50 Jahren einen neuen Familiennamen erhalten haben. „Wir sollten die Vergangenheit bewahren, die Zukunft aber müssen wir gemeinsam gestalten.“

Sätze und Redewendungen wie diese – auch Bibelzitate – kommen dem tiefgläubigen Christen im zweistündigen Gespräch häufig über die Lippen. Doch wenn Körzinger sie ausspricht, sind es keine Phrasen. Der gelernte Bankkaufmann, der an diesem Samstag (24. Juli) seinen 80. Geburtstag feiert, ist viel in der Welt herumgekommen und steht hinter dem, was er sagt.

Dabei hat das Leben ihn und seine Frau hart geprüft. Das erste Mal im Februar 1994. Körzinger, damals Bezirksfilialleiter und Direktor der BfG-Bank, hat Magen-Darm-Probleme. Die Diagnose des Internisten lautet Krebs. Und das, obwohl er erst im Jahr zuvor zur Vorsorgeuntersuchung gewesen war. Vor seiner Operation gibt der damals 62-Jährige auf dem Krankenbett ein Gelöbnis ab. „Ich habe zu Gott gebetet und gesagt: ‘Wenn ich das hier überstehe, dann will ich mit Dir gehen und Dir dienen.“

Familie erleidet schwere Schicksalsschläge

Körzinger übersteht die Operation und kommt sogar an einer Chemotherapie vorbei. Doch er lebt bis heute mit Beeinträchtigungen. 1996 geht er in den Vorruhestand – zumindest beruflich. Im gleichen Jahr wird er Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde Friedberg, wo er sich im Bauverein, als Diakon für Finanzen und in der Seniorenarbeit einbringt. Auch in Nidderau setzt er sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement fort (siehe Infokasten) und übernimmt im Jahr 2001 für zehn Jahre den Vorsitz des Kulturbeirats der Stadt. 2011 wird sein Enkel Aaron geboren.

Doch im Jahr 2015 ereilt die Familie der nächste Schicksalsschlag. Erik, einer seiner beiden Söhne, stirbt an einem Hirntumor. In solchen Lebenssituationen stellen Menschen Gott infrage. Körzinger jedoch zieht Kraft aus seinem Glauben.

„Bub, lern’ bete“, habe schon seine Ostheimer Oma zu ihm gesagt. Einen Ratschlag, den er beherzigt hat. Und so beschäftigt sich Körzinger auch mit seinem eigenen Tod. „Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer meiner Trauerfeier weiß gekleidet sind“, erklärt er. „Auf meinem Grabstein soll der Spruch stehen: ‘Vom Glauben zum Schauen’. Ich will eine Botschaft senden.“

Glauben und Optimismus aus tiefstem Innern

Und daran arbeitet Körzinger natürlich auch zu Lebzeiten. Die Friedhöfe beispielsweise könnten mehr Leben vertragen, findet er. Etwa durch Projekte mit den Konfirmanden. Eine Kunst- und Kulturwerkstatt könnte Menschen und ihre Talente und Fähigkeiten zusammenführen und auch die vielen Mitbürger in der Stadt integrieren, die ausländische Wurzeln haben.

„Gerade jetzt nach der Pandemie sollte man die Gelegenheit ergreifen, um die Gesellschaft neu zu denken“, sagt er und blickt dabei als Christ auch auf religiöse Konflikte. „Im Himmel gibt es keine Konfessionen“, so Körzinger. Eben erst hat er vonseiten der Bürgerstiftung an einem Programm anlässlich „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mitgewirkt.

„Suchet der Stadt Bestes!“ bringt es der Träger des Bundesverdienstkreuzes mit dem bekannten Bibelwort des Propheten Jeremia auf den Punkt. Für Horst Körzinger keine Phrase. Er arbeitet daran. Auch mit 80. (Von Jan-Otto Weber)

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