Kinderbetreuung

Nidderau: Personalengpässe durch Corona - Eicher Elternbeiräte treten zurück

Ein Warnschild mit dem Zusatz Kindergarten macht auf spielende Kinder aufmerksam.
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Corona bringt die Kinderbetreuung mancherorts in Schieflage.

Ist das Corona-Virus auch für den schiefhängenden Haussegen in einem Teil der Nidderauer Kindertagesstätten verantwortlich oder sind es schlicht Managementfehler, die zum Durcheinander in den Einrichtungen führt? Am 22. Februar nahmen nach einer längeren Pause aufgrund der Corona-Einschränkungen die Kitas in Nidderau wieder ihren Regelbetrieb auf.

Nidderau – Damit durften im Gegensatz zu den Wochen zuvor, in denen Kinder nur in Notfällen in den Kitas aufgenommen wurden, wieder alle Eltern ihren Nachwuchs in die Betreuungseinrichtungen schicken – wenn auch unter Pandemiebedingungen.

So die Theorie, denn in der Praxis taten sich Engpässe in der Betreuung auf. Zum Beispiel in der Kita Eichen. Dort fehlten von fünf von elf regulären Erzieherinnen. Von den übrigen sechs waren zudem nur zwei Vollzeitkräfte. Ein geordneter Betrieb war damit ausgeschlossen, zumal das bis dahin praktizierte offene Betreuungskonzept Corona bedingt zu einem festen Gruppenkonzept mit jeweils bis zu 20 Kindern je Fachkraft umgewandelt wurde.

Elternbeirat startet Aufruf

Der Elternbeirat Eichen entschied sich, zu reagieren und die Eltern über diese Situation zu unterrichten. Er empfahl den Eltern, ihre Kinder weiterhin – wenn irgendwie möglich – zuhause zu betreuen, aus Solidarität mit den Familien, denen eine Betreuung zuhause absolut nicht möglich ist, und auch aus Solidarität mit den Erzieherinnen, die so vor einer Überlastung geschützt werden sollten.

Der Elternbeirat unterbreitete den Aufruf nach eigenen Angaben nicht leichtfertig, sondern weil man in dem Gremium zu der Überzeugung gekommen sei, dass in der Vergangenheit seitens der Stadt keinerlei Anstrengungen unternommen wurden und werden, um diesem absehbaren und seit Langem bestehenden Zustand abzuhelfen. Es existiere lediglich eine Dauerstellenausschreibung, die angesichts des leer gefegten Stellenmarktes für Erzieherinnen wenig attraktiv erscheine (siehe dazu auch die Stellungnahme der Verwaltung im Infokasten).

Rainer Vogel, Erster Stadtrat von Nidderau (Grüne) und Sozialdezernent

Verwaltung kürzt Betreuungszeiten

Die Verwaltung reagierte auf die kritische Personalsituation mit der Kürzung der Betreuungszeiten auf 7 bis 15 Uhr. Zudem wurde eine zusätzliche Fachkraft aus einer anderen städtischen Einrichtung nach Eichen abgestellt. Außerdem erschien der Erste Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) vor Ort in der Einrichtung und versprach schnelle Abhilfe. Weitere Gesprächsinhalte wurden nicht bekannt. Allerdings plädierte ein Teil der Beiratsmitglieder anschließend für eine offensichtlich weniger selbstbewusste Position gegenüber der Stadt und beschloss, sich zu der Betreuungssituation nicht mehr öffentlich äußern zu wollen und stattdessen auf den Stadtelternbeirat zu verweisen. Und dies trotz der Äußerung Vogels, dass der Aufruf auf Unwahrheiten und Mutmaßungen beruhe. Der Stadtelternbeirat lehnte nach interner Beratung am Wochenende eine Stellungnahme ab. Mit der Folge, dass Anfang der Woche die beiden Eicher Beiratsmitglieder Dr. Peter Rehbein und Chrissie Kapfenberger ihre Ämter aus Protest niederlegten.

„Wir als Elternbeirat der Kindertagesstätte Eichen vertreten satzungsgemäß die Interessen der Elternschaft der Kindertagesstätte Eichen und agieren zum Wohle der Kinder. Dabei haben wir aber auch das Wohl der Erzieherinnen im Blick“, meint dazu das bisherige Mitglied des Eicher und des Nidderauer Stadtelternbeirates Rehbein, der ausdrücklich betont, keiner Partei anzugehören.

Stadtrat Vogel: Betreuungsschlüssel wurde eingehalten

Gegenüber dieser Zeitung wehrt sich Vogel gegen die Vorwürfe der Eltern mit dem Hinweis auf das Hessische Kinderförderungsgesetz. Das schreibe den genauen Personalschlüssel in Kindertagesstätten vor. „Und der ist in unseren Kitas stets eingehalten worden.“

Anders sieht dies die Opposition. Es sei hinlänglich bekannt, dass die personelle Situation und vor allem auch die Fluktuation dieser Mitarbeiterinnen keineswegs rosig seien und dass die verbleibenden Erzieherinnen den dauerhaften Mangel durch zusätzliche Arbeitsbelastungen kompensieren müssten. „So werden aus motivierten Erzieherinnen letzten Endes Kolleginnen, die mittelfristig ihre eigene Gesundheit riskieren“, schlussfolgert Christina Schneider, Sprecherin des Arbeitskreises Familie der CDU Nidderau.

Stadtrat dankt Eltern und Erziehern - Erklärung aus Sicht der Verwaltung

In einer Mitteilung und im Gespräch mit unserer Zeitung bedankt sich Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) im Namen der Verwaltung ausdrücklich bei allen Kita-Eltern der städtischen Einrichtungen. Nachdem es in Nidderau lange vermieden werden konnte, Betreuungszeiten einzuschränken zu müssen, wie es in vielen anderen Kommunen schon länger praktiziert werde, hätten seit dem 22. Februar auch in Nidderau die städtischen Einrichtungen die Betreuungsrandzeiten gekappt und das Angebot reduziert, um die Betreuung in den Kernzeiten sicherzustellen. In der Kita Maria Merian in Ostheim habe zudem die U-3-Betreuung für eine Woche ausgesetzt werden müssen, wie Stadtrat Vogel erklärt. „Viele Eltern zeigen, trotz der aktuell noch andauernden vorübergehenden Einschränkung des Betreuungsangebotes in den Einrichtungen bis 15 Uhr Verständnis für die Notwendigkeit dieser Maßnahme“, so Vogel.

Der Dezernent lobt ausdrücklich diese Unterstützung sowie die Flexibilität der Kita-Eltern, ihre Kinder aktuell früher zuhause zu betreuen. „Dieses Engagement der Eltern wird auch von den Fachkräften der Einrichtungen als Entlastung ihres Einsatzes für Familien wahrgenommen und honoriert. Selbstverständlich werden die vom reduzierten Angebot betroffenen Familien eine entsprechende Kostenbeitragsreduzierung erhalten.“

Entsprechend den zwingend empfohlenen Hygienebestimmungen des Main-Kinzig-Kreises und der hessischen Landesregierung finde auch weiterhin die aktuelle Betreuung in konstanten Betreuungssettings statt. Hier würden feste Kindergruppen mit festgelegtem Betreuungspersonal in zugeordneten Räumlichkeiten beaufsichtigt und betreut. Eine Mischung von Kinder- und Personalgruppen solle aufgrund des Infektionsschutzes dringend vermieden werden.

Wie Vogel gegenüber unserer Zeitung betont, habe der Elternbeirat Eichen keinen Kontakt zur Verwaltung aufgenommen, um die kritische Situation in der Kita Eichen gemeinsam zu lösen. Die Ausfälle von Erzieherinnen seien durch Krankheit und Quarantänefälle entstanden. „Dieses Personal für diese Eventualitäten kann keine Kommune vorhalten, und Nidderau hat das bisher auch, dank unserer hoch motivierten Erzieherinnen, gut gemeistert“, so Vogel. Der Stadtrat betont, dass die gesetzlichen Betreuungsschlüssel nach den Kifög-Anforderungen eingehalten worden seien.

Derzeit seien in den sieben städtischen Kitas 3,8 Erzieher-Stellen und 1,2 Stellen für Integrationskräfte (Stand 1. März 2021) nicht besetzt, die aktuell aber durch Aushilfen kompensiert seien. „Erfreulicherweise hat der Aufruf der Stadt zu einer guten Resonanz bei den Rückmeldungen für Aushilfen geführt, auch Menschen, die sich für eine Erzieher-Ausbildung interessieren.“

Infos zu den städtischen Kitas können bei Lisa-Marie Dewald im Fachbereich Soziales unter 06187 299250 oder per E-Mail an lisa-marie.dewald@nidderau.de erfragt werden. jow

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