Mittelzentrum

Nidderau strebt Zusammenarbeit mit Karben für Heraufstufung an

Ein Ziel, mehrere Wege: Nach einem entsprechenden Stadtverordnetenbeschluss Ende Januar will Nidderau nun die interkommunale Zusammenarbeit mit dem benachbarten Karben im Wetteraukreis ausbauen, um Mittelzentrum zu werden.
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Ein Ziel, mehrere Wege: Nach einem entsprechenden Stadtverordnetenbeschluss Ende Januar will Nidderau nun die interkommunale Zusammenarbeit mit dem benachbarten Karben im Wetteraukreis ausbauen, um Mittelzentrum zu werden.

Seit gut zehn Jahren bemüht sich die Stadt Nidderau um eine Anerkennung als Mittelzentrum vom Land Hessen, womit höhere Schlüsselzuweisungen verbunden wären. Im Rathaus geht man von etwa zwei Millionen Euro aus. Eine Kooperation mit der benachbarten Stadt Karben im Wetteraukreis soll nun zum Ziel führen.

Nidderau – Das grundsätzliche Problem: Das Land sieht keinen Anlass für weitere Mittelzentren in der Region, die infrastrukturell gut aufgestellt ist. Frankfurt, Hanau und Offenbach sind Oberzentren – der hessische Landesentwicklungsplan (LEP), der aktuell überarbeitet wird, spricht von einem „Hochverdichteten Raum“. Einziges Mittelzentrum im westlichen Main-Kinzig-Kreis ist Bruchköbel.

Doch andere Kommunen holen auf. So streben neben Nidderau auch Langenselbold und Erlensee in Kooperation den Status Mittelzentrum an (wir berichteten). Rückendeckung erhalten die Kommunen vom Main-Kinzig-Kreis. Landrat Thorsten Stolz (SPD) bezeichnete in einer Stellungnahme zur aktuellen Fortschreibung des LEP die Einstufung Nidderaus als Mittelzentrum „mehr als überfällig“. „Mit inzwischen deutlich mehr als 20 000 Einwohnern und weiterhin steigender Tendenz bei sehr aktivem Wohnungsbau und weitreichenden Potenzialflächen kommt Nidderau inzwischen eine neue Zentralitätsfunktion zu, die eine Festlegung als Mittelzentrum mehr als rechtfertigt“, schrieb der Landrat zuletzt an Hessens Wirtschaftsminister und verwies auf die Bedeutung Nidderaus fürs Umland als Einkaufs-, Schul- und Medizinstandort.

„Rebellen-Kommunen“ fordern höhere finanzielle Zuweisungen

Bereits seit dem Jahr 2009 versucht Nidderau, in der Rangordnung der hessischen Kommunen nach oben zu kommen. Gemeinsam mit dem benachbarten Karben im Wetteraukreis, Kriftel, dem südhessischen Riedstadt, Neu-Anspach im Hochtaunuskreis und Dautphetal im Kreis Marburg-Biedenkopf hat Nidderau vor Jahren ein Initiative gestartet. Die „Rebellen-Kommunen“ fordern höhere Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich dafür, dass sie auch für umliegende Kommunen Infrastruktur wie Schwimmbäder, Kinos, Kaufhäuser, öffentlichen Nahverkehr oder weiterführende Schulen vorhalten. Erst kürzlich haben die Bürgermeister und Stadträte der sechs Kommunen in einer Telefonkonferenz ihren Willen bekräftigt, notfalls auch vor Gericht zu ziehen, um ihre Interessen durchzusetzen. Dazu müsste der neue Landesentwicklungsplan aber erst vom Landtag beschlossen werden.

Gemeinsam sehe man viele Kritikpunkte, wie das zentralörtliche System, das unmittelbar mit dem Kommunalen Finanzausgleich verbunden sei und das Gleichbehandlungsprinzip verletze. Es sei insgesamt festzustellen, dass viele im Landesentwicklungsplan aufgeführte Mittelzentren und ihr dargestellter Bedeutungsüberschuss für ihr Umland nicht mit der derzeitigen Realität übereinstimme. „Über eine Klage hätte das neu gewählte Parlament nach der Kommunalwahl zu entscheiden“, so Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. „Doch ein Gang durch die Instanzen würde Jahre dauern.“

Kooperation mit Karben als zweite Option neben Klageweg

Deshalb will Nidderau nun noch einen zusätzlichen Weg beschreiten, der nach dem ursprünglichen LEP-Entwurf ausgeschlossen war: Die Kooperation zweier Kommunen über Kreisgrenzen hinweg. „Es wird eine Kooperation mit der Stadt Karben angestrebt“, heißt es in der Vorlage, die in der Sitzung am 28. Januar von den Nidderauer Stadtverordneten einstimmig beschlossen wurde. „Die Landkreise Main-Kinzig-Kreis und Wetteraukreis sind in geeigneter Weise in den Kooperationsprozess mit einzubeziehen. Beim Land Hessen ist die Unterstützung im Rahmen eines Modellprojektes zu beantragen.“

Das Vorgehen sei bereits mit der Stadt Karben und den beiden Landkreisen vorabgestimmt, erläuterte Schultheiß gegenüber dem HA. Eine interkommunale Kooperation mit Karben erfolge bereits im Bereich der Stadtkasse. Schon in der Vergangenheit wurde über weitere Kooperationsmöglichkeiten nachgedacht. Gerade im Lichte der von beiden Kommunen angestrebten Heraufstufung zum Mittelzentrum seien diese Möglichkeiten nun noch einmal intensiver zu prüfen. Jan-otto Weber

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