Kommunalwahl

Nidderau: Neuling FDP könnte Zünglein an der Waage sein

Sie wollen mitreden: Der neue FDP-Ortsvorsitzende Dieter Tien (Mitte) und sein Stellvertreter David Marohn (Zweiter von links) freuen sich auf die politische Arbeit in Nidderau.
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Sie wollen mitreden: Der neue FDP-Ortsvorsitzende Dieter Tien (Mitte) und sein Stellvertreter David Marohn (Zweiter von links) freuen sich auf die politische Arbeit in Nidderau. Christian Lammerskitten (Zweiter von rechts) als Schatzmeister und die Beisitzer Marco Jüngling (links) und Naim Gassner (rechts) komplettieren den Vorstand.

Dieter Tien hält es mit dem SPD-Urgestein Franz Müntefering: „Opposition ist Mist.“ Wenn man nicht mitgestalten wolle, brauche man sich auch nicht zur Wahl zu stellen, meint der Spitzenkandidat und Vorsitzende der FDP Nidderau.

Nidderau – Tatsächlich ist eine Regierungsbeteiligung der Nidderauer Liberalen, die sich erst im vergangenen Jahr gegründet haben, nicht abwegig. Gerade als neue und unvoreingenommene Partei stünden der FDP als Zünglein an der Waage sämtliche Bündnisse offen, falls es am Sonntag zu einem Patt zwischen der derzeitigen Koalition aus SPD und Grünen und der Opposition aus CDU und Freien Wählern kommen sollte.

Doch so vermessen ist Dieter Tien nicht – auch wenn er eine Koalitionsbeteiligung nicht von vornherein ausschließen will. Die FDP müsse erst mal ankommen und sehen, was die anderen so vorhaben. In den Wahlprogrammen gebe es ja viele fromme Wünsche. Egal in welcher Position sich die Liberalen nach der Wahl wiederfänden – „man sollte generell erst mal mehr zuhören als reden“, findet Tien.

Liberale rechnen mit maximal sieben Prozent

Zur Premiere der Liberalen bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung bleibt der Spitzenkandidat realistisch. Er rechnet mit maximal sieben Prozent. „Es wäre schön, wenn wir zumindest Fraktionsstatus erreichen und nicht einer alleine da sitzt“, meint der 63-jährige Unternehmer aus Heldenbergen. „Das wäre sonst ein mühsames Geschäft.“ Die Rechnung könnte aufgehen. Zur Landtagswahl im Oktober 2018 erreichte die FDP in Nidderau 6,99 Prozent.

Programmatisch kann die Partei jedenfalls mit einem strukturierten Ansatz überzeugen, mit dem sie an die Themen herangehen will. „Wir haben die politische Diskussion der letzten Jahre verfolgt und sind erschrocken über Stil und Ergebnisse der politischen Arbeit“, so die FDP. „Nidderau braucht zwingend ein Leitbild für die künftige Stadtentwicklung. Zurzeit verstärkt sich der Eindruck, dass in der Politik keine grundlegende Idee vorhanden ist, wie sich Nidderau künftig entwickeln soll.“

Partei will Leitbild für Nidderau einführen

Es brauche einen Grundkonsens zwischen Politik und Bevölkerung, der als Grundorientierung für die Politik bei zukünftigen Vorhaben dienen und gleichzeitig eine Möglichkeit für die Bevölkerung bieten soll, das politische Handeln mit der festgelegten Grundorientierung abzugleichen.

„Unser FDP-Team richtet die Ziele an der Verbesserung der Lebensqualität für die Bevölkerung und an der finanziellen Machbarkeit aus“, erklären die Liberalen. „Eine FDP im Stadtparlament mit einer gehörigen Portion kaufmännischen Verständnisses und mit der Intention, Ergebnisse erzielen zu wollen, kann hier ergänzt mit der entsprechenden Bürgerbeteiligung tatsächlich etwas voranbringen.“

In den letzten 45 Jahren habe man in Nidderau nicht verstanden, Chancen für Arbeitsplätze vor Ort zu nutzen, so das Urteil der FDP. Die vielen Fachkräfte müssten nach wie vor täglich viel Zeit in Auto und Bahn oder Bus verbringen, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Arbeitsplätze vor Ort würden die Steuereinnahmen erhöhen, das Klima schonen und vor allem die Lebensqualität der Menschen durch gewonnene Freizeit erhöhen. „Auch Pendler aus der Wetterau, die täglich an Nidderau vorbeifahren müssen, könnten davon profitieren“, so Tien. Stattdessen musste der Haushalt über die Grundsteuererhöhung ausgeglichen werden, kritisieren die Liberalen. „Das war sicher ein Mobilisierungsfaktor für viele Nidderauer, die gemerkt haben: Kommunalpolitik betrifft auch mich“, ist Tien überzeugt.

Lebensqualität der Bürger verbessern ist erklärtes Ziel

Die zehnjährige Regierungsbeteiligung von Bündnis 90/Grüne habe zu keinem Verkehrskonzept geführt. Es seien hohe Ausgaben für Radwegekonzepte geplant. „Natürlich sollte ein besonderer Fokus auf die Förderung des umweltbewussten Fahrrad- und Fußgängerverkehrs innerhalb der Stadt gelegt werden“, finden auch die Liberalen. „Ein künftiges Radwegekonzept der Stadt Nidderau sollte jedoch dem Konzept eines fairen Interessenausgleichs aller Verkehrsteilnehmer folgen.“

Bürgerbeteiligung, Digitalisierung und die Aktivierung und Unterstützung von Senioren für gemeinnützige Ziele – die Liberalen haben sich einiges vorgenommen. „Lebensqualität ist: sich gegenseitig das Leben erleichtern, miteinander etwas unternehmen, sich füreinander engagieren und Hilfen anbieten und erhalten können. Jan-Otto Weber

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