Apfelernte

So werden die Äpfel aus dem Garten zu eigenem Apfelsaft – Besuch einer mobilen Kelterei

Eine ganze Kelterei in einem Anhänger – Mit einer Bandpresse werden die Äpfel zu Saft gepresst. 100 Kilo Äpfel kann die mobile Kelterei innerhalb von 20 Minuten zu Saft verarbeiten.	Foto: Kerstin Biehl
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Eine ganze Kelterei in einem Anhänger – Mit einer Bandpresse werden die Äpfel zu Saft gepresst. 100 Kilo Äpfel kann die mobile Kelterei innerhalb von 20 Minuten zu Saft verarbeiten. Foto: Kerstin Biehl

Im September und Oktober ist Wilfried Stöcker-Lebzien im alljährlichen Unruhestand. Der Rentner steht dann fast jeden Tag an der Apfelpresse der mobilen Kelterei des Frankfurter Main Äppelhaus Lohrberg. An diesem Samstag steht die Anlage auf dem Hof der Familie Jost in Nidderau-Eichen.

Nidderau – „Dieses Jahr ist wohl nicht so viel zusammen gekommen“, stellt der Kelterer fest und kippt einen großen Eimer Äpfel aufs Förderband. „Hing nicht viel dran“, stimmt ihm Wolfgang Koog zu. Der Streuobstwiesen-Besitzer ist von Langenselbold herüber gekommen und nicht zum ersten Mal hier. „Ein Stammkunde“, freut sich Stöcker-Lebzien und fachsimpelt mit dem Kunden über die Alternanz. So nennt man die Schwankung des Fruchtertrags von Apfelbäumen im zweijährlichen Rhythmus.

Dafür, dass an den Apfelbäumen des Selbolders nicht so viel dran hing, hat er doch einige Säcke Äpfel im Kofferraum. 150 Kilo zeigt die Waage an. „Mit dem Saft, der gleich daraus gepresst wird, versorge ich die ganze Familie. Sogar die Enkelkinder“, erzählt er und verfolgt den Weg seiner Äpfel über das Laufband in die Bandpresse.

Vom Band in die Presse – In erster Linie ist die Anlage für das Pressen von Äpfeln ausgelegt. Es können aber auch Mispeln, Birnen oder Quitten verarbeitet werden.

Die mobile Kelterei ist eine komplette Kelteranlage auf einem doppelachsigen Anhänger. Sie besteht aus einer Waschanlage, dem Muser, der Bandpresse, einer Pasteurisierungsanlage und einer Abfülleinrichtung für die sogenannten Bag-In-Boxen. Dort hinein werden die Plastikbeutel mit dem Saft gefüllt. Mit drei Leuten ist Kelterer Stöcker mit der Anlage im Main-Kinzig-Kreis, im Raum Frankfurt und im Odenwald unterwegs. „Vor zwei Jahren habe ich die mobile Kelterei übernommen. Meine Affinität zu Äpfeln war dafür ausschlaggebend“, erzählt er.

So läuft die Pressung der Äpfel ab

Gut verpackt – Der Apfelsaft wird in Plastikbeutel abgefüllt und dann in Kartons gelegt.

Zunächst werden die Äpfel gewaschen, dann geschreddert und danach geht es für das Obst in die Bandpresse, die über verschiedene Rollen läuft und den Saft aus den Äpfeln drückt. Dann rinnt die Flüssigkeit über ein Filtersystem in den Ofen, wo er pasteurisiert wird. Auf 81 Grad wird er dafür erhitzt. Ist er heiß genug, wird er in Plastikbeutel abgefüllt und in Kartons verpackt. Übrig bleibt der Trester, der an Vieh oder Wildtiere verfüttert wird. Eine gute halbe Stunde dauert der Vorgang bei 150 Kilo Äpfeln. Das ist die Mindestmenge, die man als Kunde zum Keltern mitbringen muss.

„Eine prima Sache. Frisch vom Baum, nicht gesprüht und aus den eigenen Äpfeln“, freut sich Wolfgang Koog und lädt seine Drei-Liter-Kartons in den Kofferraum. Mindestens 18 Monate ist der Saft, dadurch, dass er erhitzt wurde, haltbar.

Inzwischen sind die nächsten Kunden eingetroffen. Werner Schönhals hat seinen Enkel Taavi mitgebracht. Der Dreijährige beobachtet gespannt, wie aus den Äpfeln, die er eben noch von Opas Apfelbaum gepflückt hat, Saft wird. „Der Saft aus den eigenen Äpfeln ist kein Vergleich zu Gekauftem“, erzählt Schönhals. „Was wir nicht selber trinken, nutzen wir auch oft als Mitbringsel. Das ist dann jedes Mal etwas Besonderes.“

Nur qualitativ einwandfreie Äpfel können zu Saft verarbeitet werden

Der frisch gefüllte Plastikbeutel ist noch warm, wenn er in den Karton gehoben wird. „Wichtig ist, dass die Äpfel nicht faul sind“, erklärt der Kelterer. „Wir können nur qualitativ einwandfreies Obst verarbeiten, um einen guten Saft herzustellen.“ Er bittet deshalb seine Kunden, Äpfel, die von Schädlingen befallen sind, auszusortieren. Zudem sollten die Äpfel nicht früher als drei Tage vor dem Keltertermin gepflückt oder gesammelt werden und reif sein. Denn ist der Apfel noch nicht ausgereift, schmeckt der Saft herb oder ist sogar ganz ohne Geschmack. Zudem verringert unreifes aber auch übereifes Obst die Haltbarkeit des Safts. Kleine Druck- und Schorfstellen hingegen beeinträchtigen die Qualität nicht

Jetzt geht’s ans Zahlen – Wolfgang Koog (rechts) hat aus seinen Äpfeln 65 Liter Saft pressen lassen.

„Unsere Kelter-Termine sind gut ausgefüllt. Die mobile Kelterei wird sehr gut angenommen“, erzählt Stöcker-Lebzien. Für diejenigen, die keine eigenen Äpfel zum Keltern bringen, hat er immer ein paar Kartons gepressten Saft zum direkten Verkauf dabei. Auch Süßmost, den nicht erhitzten Apfelsaft, der nach wenigen Tagen zu Gären beginnt, kann man bei ihm vor Ort erwerben. Ein Behälter sollte dafür mitgebracht werden.

Wilfried Stöcker-Lebzien wird an diesem Tag noch viele Äpfel in Empfang nehmen und seine Kunden mit Saft aus ihren eigenen Äpfeln glücklich machen. Wenn er am Abend seine Anlage wieder einpackt, wird er insgesamt 3000 bis 4000 Liter Saft gepresst haben.

Die nächsten Termine der mobilen Kelterei des Main Äppelhaus

Am Dienstag, 6. Okotober, steht die mobile Kelterei am Rewe-Markt in Hochstadt. Am Mittwoch, 7. Oktober, wird am Dehner Gartencenter in Hanau gekeltert. Am Freitag, 9. Oktober, macht die Anlage Station an der Willi-Salzmann-Halle in Nidderau-Windecken. Eine telefonische Anmeldung (z 0179/3400251) ist nötig. Weitere Termine sind im Internet einzusehen.

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