Stadtentwicklung

Nidderau: Verkehrsfrage steht im Fokus bei der Umgestaltung des Windecker Marktplatzes

Die „gute Stube“ Windeckens: Seit vielen Jahren diskutieren Bürger und Politik über die Nutzung des Marktplatzes in Windecken. Durch die nun anstehenden Kanalarbeiten ergeben sich Gestaltungsspielräume.
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Die „gute Stube“ Windeckens: Seit vielen Jahren diskutieren Bürger und Politik über die Nutzung des Marktplatzes in Windecken. Durch die nun anstehenden Kanalarbeiten ergeben sich Gestaltungsspielräume.

Die „gute Stube“ Windeckens soll umgestaltet werden. Doch das ist noch nicht alles. Bei Untersuchungen des Kanals unter dem Marktplatz wurde festgestellt, dass dieser sanierungsbedürftig ist. Die umfangreichen Arbeiten bieten eine Chance zur Aufwertung der Gestaltung der Oberfläche. Bürger haben bis 16. Juli die Gelegenheit, der Stadt ihre Ideen und Anregungen mitzuteilen.

Nidderau – Detaillierte Entwurfsskizzen werden in diesem Zeitraum auf der städtischen Webseite bereitgestellt. Nach Beauftragung von Planungsbüros werden die Pläne unter Einbeziehung der Bürger zur Diskussion und Beschlussfassung in die politischen Gremien gegeben. Gegen Herbst könnte ein beschlussreifer Vorschlag auf dem Tisch liegen.

Zwei Varianten sind im Gespräch. Andreas Damme von der Gesellschaft Paul Ingenieure aus Hanau stellte die Variante eins der Umgestaltung am Montagabend in der Willi-Salzmann-Halle Anwohnern, Gewerbetreibenden und politischen Vertretern vor. Er erklärte, dass es am baufälligen Kanal massive Schäden gibt. Der Kanal sei einsturzgefährdet, Geruchsbelästigungen durch Ablagerungen zu verzeichnen.

Kanalarbeiten sind Basis für Umgestaltung

Die Kanäle, die aus der Friedrich-Ebert-Straße und der Glockenstraße kommen und Richtung Heldenberger Straße weiterführen, haben die hauptsächliche abwassertechnische Funktion übernommen. Erneuerungsmaßnahmen an der Wasserleitung sind demnächst geplant. Der Rechteckskanal könnte mit einer Rohrleitung im U-Profil erneuert und die Leitungen angebunden werden. Vorstellbar wären auch eine komplette Stilllegung des Kanals und die Überführung von Anschlussleitungen. Erschwernisse seien durch die dichte Bebauung gegeben.

Variante eins zur Umgestaltung des etwa 1500 Quadratmeter großen Platzes möchte das historische Ambiente erhalten, die Aufenthaltsfunktion stärken und den Marktplatz für den Einzelhandel und die Gastronomie beleben. Stellplätze sollen in der unmittelbaren Umgebung erhalten bleiben, ebenso die Verkehrsbeziehung Friedrich-Ebert-Straße zur Eugen-Kaiser-Straße. Die Führungsform soll vom Gehweg und Gastronomiebereich deutlicher abgegrenzt werden, durch Natursteinpflasterrinnen an den Rändern der Fahrgasse.

Parkflächen würden etwas reduziert

Bei den Stellplätzen könnten aufgrund einer neuen Aufteilung 15 realisiert werden. „Es sind drei weniger als im Bestand. Diese sind jedoch besser nutzbar“, sagt Damme. Elektrisch versenkbare Poller für eine zeitweise Sperrung bei Veranstaltungen wären möglich. Der Standort des Brunnens sei verkehrsrechtlich ungünstig. Nachteile seien geringe Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung und Platzgestaltung sowie einer Bepflanzung. Es gibt zudem nur eingeschränkte Möglichkeiten der Außengastronomie, attraktivere Flächen anzubieten.

Uschi Gräbener vom Planungsbüro Werneke erläuterte den zweiten Vorschlag. „Der Marktplatz stellt sich aktuell überwiegend als Verkehrsfunktion mit Parkplätzen auf beiden Seiten dar“, sagt Gräbener. Das zukünftige Konzept sehe vor, dass der Verkehrsfluss überwiegend auf der Ost- und Westseite platziert werde. Eine Durchfahrt über den Marktplatz wäre dann nicht mehr möglich. Der Verkehr würde weiterhin von der Eugen-Kaiser-Straße in die Heldenberger Straße und von der Glockenstraße in die Friedrich-Ebert-Straße führen. Dadurch entstehe in der Mitte des Marktplatzes eine freie Fläche, die multifunktional für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Märkte genutzt werden könne. Der Marktbrunnen könne das Zentrum der „guten Stube“ von Windecken werden. Rechts und links des Brunnens seien je zwei Bäume vorgesehen, mit Sitzmöglichkeiten und Angeboten für die Gastronomie.

Marktplatz durchgängig sperren oder nicht?

Die Entwässerung sei ähnlich der jetzigen Situation. Auch die Installation einer Ladestation für E-Bikes sei möglich. An den Randbereichen seien Pkw-Stellplätze vorgesehen. Die Befahrbarkeit von Müllfahrzeugen sei nach wie vor an den Randbereichen gewährleistet, sofern der Brunnen mittig des Platzes mit Bäumen positioniert sei. Eine mobile Bühne könnte aufgestellt werden.

„Es sind beispielhafte Illustrationen, wie es aussehen könnte“, sagte Bürgermeister Andreas Bär (SPD). „Entscheidend ist die Frage, ob der Marktplatz weiterhin durchgängig für den kreuzenden Verkehr geöffnet bleiben oder für den Durchgangsverkehr ganz oder teilweise geschlossen werden soll.“

Zuhörer sprachen eine eventuelle zeitliche Durchfahrtsmöglichkeit im Schritttempo des Marktplatzes an sowie zur Belieferung der Gastronomie eine halbstündliche Belegung der Parkplätze. Gepflanzte Bäume sollten Standort gerecht sein. „Der zweite Vorschlag gefällt mir deutlich besser als der erste“, sagt Erhard Bus und erhielt dafür Applaus. Zu berücksichtigen sei, dass die Leute in der Heldenberger Straße ihre Pkws bei Belebung des Marktplatzes auch abstellen müssten. Ein anderer Bürger gab zu bedenken, dass ihm bei dem zweiten Konzept „Essen-Trinken-Genießen“ das Wohnen, Leben und Einkaufen fehlt.

Gewerbetreibende sind auf Parkplätze und Lieferverkehr angewiesen

Thorsten Philippi lebt und arbeitet am Marktplatz. Die Bäckerei seiner Familie ist dort seit 37 Jahren angesiedelt. Auch er sorgt sich um die Parkplätze. „Es gibt Menschen, die parken ihr Auto freitags mittags auf dem Kundenparkplatz vor unserem Laden und fahren es montags weg. Das finde ich eine Frechheit. Wir leben von diesen Parkplätzen, da hängen Arbeitsplätze dran“, sagt Philippi. Für ihn sei es wichtig, dass die Verkehrsanbindung wegen der Anlieferung bestehen bleibe.

Florian Adam-Neumann plädierte dafür, dass es eine Möglichkeit für den Lieferverkehr zur Durchfahrt geben sollte. „Das Einzige was wegfällt, sind die Parkplätze vor der alten Volksbank, dafür haben wir rechts und links neue Parkplätze geschaffen. Ich finde die Variante zwei sehr charmant“, sagt er. Ein anderer Bürger wies mit Nachdruck darauf hin, dass der Marktplatz ein Platz in historischer Umgebung und dem Schnittpunkt zweier historischer Handelswege sei. Man könne ihn nicht auf 60 Prozent reduzieren. „Der Marktplatz ist nicht schlecht. Er ist nur unzureichend gepflegt“, sagte er.

Bürgermeister Bär setzt auf Gastronomie

Bär wies auf die Studenten der Universität Gießen hin, die sich mit der Gestaltung des Platzes beschäftigt hätten (wir berichteten). Auf sie habe der Marktplatz auch aufgrund vieler Leerstände wie ein Parkplatz gewirkt. „Wenn der Marktplatz eine Zukunft als Ort des Treffens haben soll, dann nur mit Schwerpunkt Gastronomie“, so Bär. (Georgia Lori)

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