Corona

Nidderau: Kurt-Schumacher-Schule in Windecken meistert Digitalisierung

Das Leitungsteam der Windecker Kurt-Schumacher-Schule um Rektorin Tanja Dickhardt und Konrektor Björn Baer (links) hat sich bereits früh um die digitale Ausstattung der Schule gekümmert. Allein die Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden von Lehrer Vinzenz Bailey (rechts) durchgehend vor Ort unterrichtet.
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Das Leitungsteam der Windecker Kurt-Schumacher-Schule um Rektorin Tanja Dickhardt und Konrektor Björn Baer (links) hat sich bereits früh um die digitale Ausstattung der Schule gekümmert. Allein die Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden von Lehrer Vinzenz Bailey (rechts) durchgehend vor Ort unterrichtet.

Homeschooling oder Präsenzunterricht, Videokonferenzen oder Unterricht mit halber Klassenstärke und Maskenpflicht – Lehrern, Schülern und Eltern wird eine ganze Menge abverlangt. Doch die Kurt-Schumacher-Schule in Windecken bewerkstelligt die Herausforderungen dank einer digitalen Offensive.

Nidderau – Montag: Mathe und Deutsch, Dienstag: Bio und Geschichte, Mittwoch bis Freitag: Videokonferenz und Selbstlernen zu Hause – so sieht derzeit der Stundenplan für viele Schüler aus – vorausgesetzt, die Schule ist nicht ganz geschlossen wegen Corona. Immerhin ist aufgrund der sinkenden Inzidenzzahlen ab kommender Woche die Rückkehr in den Wechselunterricht auch für höhere Jahrgänge in Sicht.

„Auch wenn Corona viele Einschränkungen, viel Umgewöhnen und auch so manche Probleme beim Unterrichten mit sich gebracht hat, so ist nicht alles schlecht“, erklärt Tanja Dickhardt, Rektorin der Kurt-Schumacher-Grundschule in Windecken. „Die Digitalisierung hat beispielsweise einen Riesenschritt nach vorne getan.“

Schon früh um Tablets und Fortbildung gekümmert

Dickhardt hat schon im vergangenen Jahr, als die erste Corona-Welle die Menschen in Atem hielt, die Folgen der Pandemie an ihrer Schule zur Chefsache gemacht. So war ihre Schule eine der ersten, die sich um digitale Ausrüstung sowie um ein umfangreiches Digitalkonzept kümmerte.

Dickhardt organisierte Fortbildungen für ihr Lehrerkollegium und die Anschaffung einer digitalen Plattform, die fortan für den Unterricht der Kinder zu Hause genutzt wurde. Zudem wurden Tablets für Lehrer und Schüler angeschafft.

„Auch heute trifft sich das ganze Lehrerkollegium jeden Mittwochnachmittag noch zur Weiterbildung und zur Besprechung neuer pädagogischer Konzepte. Viele Kollegen nehmen an dieser Besprechung auch online von zu Hause aus teil“, berichtet Konrektor Björn Baer.

Fachlich gebe es mittlerweile bei dem täglichen Schulunterricht – sei es im Homeschooling oder im auf die Hälfte der Schüler begrenzten Präsenzunterricht – nur noch wenige Probleme. „Die Wissensvermittlung hat sich eingespielt und klappt. Wo es hingegen mächtig hapert, sind die sozialen Kontakte. Das Miteinander sowohl der Lehrer mit den Schülern, als auch der Umgang der Schüler untereinander leidet stark unter den gegenwärtigen Einschränkungen“, weiß die Schulleiterin zu berichten.

Trotz aller Bemühungen: Kinder werden aggressiver

Dass da etwas in die falsche Richtung laufe, merke man schon bei den Kita-Kindern. Ihr Verhalten ändere sich hin zu mehr Aggressivität und mehr Ungeduld. „Da haben wir als Lehrer dann auch kaum noch Einfluss, weil bei uns durch den Online-Unterricht die Erziehungskomponente zum großen Teil wegfällt“, so Baer.

Sowohl Dickhardt als auch Baer fürchten aber, dass durch die Einschränkungen im Schulbetrieb, durch den dauernden Wechsel von Präsenz- und Online-Unterricht, den Kindern am Ende ein Jahr Wissensvermittlung fehlt. Schließlich könne man den Online-Unterricht auch nicht über den ganzen Tag ausweiten, denn diese Unterrichtsform sei für die Kinder wesentlich anstrengender als der Präsenzunterricht. „Das Beste für die Kinder wäre, ein ganzes Schuljahr dranzuhängen, in dem die Lücken wieder aufgefüllt werden könnten“, schlägt Dickhardt vor.

Auch wenn der Präsenzunterricht also nicht durch Computer zu ersetzen ist – am Online-Unterricht mit mindestens einer Stunde pro Woche würde Dickhardt auch nach Corona gern festhalten. Schließlich wisse man nicht, ob es nicht irgendwann doch wieder eine Pandemie geben werde.

Zufrieden zeigt sich das Führungsduo der Schule auch mit der Einführung der Testungen gegen Corona. „Es gab weder weinende Kinder, noch gab es Verletzungen“, berichtet Baer. Die ersten Tests seien an der Schule unter Anleitung von Fachpersonal erfolgt, und mittlerweile könnten es die Kinder ganz alleine.

Sorge um Flüchtlingskinder

Ganz andere Sorgen hat hingegen Vinzenz Bailey. Er ist Lehrer einer Sonderklasse für Flüchtlingskinder. „Da viele von ihnen kaum oder gar kein Deutsch können, kann ich sie nicht online unterrichten. Zumal sie zu Hause auch kaum Ruhe für das Lernen finden.“

Für ihn und seine Schüler gibt es deshalb kein Homeschooling, sondern durchgehenden Unterricht vor Ort. Eine seiner Hauptaufgaben dabei ist, den Kindern erst einmal zu vermitteln, wie wichtig Bildung in unserer Gesellschaft ist, und dass sie für sozialen Aufstieg stehen kann.

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