Friedhofsbegehung

Nidderau: Zustand von Gräbern bietet vielfältigen Diskussionsstoff bei Rundgang

Der Bewuchs einiger Gräber sorgte für rege Diskussionen zwischen den Teilnehmern der Friedhofsbegehung und Bürgermeister Andreas Bär (SPD, Zweiter von rechts).
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Der Bewuchs einiger Gräber sorgte für rege Diskussionen zwischen den Teilnehmern der Friedhofsbegehung und Bürgermeister Andreas Bär (SPD, Zweiter von rechts).

Die Friedhofslandschaft ändert sich, und deshalb müssen die Kommunen nach Lösungen suchen, die dem gerecht werden. Nidderau hat in jedem seiner fünf Stadtteile einen Friedhof, außerdem noch zwei jüdische Friedhöfe in den Stadtteilen Heldenbergen und Windecken. Darüber hinaus bietet Nidderau seit 2015 die Möglichkeit der Urnenbeisetzung im Bestattungswald nahe Eichen an.

Nidderau – Weil alle Friedhöfe von städtischen Mitarbeitern gepflegt und instandgehalten werden, wollte sich Bürgermeister Andreas Bär (SPD) nach seinem Amtsantritt auch schnellstmöglich über den Zustand der Ruhestätten informieren. Zu einer ersten Begehung mit interessierten Bürgern hatte er kürzlich auf die Friedhöfe Heldenbergen, Windecken und in den Bestattungswald Eichen geladen.

Übergreifendes Thema ist die Pflege. Immer mehr Gräber verwahrlosen – entweder weil es keine Angehörigen mehr gibt, die sich um das jeweilige Grab kümmern. Oder sie zu weit wegwohnen und den Weg zum Grab nur noch selten finden. Oder weil sie einfach kein Interesse mehr an der Grabstätte haben.

Beschwerden wegen ungepflegter Grabstätten

Immer wieder komme es zu Beschwerden, wie die städtische Friedhofsverwalterin Regina Wilke beim Rundgang berichtete. Und das, obwohl inzwischen immer mehr Menschen auf die pflegeleichten Varianten wie Urnengrab, Rasengrab oder anonyme Bestattung zurückgreifen.

Dabei fällt das Urteil darüber, was naturnah und was ungepflegt ist, durchaus unterschiedlich aus, wie Bürgermeister Bär gleich zu Beginn seines Rundgangs erfuhr. Das Stadtoberhaupt musste immer wieder vermittelnd in die Diskussion von Bürgern eingreifen und wenn möglich auch gleich Lösungen anbieten. „Gepflegt oder ungepflegt ist in den meisten Fällen sehr subjektiv. Deshalb sollte man auf keinen Fall ohne weiteres an einem fremden Grab Hand anlegen“, empfahl Bär.

Im Einzelfall könne da eine Patenschaft für fremde Gräber die Lösung sein oder ein Hinweis an die Mitarbeiterin im Rathaus. Dieser Tipp des Bürgermeisters löste sogleich die nächste Diskussion aus über die Frage, ob Friedhöfe eher naturnah oder parkähnlich gepflegt werden sollten. Bär regte an, das Thema im Ausschuss Stadtentwicklung zu behandeln und ein Konzept zu erstellen.

Zu wenige Parkplätze in Heldenbergen

Ein weiterer Punkt war das Parkplatzproblem im Bereich des Heldenberger Friedhofs. Davor gibt es nur wenige öffentliche Stellplätze, die zumeist von Anwohnern belegt sind. Hinter dem Friedhof gibt es noch einmal fünf Abstellmöglichkeiten für Fahrzeuge und Platz für weitere. Bär sagte eine Prüfung der Errichtung zusätzlicher Parkplätze zu. Demnächst fertigstellt werden soll auch die Gedenkstätte für sogenannte Sternenkinder (Fehl- oder Totgeburten). Sitzbänke sollen aufgestellt und der Himmels-Briefkasten von Kindern bemalt werden.

Auch auf dem Windecker Friedhof hatte sich zum Rundgang eine größere Gruppe von Bürgern eingefunden. Erstes Thema war die Schautafel am Eingang, die an die inzwischen abgerissene Friedhofsmauer erinnern soll, die mit ihren biblischen Motiven künstlerisch gestaltet war. „Die sieht aus wie eine Werbetafel für ein China-Restaurant. Das kann man da doch nicht stehen lassen“, empörte sich eine Bürgerin und erhielt dafür sofort Zustimmung, aber auch Widerworte.

Wege zwischen Urnenfeldern zu schmal für Rollatoren

Hier kommt kein Rollator durch: Vor allem auf Urnengrabfeldern sind die Wege oft sehr eng.

Einig war man sich dann aber wieder über die unzureichende Pflege, beispielsweise bei den Kindergräbern, oder die viel zu engen Wege zwischen den Urnengräbern. „Mit einem Rollator kommt man da nicht durch“, so die allgemeine Meinung.

Für die bestehenden Gräber werde es wohl keine Änderung mehr geben. Aber für die Zukunft versprach Bär Abhilfe. Mehr Pflege soll auch das Ehrenmal für gefallene Soldaten aus den Weltkriegen auf dem Friedhof erhalten. Dafür müsse allerdings erst ein neues Dampfstrahlgerät angeschafft werden.

Beim letzten Haltepunkt am Bestattungswald in Eichen hatte sich nur eine Bürgerin eingefunden, die die vielen unzulässigen Grabbeilagen bemängelte. „Der Bestattungswald soll ja gerade wie ein Wald aussehen und nicht wie ein Friedhof.“ Aber auch da versprach Bär nicht nur umgehend Hilfe, sondern räumte sogleich auch einige Plastikblumen ab, die an die Bäume zum Gedenken gelegt worden waren – was die Friedhofsordnung in diesem Fall allerdings eindeutig untersagt. Jürgen W. Niehoff

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