Sanierung

Nidderau: Nach Jahren des Zerfalls tut sich was am Bahnhofsgebäude Heldenbergen

Endlich tut sich was am denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude in Heldenbergen: Die Firma Verano GmbH & Co. KG saniert das Gebäude derzeit. Es sollen sechs Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss ist ein Kiosk geplant.
+
Endlich tut sich was am denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude in Heldenbergen: Die Firma Verano GmbH & Co. KG saniert das Gebäude derzeit. Es sollen sechs Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss ist ein Kiosk geplant.

Es tut sich was am Bahnhof Nidderau. Etwa sechs Jahre, nachdem die Firma Verano GmbH & Co. KG von Johann F. Wintzer aus Kronberg im Taunus das Gebäude ersteigert hat, sind seit einigen Wochen Handwerker am und im denkmalgeschützten Ensemble zugange, um im Endausbau dort sechs Wohnungen und voraussichtlich einen Servicekiosk einzurichten.

Nidderau – „Weil die Deutsche Bahn bei allen Umbauarbeiten, bei denen ein Bauantrag notwendig ist, ein Mitspracherecht hat, ist der Genehmigungsweg ein Geduldsspiel. Während es eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Denkmalschutz und der Bauaufsicht gibt und dort zügig entschieden wird, sind die Entscheidungswege bei der Bahn lang und gewunden“, stellt Investor Wintzer im Gespräch mit unserer Zeitung vor Ort fest.

Und er nennt zwei Beispiele dafür, wie schwierig es ist, mit der Bahn Vereinbarungen treffen zu können. So wollte der Eigentümer einen Elektroverteiler, der im Erdgeschoss sitzt, auf eigene Kosten an die Außenseite verlegen lassen. Von der Bahn bekam er den Bescheid, dass dafür erst ein Bauplan erstellt werden müsse, was mehrere Monate dauern würde. Zudem hätten die DB-Mitarbeiter ausgerechnet, dass die Verlegung ungefähr zwanzig Mal so viel kosten würde wie ein Angebot eines Elektrikers, das dem Verano-Chef vorliegt. Daraufhin verzichtete Wintzer auf die Verlegung.

Wenig Entgegenkommen der Deutschen Bahn bei Umbau

Zudem gebe es vonseiten der DB kein Entgegenkommen bei der Renovierung der rückwärtigen Fassade Richtung Gleise wegen der Nähe zur Oberleitung. „Hier dürfen wir kein Gerüst unter Aufsicht der Bahn stellen, sondern müssen uns mit Leitern und dem Zugang über Fenster und Dachflächen behelfen, was die Arbeiten deutlich erschwert und verzögert“, ist Wintzer nicht gut auf das Staatsunternehmen zu sprechen.

„In den Bereichen, wo die von uns beauftragten Handwerker schalten und walten dürfen, gehen die Arbeiten zügig voran“, konstatiert der Eigentümer bei einem Rundgang auf der Baustelle. Besonders freut es ihn, dass sich das Bahnhofsgebäude offensichtlich bei der Bevölkerung großer Wertschätzung erfreue und die Menschen die Renovierungsarbeiten begrüßen. Fast täglich komme er mit Passanten über die Arbeiten ins Gespräch. „Schon mancher Autofahrer hat im Vorbeifahren die Seitenscheibe herunter gedreht und den nach oben gestreckten Daumen gezeigt.“

Investor plant einen Kiosk

Dieser Zuspruch bestärke den Investor darin, das Bahnhofsgebäude wieder in alter Pracht erstehen zu lassen. Dazu soll auch der Zugang zu den Bahnsteigen durch das Mittelgebäude gehören, in dem Wintzer einen Servicekiosk einbauen will, wo man Kaffee, Getränke, Snacks, Zeitungen und vieles andere mehr kaufen kann. Einen Interessenten aus Nidderau zur Bewirtschaftung dieses Kiosks gebe es bereits, stellte der Eigentümer fest.

Die Firma Verano kommt eigentlich aus dem Messebau, der aber schon vor Jahren aufgegeben wurde. Inzwischen habe man sich auf die Renovierung und Restaurierung alter Bausubstanz spezialisiert und verwalte diese Immobilien auch.

Verano-Chef Johann F. Wintzer zeigt eines der historischen Holzfenster, die denkmalschutzgerecht aufgearbeitet werden.

„Wir stehen in engem Kontakt und in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde und wollen so viel wie möglich an alter Substanz erhalten. Am Ende sollen die künftigen Mieter in komfortablen und modernen Wohnungen mit historischem Flair wie Stuckdecken und Holzfußböden wohnen.“

Enge Absprache mit Denkmalschutzbehörde

So wurden beispielsweise die alten „Pitchpine“-Holzböden aus schweren und kernholzreichen Kiefernhölzern aufgearbeitet. „Dabei mussten fünf Schichten Lack und Spachtel entfernt werden“, berichtet der Eigentümer, der fast täglich auf der Baustelle anzutreffen ist.

Auch die alten Holzfensterrahmen in der ehemaligen Bahnhofswirtschaft wurden erhalten, schadhafte Teile werden ersetzt und die historischen Scheiben mit zusätzlichen Schallschutzscheiben ertüchtigt. Zudem werden die Oberlichter, die bei Arbeiten in den 70er und 80er Jahren mit Pressspanplatten zugemacht wurden, wieder freigelegt. „Bei früheren Renovierungsarbeiten wurde auf die originale Bausubstanz wenig Rücksicht genommen“, stellt Wintzer fest. „Wir wollen versuchen, diese Bausünden so gut wie möglich und ihm Rahmen unserer Finanzierungsmöglichkeiten rückgängig zu machen.“

Vor einiger Zeit habe es aufgrund einer Bitte der Stadtverwaltung auch Überlegungen gegeben, in dem Gebäude Asylbewerber und Flüchtlinge unterzubringen. Diese Pläne seien aber aufgrund der momentan entspannteren Situation verworfen worden.

Miete soll nicht über 7,50 Euro pro Quadratmeter liegen

„Die Lage auf dem Wohnungsmarkt fördert derzeit eine ungesunde Separierung von Betuchten und Menschen mit normalem Einkommen, die Mieten, wie sie teilweise im Rhein-Main-Gebiet aufgerufen werden, nicht bezahlen können“, ist sich Wintzer bewusst. „Die Schere geht immer weiter auseinander. Das wollen wir so nicht mitmachen“, versichert der Investor.

Die künftigen sechs Wohnungen mit Größen von etwa 80 bis 120 Quadratmetern sollen einmal zwischen 7 und 7,50 Euro pro Quadratmeter Miete kosten. Inklusive einer Terrasse im ersten Stockwerk, die gemeinsam von allen Mietern benutzt werden kann. „Ich fände es toll, wenn nicht jede Partei nur vor sich hin wohnt, sondern wenn eine Gemeinschaft aller Mieter entstehen würde, wo man sich dann an diesem Platz zu einer Wurst oder einem Bier trifft“, blickt der Verano-Chef in die Zukunft. Interessenten könnten sich jederzeit bei ihm melden. (Thomas Seifert)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare