Mammutsitzung

Nidderau: Parlament berät zu Naturkita, Finanzen und Infrastruktur

Das Vereinsheim der Geflügelzüchter Heldenbergen (verlängerte Burggasse gegenüber Kleingartenverein Am Lindenbäumchen) soll zum Standort für einen Natur- und Waldkindergarten der Stadt Nidderau werden.
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Das Vereinsheim der Geflügelzüchter Heldenbergen (verlängerte Burggasse gegenüber Kleingartenverein Am Lindenbäumchen) soll zum Standort für einen Natur- und Waldkindergarten der Stadt Nidderau werden.

Die Tagesordnung der 35. Stadtverordnetensitzung, die aufgrund ihrer Länge in der Kultur- und Sporthalle Heldenbergen über die Bühne gehen soll, hat alle Themenfelder aufzubieten, die die Kommunalverwaltung hergibt.

Nidderau - Von Corona bis Feuerwehr über einen Nachtragshaushalt, einen Akteneinsichtsausschuss zur Umgestaltung der Konrad-Adenauer-Allee, Waldwirtschaft, Einkaufsmöglichkeiten für Eichen und Erbstadt, die Wahl von Ortsgerichtsschöffen bis hin zur Livestream-Übertragung der Stadtverordnetenversammlung und dem Spielplatz an der Höchster Straße ist alles dabei.

Wald- und Naturkindergarten steht erneut zur Diskussion

Dabei könnte ein Thema zum Abschluss gebracht werden, das bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt hatte: die Einrichtung eines Wald- und Naturkindergartens. Im ersten Anlauf 2019 war das Projekt gescheitert. Zwar hatte die Stadt bereits eine Betriebsvereinbarung mit der in Sachen Waldkindergärten erfahrenen Pädagogin Asha Scherbach und ihrer SenseAbilityAcademy getroffen, jedoch sprangen am Ende die Eltern ab.

Diesmal hatte die Stadt die Eltern dazu aufgerufen, sich die zur Auswahl stehenden Konzepte anzuschauen und ein „konkretes Feedback“ zu geben, ob Interesse an einer Waldkita besteht. Neben Scherbach, die sich erneut bewirbt, hat auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Obertshausen, in deren Diensten Scherbach jahrelang Waldkitas aufgebaut und geleitet hat, in den Ring geworfen.

Eltern sprechen sich für Natur- und Waldkindergarten aus

„Insgesamt haben 28 Eltern einen ausgefüllten Feedbackbogen an die Verwaltung gesendet“, heißt es in der Vorlage für die Stadtverordnetensitzung am heutigen Donnerstag. „Davon beabsichtigen 20 Eltern, ihr Kind in einem Natur- und Waldkindergarten betreuen zu lassen. Für einen angedachten Betriebsstart am 1. März 2021 möchten acht Eltern ihr Kind dort anmelden. Weitere Absichtserklärungen für das Jahr 2021 und 2022 liegen vor.“

Für Asha Scherbachs Konzept hätten zwölf Eltern gestimmt, für das Konzept der AWO seien es sieben gewesen. Dabei seien drei Stimmen sowohl für die AWO wie auch für Scherbachs Konzept abgegeben worden. „Vier Eltern ist das konkrete Trägerkonzept egal“, informiert die Stadtverwaltung.

Diskussion über Kosten für Kita-Betrieb

Die Empfehlung des Jugend- und Sozialausschusses, der noch am 20. Oktober getagt hatte, fällt hingegen einstimmig für die AWO als zukünftige Trägerin des Wald- und Naturkindergartens auf dem Areal des Geflügelzuchtvereins Heldenbergen aus. Und das, obwohl Asha Scherbach den Kita-Betrieb rund 50 000 Euro günstiger anbietet, wie aus der Verwaltungsvorlage hervorgeht.

„Die deutlich höheren Gesamtkosten der AWO resultieren zum einen in zusätzlichen Kosten für Fachbereichsleitung/ Administration/ Hausmeister in Höhe von 33 400 Euro sowie in erhöhten Kosten beim pädagogischen Personal (18 000 Euro mehr) gegenüber SenseAbilityAcademy gUG“, heißt es dort. Abzüglich einer Landesförderung von 25 500 Euro bei Vollauslastung müsste die Stadt im Falle der AWO 165 000 Euro jährlich zuschießen. Angesichts der finanziellen Situation Nidderaus dürfte die einstimmige Ausschussempfehlung heute im Parlament also noch einmal hinterfragt werden.

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