„Sprung“ über B521

Nidderau: Machbarkeitsstudie zu Mischgebiet Eichen veröffentlicht: Sozialer Wohnraum wäre zu teuer

An der Kreisstraße zwischen den Nidderauer Stadtteilen Eichen (im Hintergrund) und Erbstadt könnte ein Mischgebiet entstehen.
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An der Kreisstraße zwischen den Nidderauer Stadtteilen Eichen (im Hintergrund) und Erbstadt könnte ein Mischgebiet entstehen. Foto: Weber, Jan-Otto

Lange mussten die Nidderauer auf die Machbarkeitsstudie der Baulandoffensive Hessen (BOH) zum „Sprung“ in Eichen warten, nun wurde sie endlich veröffentlicht und erstmals im Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz diskutiert.

Nidderau – Dass die Studie zum heiß diskutierten Mischgebiet an der B521 in Eichen nicht schon vor der Kommunalwahl präsentiert werden konnte, hatte keine politischen Gründe. Vielmehr hatte die Baulandoffensive der Stadtverwaltung im Oktober 2020 bekanntgegeben, dass sie sich in einem Rechtsstreit mit einem privaten Unternehmen befinde. Aus diesem Grund stoppte die Verwaltung die Vorlage in den Gremien. Mit Schreiben vom 27. Juli 2021 teilte die BOH der Verwaltung nun mit, dass die Kommune die in der Machbarkeitsstudie gesammelten Ergebnisse veröffentlichen könne. Die BOH selbst scheide jedoch als Dienstleisterin bei der Entwicklung aus.

„Das Verfahren liegt jetzt also bei der Stadt“, stellte der Ausschussvorsitzende Helmut Brück (SPD) am Montagabend in der Willi-Salzmann-Halle fest. „Die Frage ist nun, wie soll es weitergehen?“ Dazu zitierte er verschiedene in der Studie genannte Möglichkeiten, etwa die Aufstellung eines Bebauungsplans mit anschließendem Umlegungsverfahren, den Zwischenerwerb durch die Stadt oder einen Projektentwickler oder auch die Vergabe an einen Bauträger.

Stadt braucht geförderten Wohnraum

„Die Frage ist: Was ist im Interesse der Stadt?“, so Brück. „Was hat etwa die Stadt davon, wenn ein Investor ein gutes Geschäft macht?“ Die Stadt brauche vor allem geförderten Wohnraum. Die Studie komme jedoch zu dem Ergebnis, dass sich eine Entwicklung mit einem entsprechenden Anteil von sozialem Wohnungsraum nicht rechne. „Der politische Wille ist eine andere Frage“, so Brück.

CDU-Vertreter Thomas Warlich zeigte sich enttäuscht. „Ich hätte mir vorgestellt, dass man die Rahmenbedingungen für die Studie so setzt, dass sie mit den anderen Baugebieten wie der Mühlweide in Ostheim oder mit Heldenbergen vergleichbar ist. Nur so kann man die Ergebnisse auch objektiv beurteilen.“ Er jedenfalls könne sich nicht vorstellen, dass der „Sprung“ teurer sei als die Entwicklung anderer Baugebiete. „Aber dafür gibt es ja aktuell keine politische Mehrheit. Umso wichtiger wäre eine neutrale Beurteilung.“

FWG: Entscheidung aus politischen Gründen rausgeschoben

FWG-Vertreterin Anette Abel zweifelt daran, dass die Studie überhaupt je ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollte. „Ich Frage mich, wofür wir die 9000 Euro ausgegeben haben?“ Der Hanauer Investor Albrecht Krebs habe von Anfang an keinen vergünstigten Wohnraum geplant gehabt. Altbürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) habe jedoch einmal gesagt: „Bringt mir einen Investor, dann wird gebaut.“

„Krebs hat ein bombastisches Angebot gemacht“, meinte Abel, die betonte, dass es ihr persönlich egal sei, ob der „Sprung“ komme oder nicht. „Dann jedoch wurde eine Entscheidung aus politischen Gründen rausgeschoben“, so Abel. „Wo sollen wir Investoren für andere Projekte wie am Mühlberg in Windecken finden, wenn wir sie so vor den Kopf stoßen?“

Grünen-Vertreter Tim Koczkowiak sieht seine Partei durch die Studie bestätigt. „Es würde ein sechster Stadtteil entstehen, und es wäre schwer, ihn anzubinden. Zudem würden die jahrelangen erfolgreichen Bemühungen zunichte gemacht, den Ortskern aufzuwerten.“

CDU: Verkehrsanbindung auch in Ostheim problematisch

Warlich entgegnete: „Was die Verkehrsanbindung betrifft, wird gerade die Mühlweide in Ostheim eine Katastrophe werden. Die fahren alle durch Windecken.“ Und sein CDU-Kollege Matthias Lochner ergänzte: „Die Studie bestätigt, das Mischgebiet ist fußläufig erreichbar. Und durch einen Nahversorger wäre es auf jeden Fall eine Aufwertung für Eichen.“

Bürgermeister Andreas Bär (SPD) verteidigte die Studie. „Der Wert liegt für mich darin, dass wir eine Idee davon bekommen, woran wir sind. Es ist eine ganze Menge untersucht worden, etwa die demografische und topografische Situation Nidderaus.“

Bürgermeister: Voraussetzungen für Baugebiets-Studien sind gleich

Zugleich plädierte der Verwaltungschef dafür, die Aussagekraft der Studie nicht zu hoch zu hängen. Eine Vergleichbarkeit mit anderen Baugebieten sei schlecht herzustellen, räumte Bär ein. Aber: „Die Voraussetzungen sind für alle Studien gleich. Man hat jetzt nicht gesagt, in Eichen wollen wir sozialen Wohnungsbau und woanders nicht.“

Ausschussvorsitzender Brück sprach sich schließlich dafür aus, sich für die Analyse Zeit zu lassen. „Die Studie hat es in sich, es erfordert einen hohen Aufwand, sie durchzuarbeiten. Wir werden uns weiter damit beschäftigen und auf sie zurückkommen, sobald Studien zu anderen Baugebieten vorliegen. Ich rege an, Fragen einzureichen, die dann zu gegebener Zeit geklärt werden können.“

Die Machbarkeitsstudie zum Mischgebiet in Eichen ist über den Sitzungskalender der Stadt im Internet einsehbar. (Von Jan-Otto Weber)

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