Kommunalwahl

Nidderau: SPD will stärkste Kraft bleiben und bekennt sich zu Rot-Grün

Die Wahlurnen, die zur Bürgermeisterwahl im November 2020 in den Nidderauer Wahllokalen wie hier im Familienzentrum im Einsatz waren, werden am 14. März zur Kommunalwahl wieder gebraucht.
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Die Wahlurnen, die zur Bürgermeisterwahl im November 2020 in den Nidderauer Wahllokalen wie hier im Familienzentrum im Einsatz waren, werden am 14. März zur Kommunalwahl wieder gebraucht.

Auf den Wahlsonntag ist Andreas Bär wirklich gespannt. „Jede Partei will ihre Stimmanteile erhöhen. Da bleibt ja nur die SPD, die abgibt“, scherzt er. Natürlich wolle die SPD erneut stärkste Kraft werden und nach Möglichkeit die Koalition mit den Grünen beibehalten. Es gehe darum, die potenziellen Anhänger im Lager der Nichtwähler zu motivieren, meint Bär.

Nidderau – Immerhin gaben im Jahr 2016 etwa 45 Prozent der Wahlberechtigten keine Stimme ab. Interessiert blickt Bär auf das Abschneiden der FDP, die als fünfte Partei um die Gunst der Wähler wirbt. „Ich habe den Eindruck, dass die Liberalen wirklich an einem konstruktiven Austausch interessiert sind“, liest Bär aus den bisher spärlichen Wahlkampfbeiträgen des neuen politischen Mitbewerbers. Tatsächlich könnte die FDP einen anderen Ton in den zuletzt sehr lauten und teils polemischen Diskurs bringen.

Andreas Bär, SPD-Fraktionsvorsitzender, Spitzenkandidat zur Kommunalwahl und designierter Bürgermeister in Nidderau.

Vor allem die Standortfrage für das geplante Alten- und Pflegezentrum (APZ) in Eichen erregt seit Monaten die Gemüter. Dabei versucht Bär den Spagat zwischen seiner Position als SPD-Spitzenkandidat und Fraktionschef einerseits und seiner künftigen Rolle als Bürgermeister aller Nidderauer andererseits.

Bär sieht keinen Konflikt zwischen Bürgermeisteramt und Spitzenkandidatur

Bär allerdings beteuert, dass er darin keinen Konflikt sieht. „Ich bin aktuell Fraktionsvorsitzender und gewählter Stadtverordneter. So werde ich im Übrigen auch von den Mitbewerbern behandelt. Nach der Kommunalwahl werde ich meine parteipolitischen Äußerungen herunterfahren.“

Ob Bär es schon bereut hat, dass er als Mehrheitsführer eine Festlegung auf den APZ-Standort an der Höchster Straße in Eichen herbeigeführt hat, was die Opposition sowohl im Bürgermeisterwahlkampf als auch jetzt als Angriffsfläche nutzt? „Es ist ein Stück Ehrlichkeit, einen Standort zu benennen“, findet Bär. „Alle sind für ein Seniorenzentrum in Eichen. Aber die Opposition hat noch keinen realistischen Alternativstandort genannt.“ Selbst, wenn der Sprung über die B521 kommen sollte, würden Jahre vergehen, bis dort ein Seniorenzentrum realisiert wäre. Der Bau auf einem nicht-städtischen Grundstück würde hohe Kosten für den Ankauf der Fläche verursachen.

Runder Tisch soll keine Entscheidung zu Seniorenzentrum treffen

Bär setzt deshalb nach wie vor auf den von ihm vorgeschlagenen runden Tisch zu dem Thema. Auf Antrag von SPD und Grünen werde der Magistrat wohl einen Termin nach der Kommunalwahl vorschlagen und dazu einladen. „Dieses Gremium wird nicht beschlusskräftig sein. Es geht nicht darum, am Ende darüber abzustimmen, was gemacht wird, sondern um eine Art Mediation, wo alle zu Wort kommen. Um Druck rauszunehmen, ohne dass es so eine politische Sitzungsatmosphäre hat.“

Und wie ist es mit dem Konfliktpotenzial innerhalb der Koalition? Das Thema Mischgebiet in Eichen ist durch die ungewöhnlich langwierige Machbarkeitsstudie der Bauland-Offensive Hessen nur aufgeschoben. Die Grünen sind nach wie vor strikt gegen den Sprung.

Kritische Haltung der SPD gegenüber Mischgebiet in Eichen

„Wir respektieren die Position der Grünen“, stellt Bär fest. „Doch es gab in dieser Legislaturperiode auch eine interne Abstimmung der Mitglieder des SPD-Ortsbezirks Eichen-Erbstadt, bei der sich ebenfalls eine Mehrheit gegen das Mischgebiet aussprach.“ Er selbst erkenne an, dass es auch Argumente für den Sprung gebe. Dennoch werde sich die SPD sehr kritisch mit den Details der Machbarkeitsstudie auseinandersetzen.

Weitere Zukunftsthemen seien die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Belebung der Stadtteilkerne mit Gastronomie und die Einführung einer Stadtpolizei. Außerdem will die SPD neue Unternehmen ansiedeln und damit Arbeitsplätze und Steuereinnahmen generieren, schnelles Internet verfügbar machen und Nidderau zum Mittelzentrum aufstufen lassen. In den letzten Tagen vor der Wahl wirbt die SPD trotz der pandemiebedingten Distanz weiter um Wählerstimmen. Denn die Koalition habe einige Erfolge aufzuweisen.

Melanie Jung, Listenplatz 2 der SPD Nidderau zur Kommunalwahl

Dass die Opposition Anstoß daran nimmt, wenn sich SPD und Grüne Investitionen in die Feuerwehr auf die Fahne schreiben oder sich die Kreistagsabgeordneten der SPD mit Landrat Stolz vor der im Bau befindlichen Zweifeldhalle in Ostheim ablichten lassen, lässt Bär nicht gelten. CDU und Freie Wähler hätten gegen den Haushalt gestimmt und damit auch gegen die Investitionen für die Feuerwehr, so Bärs vereinfachte Erklärung. Und die Zweifeldhalle sei nun mal ein gemeinsames Projekt von Stadt und Kreis. „Dass sich Politiker vor Projekten fotografieren lassen, die ihnen wichtig sind, ist doch nichts Ungewöhnliches.“

Noch spricht also ganz der Wahlkämpfer Andreas Bär.

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