Imker aus Nidderau und Schöneck berichten

Kaltes Frühjahr: Bienen frieren und hungern

Haben mehrere Blühstreifen in der Eichener Gemarkung als Nahrungsquelle für Bienen angelegt: Rainer Schlegel, Kristof Kaiser und Werner Schönhals (von links) vom Imkerverein Nidderau-Schöneck.
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Haben mehrere Blühstreifen in der Eichener Gemarkung als Nahrungsquelle für Bienen angelegt: Rainer Schlegel, Kristof Kaiser und Werner Schönhals (von links) vom Imkerverein Nidderau-Schöneck.

Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 50 000 Bienen. Mit eigens angelegten Blühstreifen sorgen Imker vielerorts in der Region für ausreichend Nahrung. Doch dieser Frühling ist kalt, nass und windig. Da kuscheln sich selbst die fleißigen Arbeiterinnen in einem Bienenstock lieber eng im Rahmen der Beute aneinander als Nektar einzusammeln und Blüten zu bestäuben. Das ist aber für eine intakte Umwelt, eine große Artenvielfalt und uns Menschen wichtig.

Nidderau/Schöneck – Ein guter Grund, um bei Imkern vor Ort nachzufragen, wie es den Bienen in der Region bei diesem unwirtlichen Wetter geht. Einer von ihnen ist Kristof Kaiser. Er ist Mitglied im Imkerverein Nidderau-Schöneck. Der Imker aus Eichen hat 13 Bienenvölker an drei verschiedenen Standorten in Nidderau stehen. An diesem kühlen Mai-tag kontrolliert er gemeinsam mit seinen Imker-Kollegen Rainer Schlegel und Werner Schönhals seine Bienenstöcke.

Blühende Kräuter dienen als Futter

Die Beuten stehen auf Streuobstwiesen, neben Rapsfeldern und eigens angelegten Blühstreifen, damit die fleißigen Bienen ausreichend Nahrung finden. „Wir haben in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Landwirten auf brach gelegten Feldern ein- und mehrjährige Blühstreifen angelegt“, berichtet Kaiser. „Einzelne Landwirte und Teile der Jägerschaft sind auch selbst aktiv geworden, sodass wir allein in Eichen auf insgesamt 5000 Quadratmeter Blühfläche kommen. Ganzjährig bieten die von April bis November blühenden Wildkräuter und Kulturarten Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Nahrung.“

Ihn und seine Vereinsfreunde freut es, dass sich auch immer mehr Privatleute bei ihnen nach hochwertigem, heimischem Saatgut für Blühstreifen erkundigen. Die Imker bieten Samen für kleine Flächen im Hausgarten, können aber auch qualifizierte Saatgutlieferanten empfehlen. „Es findet bei den Leuten ein Umdenken statt. Sie haben erkannt, wie wichtig in Zeiten von Insektensterben Bienenweiden mit ihrem reichen Nektar- und Pollenangebot für die Bestäuber in den ausgeräumten Agrarlandschaften von heute sind.“ Dennoch: Mehr Imker und damit mehr Bienenvölker würden nicht schaden. Das Durchschnittsalter der Mitglieder im Imkerverein Nidderau-Schöneck liegt bei 59 Jahren.

Entwicklung der Bienen hinkt 14 Tage zurück

„In diesem Jahr hinkt die Entwicklung der Bienenvölker rund 14 Tage hinterher“, sagen die Imker mit Blick auf die teils mit Honig gefüllten Waben in den Rahmen. Sie kontrollieren unter anderem, wie es um den Futterkranz rund um die Brutzellen bestellt ist. Die eingetragenen Pollen sind das Eiweißfutter für die Brut. „Die Honigräume befinden sich oben und die Bruträume unten in der Beute. Sie sind durch ein Gitter abgetrennt, damit die Königin nicht nach oben kommt und Brut anlegt.“

Ist der Honig reif, dann verdeckeln die Bienen die entsprechenden Waben. „Unreifer Honig enthält mehr Wasser, und ist damit dünnflüssiger als reifer Honig“, informiert Imker Werner Schönhals. Auch die Drohnen-Rahmen, in denen sich in der Brut bevorzugt die von Imkern gefürchteten Varroamilben ansiedeln, werden geprüft. Der Schädling ist der Hauptgrund für sterbende Bienenvölker. „Im Drohnenrahmen können die Bienen frei bauen. Sie sind etwas größer, da die Drohnen erst nach 24 Tagen Brutzeit, Arbeiterinnen dagegen bereits nach 21 Tagen schlüpfen.“

Blick in die Kinderstube mit der „Geburt“, also dem Schlüpfen von drei Bienen.

Die Imker prüfen von Ende April bis zur Sommer-Sonnwende im Juni die Waben auf Schwarmzellen. In dieser Phase wachsen die Völker durch das große Angebot an Nektar und Pollen. „Die Bienen nutzen das gute Nahrungsangebot für ihr Wachstum und mehr Brut.“ So nimmt die Stärke des Volkes rasant zu. Diese begünstigt neben vielen Vorräten, dem Alter und der genetischen Veranlagung der Königin, der Witterung und dem Trachtverlauf die Schwarmstimmung in einem Bienenvolk. Und so kontrollieren die Imker im Wochenrhythmus alle Völker, ob sich diese auf das Schwärmen vorbereiten.

Um die unkontrollierte Teilung des Bienenvolks zu verhindern, brechen die Bienen-Experten vorsorglich alle angelegten Weiselzellen. „In einer Weiselzelle wird eine Made ausschließlich mit Gelée royale gefüttert. So reift sie zur Königin heran.“

Der Schwarm ist die natürliche Vermehrung des Bienenvolkes. Eine alte Königin zieht meist um die Mittagszeit mit rund 10 000 Flugbienen aus dem Stock aus, um so Platz für eine jüngere Regentin zu machen.

Bei Schwarmtraube Imker informieren

Das sehen die Imker nicht gerne, da die schwärmenden Bienen in ihrer Honigblase einen Honigvorrat für drei Tage mitnehmen. Bis dahin müssen sie eine neue Unterkunft gefunden haben, was schwierig ist, da die Auswahl an natürlichen Behausungen für Bienen, zum Beispiel Baumhöhlen, gering ist. Auch haben Bienen ohne die Betreuung durch einen Imker wenig Überlebenschancen. Futtermangel, Krankheiten und die Varroamilbe bedrohen die wild lebenden Völker.

„Wer in den kommenden Wochen beim Spazierengehen eine Bienen-Schwarmtraube beispielsweise an einem Ast hängen sieht, der sollte einen ortsansässigen Imker informieren“, raten die Bienenfreunde vom Imkerverein. „Der weiß dann schon, was zu tun ist.“

(Von Christine Fauerbach)

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