Nistkästen gestohlen

Nidderau: Windecker Vogelschützer haben mit Widrigkeiten zu kämpfen

Sicherer Brut- und Schlafplatz: Vogelschützer Gotthard Heuritsch aus Windecken überprüft einen Nistkasten.
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Sicherer Brut- und Schlafplatz: Vogelschützer Gotthard Heuritsch aus Windecken überprüft einen Nistkasten.

Gotthard Heuritsch schüttelt den Kopf: „Was haben die Leute davon, wenn sie unsere Nistkästen abhängen?“ Dies fragt sich nicht allein der stellvertretende Vorsitzende der NABU- Vogelschutzgruppe in Windecken, sondern auch seine derzeit fünf aktiven Mitstreiter, die im Wald in Windecken und Heldenbergen regelmäßig auf Kontrollgang sind.

Nidderau – „Im vergangenen halben Jahr sind über zehn Nistkästen verschwunden, einfach abgehängt und mitgenommen“, berichtet Heuritsch dem HANAUER. Allein in den vergangenen 14 Tagen wären es sechs Kästen gewesen, die gestohlen worden seien. „Ein solcher Nistkasten kostet unsere Gruppe 32 Euro Anschaffungspreis. Von den vielen Stunden, die wir bei der Kontrolle der Kästen und der Pflege oder Instandsetzung von durch Sturm oder Fällarbeiten beschädigte Nistkästen verbringen, will ich gar nicht reden“, so der Vogelschützer.

Offensichtlich ist den Missetätern nicht bewusst, dass die Kästen von den Vögeln nicht nur zum Nisten in der gerade begonnenen Brut- und Setzzeit genutzt werden, sondern auch als sichere Schlafplätze. „Denn in den Wäldern gibt es als Fressfeinde viele Waschbären“, beklagt Heuritsch.

Bislang keine Anzeichen für Meisensterben oder Vogelgrippe

Kohlmeisen und andere kleine Singvögel nutzen Nistkästen nicht nur als Brutplatz, sondern auch als sicheren Schlafplatz.

Vor allem Blau- und Kohlmeisen, Kleiber und Fliegenschnäpper nutzten die Nistkästen regelmäßig, haben die NABU-Mitglieder bei ihren Rundgängen festgestellt. Immerhin: Von einem andernorts festgestellten Meisensterben sei Nidderau bislang genauso verschont geblieben wie von der Vogelgrippe, die im Winterhalbjahr häufig von Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werde. Erst Mitte März war im Landkreis Kassel die Stallpflicht in der Geflügelhaltung ausgeweitet worden.

Kampf gegen das Meisensterben 

Im Frühling 2020 wurden in Deutschland auffallend viele Blaumeisen aber auch andere kleine Singvögel beobachtet, die krank wirkten und kurz darauf starben. Wie Laboruntersuchungen inzwischen bestätigen, ist das Bakterium Suttonella ornithocola verantwortlich. Um die Ausbreitung der Krankheit und seine Auswirkungen auf Vögel zu erfassen und zu bewerten, bittet der NABU um die Meldung kranker oder toter Blaumeisen und das Einsenden von Proben zur Untersuchung. Es liegt nahe, dass die Krankheit besonders dort übertragen wird, wo viele Vögel aufeinandertreffen, worauf der übliche Fundort in der Nähe von Vogelfütterungen hinweist. Daher rät der NABU grundsätzlich dazu, bei Beobachtungen von mehr als einem kranken Vogel an Fütterungen, diese Fütterung und die Bereitstellung von Tränken sofort einzustellen.

» nabu.de

Den Aktiven der NABU-Vogelschutzgruppe Windecken machen aber nicht nur die gestohlenen Nistkästen Sorge, es hapert auch an allen Ecken und Enden an Nachwuchs. Vor exakt einem Jahr hatten sich deshalb die Vogelschützer aus Windecken mit ihren Kollegen aus Eichen zusammengesetzt und eine Kooperation beschlossen. So wollten sie den Windecker Waldlehrpfad und den geplanten Naturlehrpfad in den Eicher Nidderauen vernetzen und auch gemeinsam am Festumzug zum 50-jährigen Bestehen der Stadt Nidderau teilnehmen. Doch Corona durchkreuzte die Pläne.

Nachwuchs ist willkommen

„Wir haben zwar etwa 200 zahlende Mitglieder, aber davon sind derzeit gerade einmal sechs aktiv“, klagt Heuritsch. Und das Durchschnittsalter seiner Mitstreiter beruhigt den rührigen Vogelschützer auch nicht: „Es wäre schön, wenn Jugendliche, die sich bei Fridays for Future für das Klima einsetzen, sich auch ganz konkret bei der Tierschutzarbeit vor Ort engagieren würden“, appelliert er. Thomas Seifert

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