1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Nidderau: Vesper zum Laubhüttenfest in der Brückenkirche Heldenbergen

Bertha-von-Suttner-Schüler erklärten in kurzen Beiträgen die Bedeutung des Laubhüttenfestes, das als jüdisches Erntedankfest gilt. Die Juden erinnern damit an den Auszug aus Ägypten.
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Bertha-von-Suttner-Schüler erklärten in kurzen Beiträgen die Bedeutung des Laubhüttenfestes, das als jüdisches Erntedankfest gilt. Die Juden erinnern damit an den Auszug aus Ägypten.

Ein Erntedankfest der anderen Art hat die Evangelische Brückengemeinde Heldenbergen im Rahmen der Reihe 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert. Sie hatte zur musikalischen Vesper anlässlich des Laubhüttenfests eingeladen. Möglich wurde dies in Zusammenarbeit mit Schülern der Klassen 9 und 10 der Bertha-von-Suttner-Schule unter Leitung von Elisabeth Kretschmar-Wegner und mit Religionslehrer Pfarrer Andrew Klockenhoff.

Nidderau – Die Schüler machten die Bedeutung des Laubhüttenfestes anhand von kurzen Vorträgen deutlich. Die Zuhörer erfuhren, dass das Laubhüttenfest (hebräisch: sukkot) das jüdische Erntedankfest ist. Die Laubhütten, die dem Fest seinen Namen geben, erinnern an den Auszug aus Ägypten, als die Israeliten in provisorischen Behausungen wohnten. Jedes Jahr zu Sukkot wird die Sukka, die Laubhütte gebaut, um in ihr die Mahlzeiten einzunehmen.

Das Fest wird jährlich nach der Obsternte und Weinlese gefeiert und dauert sieben Tage. Mit dem Fest wird Gott für die Ernte gedankt. In Israel und im liberalen Judentum ist nur der erste Tag ein Feiertag. Der letzte Tag von Sukkot hat eine besondere religiöse Bedeutung und wird Hoschana Rabba genannt.

Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten

Bis heute gibt es den Brauch, während der Festzeit in einer Laubhütte zu wohnen, durch deren Dach man die Sterne sehen muss. Die Wände der Hütte bestehen aus Holz, gespannten Decken oder Zeltplanen. Das Dach wird aus unbearbeiteten Gewächsen gebaut. Sollte es regnen, entfällt die Verpflichtung, in der Hütte zu wohnen.

Zum Laubhüttenfest gehört auch ein Feststrauß aus vier verschiedenen Pflanzen. Ein Palmzweig, zwei Bachweiden und drei Myrtenzweige sowie die Etrog, eine Zitrusfrucht standen auch in einer Vase auf dem Altar. „Der Strauß stammt von einer jüdischen Gemeinde in Frankfurt und wurde aus Israel eingeflogen“, erklärte Pfarrerin Simone Heider-Geiß.

Elemente von Christen- und Judentum: Pfarrerin Simone Heider-Geiß und Pfarrer Andrew Klockenhoff mit dem traditionellen Feststrauß zum Laubhüttenfest.

Klockenhoff las aus dem zweiten Buch Mose über den Auszug aus Ägypten, als die Israeliten das Land der Knechtschaft verließen, um in das von Gott gelobte Land zu ziehen. „Die Erzählung des Volkes Israel enthält tiefe Wahrheiten über unser Leben. Auch wir sind unterwegs durch Tage, Monate, Jahre unseres Lebens. Auch wir kennen Momente der Aufbruchstimmung, in denen wir uns freuen über das, was vor uns liegt“, sagte Klockenhoff. Über 150 neue Schüler in sechs fünften Klassen seien kürzlich an der Bertha aufgenommen worden. Und auch die Zehntklässler seien in Aufbruchstimmung. Gewundert hätten sich die Schüler beim Erarbeiten der Texte, dass das Dach der Laubhütte nicht ganz geschlossen sei.

Begleitendes Projekt an der Suttner-Schule

Ein Dach über dem Kopf zu haben, sei das, was sich Menschen wünschten, um beschützt zu sein. Die Sukka sei ein Bild für den wandernden Menschen, umgeben von Gottes Schutz und Herrlichkeit. Die Schüler sprachen im Kontext des Schöpfungsgedankens auch die Bertha als Kultur- und Umweltschule an sowie das Projekt Umweltlernen. Das Projekt klärt über regionale, globale, ökologische und ökonomische Probleme und Perspektiven auf. Weitere Themen waren die nachhaltige Produktion von Kleidung und Umweltschutz.

Am Ende des Gottesdienstes erinnerte Heider-Geiß an den Vortrag von Pfarrer Heinz Daume, Evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Hanau. Er hatte bei einem Vortrag am Freitagabend im Evangelischen Gemeindehaus Windecken vom christlich-jüdischen Dialog gesprochen, der sich in den Kirchen entfaltet und dazu beigetragen habe, dass das Judentum in Deutschland fest in der demokratischen Gesellschaft verankert sei.

Wie Julia Huneke vom Kulturamt der Stadt erklärte, sind die Bürgerstiftung, die Kirche, die Schule, die Stadt und die Stolpersteinpaten an dem Projekt mit etwa 15 Veranstaltungen von August bis November beteiligt. Die Schüler bieten zudem in der Bertha eine Veranstaltung und Ausstellung an. Letztere wird auch in der Kultur- und Sporthalle Heldenbergen gezeigt. (Von Georgia Lori)

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