Kampagne eröffnet

Nidderau: Narren blasen auf dem Windecker Marktplatz zum Sturm auf historisches Rathaus

Der Fanfaren- und Spielmannszug Altenstadt begleitete die Nidderauer Narren musikalisch beim Rathaussturm.
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Der Fanfaren- und Spielmannszug Altenstadt begleitete die Nidderauer Narren musikalisch beim Rathaussturm.

„Der 11.11. ist gekommen, das Rathaus wird heut’ eingenommen“, schallte es am Donnerstagabend über den leicht vernebelten Windecker Marktplatz. „Den Rathausschlüssel fordern wir, da unten steht der Kanonier.“ Die Drohung von Matthias Kuckoll von den Windecker Schlüsselrapplern galt Bürgermeister Andreas Bär (SPD) und Kämmerer Rainer Vogel (Grüne), die sich im historischen Rathaus vor dem Angriff der Narren verschanzt hatten, um die Stadtkasse zu verteidigen.

Nidderau – Mit musikalischer Begleitung des Fanfaren- und Spielmannszugs aus Altenstadt waren die Karnevalisten der drei Nidderauer Vereine Aascher Schnooke, Erschter Noachteule und Windecker Schlüsselrappler von der Hochmühle durch die Altstadt zum Marktplatz gezogen. „Mit vereinten Kräften die Narren sich erheben, du solltest dich lieber gleich ergeben“, forderte Schnooke-Vorsitzende Rita Maxheim den Bürgermeister heraus und verwies auf Unterstützung der drei Vereine im bewährten Bündnis „Drei unner aaner Kapp“. „Letztes Jahr fiel die Kampagne aus, finanziell sieht es nicht rosig aus“, verlieh Oliver Loscher von den „Noachteulen“ den Drohungen Nachdruck.

Bürgermeister Bär weigerte sich dennoch. „Das Rathaus ist kein Narrenhaus, den Schlüssel geb ich euch net raus.“ Also kam die symbolische Kanone „mit Pulverdampf und Nebelschwaden“ zum Einsatz. Schließlich überließen Bär und Vogel den Karnevalisten den Rathausschlüssel und die Kasse doch. Von den Gardemädchen wurde der Bürgermeister anschließend in Ketten gelegt und zur Bühne geführt. Bis Aschermittwoch gehört dem Bündnis „Drei unner aaner Kapp“ nun die Macht. Zur Überraschung übergab Maxheim einen limitierten Orden an Bär, corona-konform „verpackt und ohne Küsschen“. Kinderprinzessin Tia Schleiter sprach für alle Prinzenpaare.

Schnooke-Präsidentin Rita Maxheim überreicht dem in Ketten gelegten Bürgermeister Andreas Bär (SPD) einen Orden.

Hygienekonzept mit Einbahnstraßen-Leitsystem

Zum Rathaussturm hatten die Narren ein Hygienekonzept mit vielen Auflagen umgesetzt. Die Veranstaltung wurde mit einem Einbahnstraßen-Leitsystem organisiert. Schau-Solotanz, Gardetanz und Gesang wurden auf der mobilen Bühne geboten. Einen Getränke- und Essensverkauf gab es nicht.

Für den Rathaussturm hatten die Karnevalisten angesichts der erneuten Zuspitzung der Pandemie lange nach einer musikalischen Begleitung suchen müssen und konnten schließlich den Fanfaren- und Spielmannszug aus Altenstadt gewinnen. Wie die Karnevalsvereine die Kampagne 2021/22 unter den aktuellen Corona-Bedingungen umsetzen wollen, ist noch nicht bei allen geklärt.

Schnooke planen aktuell komplette Kampagne

Die Aascher Schnooke jedenfalls planen die Kampagne komplett, wie die Vorsitzende Rita Maxheim am Donnerstagabend am Rande des Rathaussturms gegenüber unserer Redaktion erklärte. Nächsten Freitag steht das „Karnevalistische Schlachtessen“ auf dem Plan, mit der Inthronisation des neuen Prinzenpaares. Die 3G-Veranstaltung wird im Bürgerhaus Ostheim durchgeführt. „Der Kartenvorverkauf an den drei Vorverkaufsstellen läuft zögerlich“, räumte Maxheim aber ein. „Es nehmen auch nicht so viele befreundete Vereine wie in der Vergangenheit teil.“

Mit der Kampagne 2019/20 hatten die Karnevalisten noch Glück und konnten alle Veranstaltungen realisieren. Die Kampagne 2021 fiel dafür komplett der Pandemie zum Opfer. Ein Jahr setzten die Nidderauer Karnevalsvereine aus. 2022 planen alle drei Vereine diverse Sitzungen. Erbstadt denkt über 3G nach und Windecken pendelt noch zwischen der 2G- und 3G-Regel.

Sitzungen mit 2G-Regel in der KuS-Halle

Die Schnooke hingegen haben sich entschieden. „Wir planen alle Veranstaltungen mit 2G, auch die Prunksitzungen, außer bei der Kinder- und Jugendsitzung, da gilt 3G. Zudem wechseln wir die Örtlichkeit und gehen vom Saalbau Schmid in die größere Kultur- und Sporthalle nach Heldenbergen“, erklärte Maxheim. Zwei Sitzungen am 19. und 26. Februar sind für 2022 geplant sowie die Kindersitzung am 20. Februar. Hallen, Techniker und Musiker werden vorab gebucht, Akteure kommen aus den eigenen Reihen. Stolz ist Maxheim dabei auf zwei neue Kindergruppen. Eine 14-köpfige Gruppe aus Drei- bis Vierjährigen. Zudem gründete sich eine Garde ab sechs Jahren.

Immerhin: Trotz Corona verzeichnen die Schnooke keinen Mitgliederschwund, sondern viele, neue Mitwirkende, die ihren Auftritten entgegenfiebern. Die Trainer absolvierten Online-Training über Zoom. 370 Vereinsmitglieder zählt der Verein „Aascher Schnooke“ aktuell. Natürlich, sagt Maxheim, nehmen alle drei Vereine gerne neue Mitglieder auf.

Der Kostümverkauf aus dem vereinseigenen Depot findet 2022 nicht statt. Der Familien- und Seniorenfasching von „Drei unner aaner Kapp“ ist für den 6. Februar geplant. Das 24. Männerballett-Tanzturnier soll am 28. Februar stattfinden und der Kinder- und Jugend-Showtanzwettbewerb am 5. März. Alle Termine für die Kampagne 2021/22 stehen allerdings unter Vorbehalt. (Von Georgia Lori)

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