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Nidderau: Kaninchenzuchtverein H445 Ostheim blickt auf 100 Jahre seit seiner Gründung zurück

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Die Mecklenburger Schecken sind eine der 15 gezüchteten Rassen in Ostheim.
Die Mecklenburger Schecken sind eine der 15 gezüchteten Rassen in Ostheim. © Privat

Neben der Feuerwehr Erbstadt feiert ein weiterer Traditionsverein demnächst seinen 100. Geburtstag. Die Rede ist vom Kaninchenzuchtverein H445 Ostheim, der weit über die Grenzen der Region und sogar des Landes hinaus bekannt ist. Und nächstes Jahr steht ein weiterer Meilenstein der Vereinsgeschichte bevor, denn dann ist Vorsitzender Gerd Kurz 50 Jahre im Amt – das gibt es sehr selten.

Nidderau – Gegründet wurde der Verein am 20. Mai 1922 in der Gaststätte Breidenstein als gemischter Verein für Geflügel- und Kaninchenzucht, wobei in Zeiten der Inflation und Wirtschaftskrise die Mitglieder sowohl züchterische als auch wirtschaftliche Aspekte im Auge hatten. Erster Vorsitzender war Heinrich Stoll.

21 Mitglieder zählte der Verein 1933 und nahm bereits an überregionalen Ausstellungen teil. Der Krieg ließ das Vereinsleben zum Erliegen kommen und es wurden fast alle Unterlagen vernichtet. Erst 1966 begann der Neubeginn in einer Zeit, in der die Rassekaninchenzucht einen ungeahnten Aufschwung nahm und der Verein durch Werbung bald 80 Mitglieder inklusive Frauen- und Jugendgruppe zählte. Gerd Kurz war die treibende Kraft, dass sich Züchter auch auf Landes- und Bundesebene an Ausstellungen beteiligten.

Dieses historisches Bild zeigt Vereinsmitglieder mit ihren Tieren auf einem geschmückten Festwagen.
Dieses historisches Bild zeigt Vereinsmitglieder mit ihren Tieren auf einem geschmückten Festwagen. © Privat

Tiere bei Europaschau gezeigt

Zum 50. Geburtstag organisierte der Verein eine große Schau in Hanau und die Mitgliederzahl war auf über 100 gestiegen. 1973 übernahm dann Kurz die Vereinsführung. Während dieser Jahre konnten die Ostheimer Züchter viele Erfolge verbuchen, so zum Beispiel Werner Schuck, der seine Tiere erfolgreich bei der Europaschau in Zürich vorstellte.

Auch im Kreis- und Landesverband war der angesehene Verein mit Mitgliedern in verschiedenen Funktionen vertreten. Damit war die Erfolgsgeschichte aber noch lange nicht zu Ende, denn die Ostheimer Mitglieder – Anfang der 80er-Jahre inzwischen auf die stolze Zahl von über 180 angewachsen – ließen bis zu 1000 Tiere pro Jahr tätowieren.

Die Leitung der Frauengruppe hatte Anneliese Schuck übernommen, die selbst Erzeugnisse herstellte und auch züchtete. Sie stellte erfolgreich bei der Europaschau in Straßburg aus und wurde Preisrichterin für Erzeugnisse.

Eigene Anlage mit Vereinsheim in Eigenleistung erbaut

Gerd Kurz war nicht nur als unermüdlicher Werber für die Belange des Vereins unterwegs, sondern konnte auch auf beachtliche Erfolge als Züchter blicken. Allerdings besaß der Verein noch keine eigene Zuchtanlage. Doch mit Unterstützung der Stadt und des damaligen Ersten Stadtrats Helmut Weider konnte in den Jahren 1989 bis 1991 am Ortsrand In den Borngärten sogar ein mit allen notwendigen Nebenräumen ausgestattetes Vereinsheim in Eigenleistung gebaut werden, zu dem nach und nach weitere Gebäude für die Unterbringung der Tiere, des Futters und weiterer Gerätschaften hinzukamen. Zahlreiche Versammlungen auf Kreis- und Landesverbandsebene wurden im Vereinsheim seither abgehalten.

Der Verein wuchs weiter, zählte 1994 mehr als 200 Mitglieder und wurde zum festen Ausrichter der Main-Kinzig Rammlerschau, die im Vereinsheim organisiert wurde. Inzwischen hat man die 53. Ausstellung erfolgreich über die Bühne gebracht.

1996 belegte der Verein bei der international besetzten Jungtierschau in Büdingen den ersten Platz. Ein imposanter Festkommers im Bürgerhaus fand anlässlich des 75. Geburtstags mit vielen Gästen aus Züchterkreisen, Politik und der Bevölkerung statt.

Frauen gründen Handarbeits- und Kreativgruppe

Mit den 2000er-Jahren stagnierte das Interesse an der Kaninchenzucht, trotzdem war der Ostheimer Verein weiterhin als Organisator verschiedenster Schauen aktiv. 2009 wurde von den Frauen im Verein eine eigenständige Handarbeits- und Kreativgruppe gegründet, deren Mitglieder bei Veranstaltungen stets helfend zur Stelle waren. Das Züchterheim hatte sich inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, das gerne von verschiedensten Vereinen angemietet wird, so zum Beispiel seit vielen Jahren als Stammtischlokal der Interessengemeinschaft Historischer Landmaschinen (IGHL) fungiert. Der Verein ist auch fest in der Dorfgemeinschaft verankert und bei Festen und Veranstaltungen mit Helfern präsent.

Schöne Erinnerungen: Vorsitzender Gerd Kurz (links) und Schatzmeister Werner Nussbaum vor
Schöne Erinnerungen: Vorsitzender Gerd Kurz (links) und Schatzmeister Werner Nussbaum. © Thomas Seifert

Nachdem 2012 der 90. Geburtstag noch einmal groß gefeiert worden war, soll nun am 14. Mai mit einem Festkommers auch der 100. Geburtstag würdig begangen werden. In den seither vergangenen zehn. Jahren war der Verein weiterhin bei der Organisation auch landesweiter Ausstellungen tätig, aber das Interesse an der Kaninchenzucht habe stark abgenommen, bedauern Gerd Kurz und Schatzmeister Werner Nussbaum im Gespräch mit unserer Zeitung.

Heute noch zehn Züchter bei 80 Mitgliedern

Gerade noch zwei Handvoll aktive Züchter bei 80 meist passiven Mitgliedern zeigen das Problem auf. „Es wird in der Zukunft darum gehen, durch Fusionen oder Integration von Vereinen, die eigenständig nicht mehr überleben können, die Kaninchenzucht zu erhalten“, blickt der Vorsitzende pragmatisch in die Zukunft. Das hält den Ostheimer Verein aber nicht davon ab, Geld an gemeinnützige Organisationen zu spenden und seit bald 20 Jahren an Weihnachten Schlachtkaninchen für Mitbürger zur Verfügung zu stellen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Noch sind die Vereinsfinanzen stabil, aber gestiegene Energiekosten sowie höhere Versicherungsprämien und Ausgaben für den Unterhalt von Gelände und Gebäuden treiben dem Schatzmeister Sorgenfalten auf die Stirn. „Allein fixe Kosten von bislang 2500 Euro pro Jahr für das Vereinsheim müssen finanziert werden. Da sind wir um jede Vermietung froh, egal ob es sich um Vereine, Organisationen oder Privatleute handelt“, erläuterte Werner Nussbaum.

Fixkosten machen Verein zu schaffen

So wird demnächst das Vereinsheim ein Wochenende lang zur Wettkampfstätte für Darts. „Es wird immer schwieriger, die Züchter, die inzwischen in die Jahre gekommen sind, bei den stark steigenden Futterpreisen bei der Stange zu halten“, weiß Gerd Kurz. Er hofft aber darauf, dass sich den zwei jugendlichen Züchtern im Verein noch weitere anschließen, denn „Kaninchenzucht ist für jeden Tierfreund ein sehr schönes Hobby“.

Monatsversammlung

Die nächste Monatsversammlung des Kaninchenzuchtvereines H 445 Ostheim findet am Freitag, 25. März, um 20 Uhr im Vereinsheim In den Borngärten statt. Alle interessierten Züchter sowie Vereinsmitglieder sind eingeladen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die bevorstehende Jubiläumsveranstaltung im Mai. Die genaue Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. (Von Thomas Seifert)

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