Gedenken

Nidderau: Reservisten reinigen Kriegsgräber auf Windecker Friedhof

Nach getaner Arbeit versammelten sich die Mitglieder der Reservistenverbände Hanau und Kinzigtal sowie die städtischen Bauhofmitarbeiter mit Vertretern von Kreis, Stadt und Kommunalpolitik rund um eines der gereinigten Kriegerdenkmale.
+
Nach getaner Arbeit versammelten sich die Mitglieder der Reservistenverbände Hanau und Kinzigtal sowie die städtischen Bauhofmitarbeiter mit Vertretern von Kreis, Stadt und Kommunalpolitik rund um eines der gereinigten Kriegerdenkmale.

Das Kreuz fehlt, der Sockel aus Sandstein löst sich in seine Bestandteile auf. Die Inschrift auf dem Ehrenmal ist kaum mehr zu erkennen: So sehen die Kriegsgräber auf dem Windecker Friedhof aus. „Das muss sich ändern. Das sind wir den Toten schuldig“, meinte vor Kurzem Nidderaus Bürgermeister Andreas Bär (SPD) im Rahmen einer Friedhofsbegehung.

Nidderau – Den Worten folgten schnell erste Taten. Ein kurzer Anruf beim Reservistenverband Hanau, ein kurzer Wortwechsel und schon hatte Bär die Zusicherung des Verbandsvorsitzenden André Kempel, dass seine Gruppe auch nach Nidderau kommen und die Soldatengräber und das Ehrenmal auf dem Windecker Friedhof reinigen werde.

Erst vor wenigen Wochen hatten Kempel und seine rund zehn Kameraden Soldatengräber und das Ehrenmal in Bruchköbel gereinigt. „Die Gesellschaft hat unsere toten Kameraden irgendwie aus den Augen verloren. Deshalb haben wir jetzt die Pflege hier in der Gegend übernommen“, berichtet Kempel.

Erinnerung an dunkles Kapitel der Geschichte wachhalten

Vor zwei Jahren hätten sie damit auf einem Friedhof in Büdingen angefangen. Gebremst worden seien die Aktionen dann allerdings durch Corona und durch den Mangel an Geräten. In Bruchköbel beispielsweise vor drei Wochen musste die Feuerwehr einspringen, weil der mitgebrachte private Hochdruckreiniger viel zu schwach für die Reinigung der Grabsteine war. Bei der Reinigungsaktion am Samstag waren deshalb städtische Bauhofmitarbeiter unterstützend mit zur Stelle.

Für Bär ist die Säuberung der Soldatengräber auch im Hinblick auf den Volkstrauertag kurz vor der Adventszeit besonders wichtig, weil so die Erinnerungen an Menschen und eine Geschichtsepoche wachgehalten werden. „So eine Zeit mit Kriegen darf es nie wieder geben. Daran sollen die Gräber erinnern. Schließlich dürfen die Soldaten ihr Leben nicht umsonst geopfert haben“, meint Bär und auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) und der CDU-Landtagsabgeordnete Max Schad unterstützen anschließend den Appell des Bürgermeisters.

Ehrenamtlicher Dienst ist Herausforderung

Dabei weist Stolz auf eine Gedenktafel für fünf junge Soldaten hin, die noch kurz vor Kriegsende zu Ostern 1945 ihre Leben sinnlos opfern mussten. „Wir müssen wieder eine Erinnerungskultur schaffen, damit die nachfolgenden Generationen die Opfer vieler junger Menschen nicht aus den Augen verlieren“, so Stolz.

Faust auf Faust: Landrat Thorsten Stolz (SPD, Mitte) begrüßt die Kameraden.

Doch um dieses Ziel tatsächlich verwirklichen zu können, bedarf es des Ehrenamtes. Bund, Land und Kommunen sehen sich jedenfalls nicht dafür zuständig. „Ja, es stimmt, wir sind erst auf das Problem gestoßen, als sich die Klagen über den Zustand der Gräber häuften“, betont Kempel. Auch für ihn und seinen Reservistenverband Hanau sei es trotz der 90 Mitglieder immer wieder eine Herausforderung, genug Kameraden für den freiwilligen Dienst zu motivieren. Deshalb ist in Nidderau an diesem Vormittag auch der Reservistenverband Kinzigtal eingesprungen und hat mit Hand angelegt.

Demnächst Aktion auf dem Friedhof in Ostheim

Denn auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich nach den Worten Kempels entgegen landläufiger Meinung nicht um die Pflege derartiger Kriegsgräberstätten im Inland, sondern wird gemäß Auftrag der Bundesregierung nur im Ausland aktiv. Der Volksbund hat im Inland ausschließlich eine beratende Funktion. Das hat Kempel inzwischen selber herausfinden müssen und macht daher mit seinen Kameraden auf eigene Faust weiter.

„Unser nächstes Ziel ist der Friedhof Ostheim. Auch dafür gibt es eine Anfrage“, so der Reservistenverbandsvorsitzende. Für seine Arbeit und die seiner Kameraden darf der Reservistenverband nach den Statuten kein Geld und auch keine Spende entgegennehmen. „Aber so ein eigener Dampfstrahler wäre schon von Vorteil, damit wir für diese Arbeit nicht immer auf die Hilfe anderer zurückgreifen müssten“, verrät er dann doch.

Und dann greift auch er wieder zum Wasserstrahlgerät der Stadt und fährt mit der Reinigung der Grabsteine an der Seite seiner Reservistenkameraden fort. (Von Jürgen W. Niehoff)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare