Stadtentwicklung

Nidderau: Studenten stellen Ideen für Umgestaltung des Windecker Marktplatzes vor

Eine Luftaufnahme der Altstadt von Windecken mit dem Marktplatz, der Stiftskirche (oben links) und dem historischen Rathaus.
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Eine Luftaufnahme der Altstadt von Windecken mit dem Marktplatz, der Stiftskirche (oben links) und dem historischen Rathaus.

Einzelhandelskonzept, Bahnhof Ostheim, Controlling von Investitionen und Baumaßnahmen von Hessen Mobil – die Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz, die am Montagabend in der Willi-Salzmann-Halle in Windecken beraten wurde, hatte es in sich. Den Auftakt machten jedoch Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen, die quasi als Übung im Rahmen einer Lehrveranstaltung ein Marketingkonzept für den Windecker Marktplatz entworfen haben.

Nidderau – Der Kontakt war über die Wirtschaftsförderin Tanja Woltz entstanden, die ebenfalls in Gießen studiert hat. „Es ist eine Idee, wie eine Umgestaltung im Zuge der ohnehin anstehenden Kanalarbeiten aussehen könnte“, erläuterte Bürgermeister Andreas Bär (SPD) die grundsätzliche Herangehensweise, mit der nach Jahren vergeblicher Versuche, die Attraktivität der Altstadt Windeckens für Anwohner, Gewerbetreibende und Besucher zu steigern, nun der große Wurf gelingen soll. Auf Basis der Erkenntnisse der insgesamt 30 Studierenden, die in fünf Gruppen diverse Daten gesammelt und Interviews mit Anwohnern und Gewerbetreibenden geführt haben, hat ein Planungsbüro erste Entwürfe ausgearbeitet. Diese sollen den Beteiligten am kommenden Montag vorgestellt werden.

„Der erste Eindruck eines Kollegen war, es handele sich in Windecken nicht um einen Marktplatz, sondern um einen Parkplatz“, brachte Dr. Stephan Volpers als Leiter des Gießener Praxisseminars das Problem auf den Punkt. Denn die Leitidee der Gießener Studenten lautet: „Der historische Marktplatz soll für Anwohner und Touristen zu einem Ort des Wohlfühlens und Verweilens werden.“

Mehr Gastronomie, keine Konkurrenz zur Neuen Mitte

Als Schlüssel zur Wiederbelebung der Altstadt sehe der studentische Entwurf daher die Steigerung des Ambiente durch die Einrichtung einer Fußgängerzone und verkehrsberuhigter Bereiche vor. So soll auch mehr Platz für Außengastronomie entstehen, denn dafür sehen die Studierenden das größte Potenzial für den Marktplatz, um nicht in Konkurrenz mit dem Einzelhandelsangebot in der Neuen Mitte treten zu müssen.

Dabei haben die Studierenden durchaus einige positive Rahmenbedingungen ausgemacht. Etwa die zahlreichen Fachwerkfassaden der Windecker Altstadt. Oder die verschiedenen Rad- und Wanderwege wie die Hohe Straße, die Bonifatiusroute oder den Hessischen Apfelwein- und Obstwanderweg, die durch Nidderau führten.

Radfahrer und Tagestouristen in die Altstadt locken

Das Eiscafé sei bereits ein Anziehungspunkt. „Es muss gelingen, die zahlreichen Radfahrer, die an Windecken vorbeikommen, auf den Marktplatz zu locken“, so die Studierenden. „Sie könnten hier vielleicht ihre Mittagspause machen und sich die Altstadt anschauen.“

Hinweisschilder zu besonderen Bauwerken und der Geschichte der Stadt könnten die Verweildauer verlängern, ebenso wie die Wiederaufnahme von Stadtführungen, die auch von dem ein oder anderen Anwohner angeregt worden sei. Fahrradboxen zur sicheren Unterbringung der Räder während des Aufenthalts, vor allem am Bahnhof, wären ebenfalls ein Pluspunkt für Tagestouristen. Zudem schlagen die Studierenden einen Spielplatz auf der Nidderinsel am Wärtchen zwischen Willi-Salzmann-Halle und Altstadt vor.

Fußgängerzone vom Kiosk bis zum Brunnen

Als konkrete Umgestaltungsmaßnahme des Marktplatzes würden die Studierenden vom Kiosk an der Ecke Glockenstraße bis zur ehemaligen Volksbank und auf der Südseite bis weiter zum Brunnen eine Fußgängerzone einrichten. Zur Friedrich-Ebert-Straße hin könnten auf der Ostseite neue Parkplätze entstehen.

Ein Entwurf zur Gestaltung des Marktplatzes von Gießener Studenten: Der blaue Bereich markiert eine Fußgängerzone. Die weißen Rechtecke sind Parkplätze.

Potenzial für gastronomische Angebote sehen die Studierenden sowohl im früheren Volksbankgebäude, wo der Nidderauer Unternehmer Michael Kopf bereits eine entsprechende Einrichtung plant, als auch in der ehemaligen Metzgerei Lebeau. „Hier könnte man die Tore öffnen und im Innenhof einen Biergarten betreiben“, so die Idee der künftigen Planer. Gegenüber im Haus Nummer 10 können sie sich wiederum ein Bistro für den schnellen Mittagsimbiss vorstellen. Und auch für einen Feinkostladen, der abends am Rande eines Feierabendmarktes Verköstigungen anbietet, lasse sich ein leer stehendes Ladenlokal finden. Um das Startrisiko für Gewerbetreibende zu minimieren, schlagen die Studierenden flexible Mietpreise oder ein „Pop-up-Konzept“ zur Probe vor, um zu sehen, ob ein Laden angenommen wird.

Präsentation von Entwürfen für Anwohner und Gewerbetreibende

Der Ausschuss goutierte die Präsentation mit wohlwollendem Applaus. Welche Entwürfe die professionellen Planer vom beauftragten Büro daraus abgeleitet haben, können Anwohner, Geschäftsleute und Politiker am kommenden Montag sehen.

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