Kommunalwahl

Nidderau: Scheidender Bürgermeister Gerhard Schultheiß steht als Nachrücker für Magistrat zur Verfügung

Beim Wähler beliebt: Im Jahr 2014 (Foto) wurde Gerhard Schultheiß (SPD) erneut zum Bürgermeister von Nidderau wiedergewählt. Bei der jetzigen Kommunalwahl sprang er vom symbolischen Listenplatz 37 auf Platz 4.
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Beim Wähler beliebt: Im Jahr 2014 (Foto) wurde Gerhard Schultheiß (SPD) erneut zum Bürgermeister von Nidderau wiedergewählt. Bei der jetzigen Kommunalwahl sprang er vom symbolischen Listenplatz 37 auf Platz 4.

Kritiker sehen eine Irreführung der Wähler, die Betroffenen selbst wollen es als Bekenntnis und Unterstützung für die eigene Partei verstanden wissen: Die Rede ist von der „Scheinkandidatur“ von hauptamtlichen Amtsträgern wie Landräten oder Bürgermeistern bei der Kommunalwahl.

Nidderau – Auch im Main-Kinzig-Kreis tauchten diesmal wieder prominente Namen auf den Parteilisten auf, um als „Zugpferde“ Stimmen beim Wahlvolk zu sammeln. Bei der SPD Nidderau kam es dabei zu besonderen Konstellationen. Denn Spitzenkandidat Andreas Bär, der bislang die Fraktion führte, wird Mitte Mai das Amt des Bürgermeisters von Parteifreund Gerhard Schultheiß übernehmen. Während Bär mit 6200 Einzelstimmen auf Listenplatz 1 klar bestätigt wurde, machte Schultheiß den größten Sprung aller Nidderauer Kommunalwahlkandidaten: Er startete von Rang 37, dem letzten Listenplatz der SPD, und landete mit 3712 Stimmen auf Platz 4.

„Eine Irreführung der Wähler weise ich zurück“, so Schultheiß am Montag gegenüber dem HA. Deutschlandweit würden auch Ministerpräsidenten bei Landtagswahlen diese Praxis üben, der Wähler wisse das. Er selbst habe bewusst den symbolisch letzten Listenplatz belegt. „Dass ich so weit nach vorne gewählt wurde, ist überraschend, aber auch angenehm“, erklärt der in zwei Monaten scheidende Bürgermeister. „Ich sehe es wie ein Zeugnis der Anerkennung, eine Bestätigung, dass ich nicht alles falsch gemacht habe.“

Schultheiß: Andreas Bär ist klar die neue Nummer eins

Um den Willen der Wähler nicht völlig zu missachten, will sich Schultheiß der Fraktion nun als Nachrücker für den Magistrat anbieten, falls im Lauf der Wahlperiode Bedarf entstehe. „Ich möchte damit meine Verbundenheit zur Partei zum Ausdruck bringen“, so der Rathauschef. „Die Fraktion entscheidet. Und eins ist klar: Andreas Bär ist die neue Nummer eins, der die Stadt künftig als Bürgermeister nach außen vertritt.“

Der designierte Bürgermeister Bär hatte Kritikern gegenüber bereits im Wahlkampf erklärt, dass die SPD ihre Liste noch vor der Bürgermeisterwahl am 29. November aufgestellt und bekannt gegeben habe. Im Gespräch mit dem HA hatte er in seiner Position als Spitzenkandidat auch keinen Widerspruch gesehen. „Ich bin aktuell Fraktionsvorsitzender und gewählter Stadtverordneter. So werde ich im Übrigen auch von den Mitbewerbern behandelt. Nach der Kommunalwahl werde ich meine parteipolitischen Äußerungen herunterfahren.“

SPD hat viele Personalfragen zu klären

Mit Bär und Schultheiß werden also zwei der 13 SPD-Sitze in der Stadtverordnetenversammlung für Nachrücker frei. Weitere Plätze werden durch die Besetzung des Magistrats vakant. So machte auch der bisherige Stadtrat Markus Dillmann einen großen Sprung von Platz 29 auf Platz 10. Ebenso viele Plätze konnte Dr. Horst Maurer, Hausarzt in Heldenbergen, von Rang 25 auf Listenplatz 6 zulegen. Als Nachrücker würden dann auch die beiden erfahrenen Genossen Rembert Huneke (von Platz 9 auf 14), bislang Vorsitzender des Jugend- und Sozialausschusses, sowie Helmut Brück (von Platz 10 auf 16), Vorsitzender des Bau- und Strukturausschusses, wieder Teil der Fraktion sein.

Spannend ist die Frage, wer die Nachfolge Bärs als Fraktionsführer antritt. Da wäre zum Beispiel Nidderaus SPD-Vorsitzender Vinzenz Bailey, der wie zuvor Bär bereits Kreistagserfahrung hat. Bailey wurde vom dritten Listenplatz auf den zweiten gewählt. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder in gemeinsamen Mitteilungen mit Bär teils scharf zu politischen Themen Stellung bezogen.

Und dann wäre da auch noch die Position des Stadtverordnetenvorstehers zu besetzen. Nach dem Ausscheiden von Gunther Reibert hätte die SPD als stärkste Fraktion wieder das Vorschlagsrecht. Zwar liegt sie nach Anzahl der Sitze gleich auf mit der CDU, hat aber bei der Kommunalwahl mit knapp 36 Prozent um zwei Punkte besser abgeschnitten als die Christdemokraten. Ein Kandidat wäre sicher der Ostheimer Jan Jakobi, der in der zurückliegenden Wahlperiode mit seiner ruhigen aber bestimmten Art und Sachverstand als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses agierte.

David Marohn nimmt einzigen Sitz der FDP im Stadtparlament an

Im Gegensatz zur SPD hatte die FDP nur eine Personalie zu klären, die für die Partei jedoch umso bedeutender ist. Immerhin ging es um die Frage, wer den einzigen Sitz besetzt, den die Liberalen bei ihrer Premiere mit 2,5 Prozent der Stimmen gewinnen konnten. „Der Gewählte wird das Mandat annehmen“, bestätigte am Montag Nidderaus FDP-Vorsitzender und Spitzenkandidat Dieter Tien den Einzug des 19-jährigen David Marohn ins Stadtparlament. Der stellvertretende Parteivorsitzende war mit 1373 kumulierten Stimmen an Tien vorbei auf Platz eins gezogen.

David Marohn zieht für die FDP in die Stadtverordnetenversammlung.

Insgesamt hatte sich Tien für die Liberalen mehr erhofft. Mit nur einem Sitz im Parlament werde es schwer. Dabei sieht Tien auch strukturelle Gründe für das mäßige Abschneiden. „Wir hatten nur sieben Kandidaten auf der Liste. Deshalb haben wir pro Listenkreuz als Partei auch nur 21 Stimmen bekommen. Bei mindestens 13 Kandidaten wären es 39 gewesen.“ Zudem sei es als neue Partei immer schwierig, Fuß zu fassen. Dennoch wolle man mit einer Gruppe von Leuten Marohn bei der Gremienarbeit unterstützen und als Gäste regelmäßig die Sitzungen besuchen. „Sonst ist einer allein da auf verlorenem Posten. Aber wir sind gewillt, diese saure Gurkenzeit zu überstehen“, versichert Tien.

Grünen-Fraktion mit bekannten Gesichtern

Komfortabler ist die Situation der Grünen, die mit plus fünf Prozent Nidderaus Wahlgewinner sind. Beachtliche 4758 Stimmen erhielt Spitzenkandidatin Silke Vogel vor dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden Gerrit Rippen (3090). Einen Sprung machte auch Ehemann und Erster Stadtrat Rainer Vogel, der mit Platz 10 (zuvor 24) jedoch nicht in die Verlegenheit eines Fraktionssitzes gerät. In der Fraktion neu, aber in der Stadt bekannt sind Barbara Heilmann, die in Nidderau eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Multipler Sklerose gegründet hat, und Nicole Stahlberg, die vor fast 20 Jahren den Schlosskeller in Windecken ins Leben rief.

Mit nur noch drei Sitzen müssen hingegen die Freien Wähler auskommen. Anette Abel und die beiden neuen Kräfte Dirk Kapfenberger und Silke Sacha wollen jedoch mit Energie ihre Arbeit für mehr Transparenz und Sachpolitik angehen.

CDU bei Anzahl der Sitze gleich auf mit SPD

Zahlreiche neue Gesichter gibt es auch bei der CDU. Vor allem Bürgermeisterkandidat Phil Studebaker weckt mit einem Wahlergebnis von 5279 Stimmen auf Platz 1 einige Erwartungen. Insgesamt hat die CDU-Liste eine gute Mischung aus alten und neuen Gesichtern sowie einem hohen Frauenanteil zu bieten. Mit 13 Sitzen ist die Fraktion der Christdemokraten ebenso stark wie die der SPD. Die CDU wird also in den Gremien selbstbewusst auftreten. Jan-Otto Weber

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