Nidderau

Nidderauer Feuerwehr wählt neuen Stadtbrandinspektor

Neue Führung für Nidderaus Brandschützer: Kreisbrandinspektor Markus Busanni (von links), Landrat Stolz, Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Vertrauensfrau und Gleichstellungsbeauftragte Ann-Sophie Jüngling, Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach, STBI Christopher Leidner, sein Stellvertreter Markus Müller, Stadtjugendwart Nils Kopmann, sein Vorgänger Thilo Birnbaum (Vierter von rechts), der scheidende stellvertretende STBI Torsten Hild und der scheidende STBI Volker Reis (rechts). Foto: Rainer Habermann.

Nidderau. Eines war klar: Volker Reis tritt als Stadtbrandinspektor (SBI) nicht mehr an, zugleich die gesamte Spitze der Nidderauer Freiwilligen Feuerwehr, und dies nach nur einer Wahlperiode.

Von Rainer Habermann

Zu den Gründen sagte Reis am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung in der Erbstädter Mehrzweckhalle, sein Verzicht stehe auch im Zusammenhang mit den Querelen um die Wehr in Eichen.

Reis sprach davon, dass in Bezug auf die Vorgänge in dem Stadtteil „Dinge passiert sind, die nicht hätten passieren dürfen“. Dass „ein Politikum daraus geworden“ und „Anwälte im Spiel“ gewesen seien, was er bedaure. Dabei machte er seinem Frust vor über 120 Feuerwehrkameradinnen und Kameraden aus allen fünf Stadtteilen auch Richtung Presse Luft: „Ich bin kurz von einem Redakteur angerufen worden, dann wurde wieder aufgelegt, und dann kam ein nicht zutreffender Artikel.“

Christopher Leidner als Nachfolger

Wie Reis am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung betonte, hatte es sich dabei nicht um unsere Zeitung gehandelt. Zudem sei am Freitag wohl etwas zu kurz gekommen, dass er sich auch deshalb nicht noch einmal zur Wiederwahl gestellt hatte, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er scheide aber im Guten, betonte Reis. Er habe im Anschluss an die Versammlung am Freitag noch „konstruktive Gespräche“ geführt.

Reis' Nachfolger heißt Christopher Leidner, ist 35 Jahre alt, von Beruf Polizeibeamter im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen mit dem Schwerpunkt Soziale Medien sowie Sicherheit und Ordnung, und ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Nidderauer CDU. Er wurde von der Versammlung mit 103 Ja-Stimmen bei vier Nein-Voten und 13 Enthaltungen ins Spitzenamt der Nidder‧auer Freiwilligen Feuerwehr gewählt.

Geheime Wahl des SBI und seines Stellvertreters

Die Vereidigung zum Ehrenbeamten auf Zeit durch Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) ist für diesen Donnerstag vorgesehen. Leidner führt die Wehr künftig zusammen mit seinem Stellvertreter Markus Müller (112 Ja, sechs Nein, eine Enthaltung), dem neuen Stadtjugendwart Nils Kopmann (zwei Enthaltungen, ansonsten einstimmig), dessen Stellvertreter Oliver Stark (eine Enthaltung, ansonsten einstimmig) sowie der Vertrauensfrau der weiblichen Feuerwehrangehörigen und Gleichstellungsbeauftragten Ann-Sophie Jüngling (zwei Enthaltungen, ansonsten einstimmig).

Die Wahlen des SBI und seines Stellvertreters erfolgten in geheimer Abstimmung mit „Ja-Nein-Kreuzchen-Zetteln“ und Wahlurnen, die übrigen per Akklamation. Alle Kandidaten für die Jobs waren vor der Wahl als jeweils einzige Wahlvorschläge aus der Versammlung heraus aufgerufen worden. Sie hatten also jeweils auch keine Gegenkandidaten. In den Wahlvorstand waren zuvor Bürgermeister Schultheiß, Kreisbrandinspektor Markus Busanni und Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach gewählt worden.

200 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Nidderau

Die nicht mehr angetretene Spitze der Nidderauer Feuerwehr wurde von Schultheiß mit einem üppigen „Fresskorb“ verabschiedet und dem Dank der Stadt und des Magistrats für die fünfjährige Arbeit. Ansonsten hielt sich das Stadtoberhaupt mit jeglichen Kommentaren zurück. Auch Landrat Thorsten Stolz (SPD), der einige Sätze zur Entwicklung des Main-Kinzig-Kreises als Grußwort zum Besten gab, nahm zu den Ereignissen bei der Feuerwehr in Nidderau keine Stellung.

Er merkte an, dass ihm „290 Einsatzberichte mit mindestens 100 Brandeinsätzen“ für das Vorjahr vorliegen würden. Des weiteren konnte man seinen Ausführungen entnehmen, dass es in der 20 000-Einwohner-Stadt knapp 200 Kräfte in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr gibt.

Entschuldigung des Bürgermeisters

Auch im Stadtteil Eichen könnte es kurzfristig wieder bergauf gehen, wie Schultheiß am Rande mitteilte. Die Untersuchungen des Baugrundes am Standort des Feuerwehrhauses hätten „den erwarteten Rücklauf“, und es „bestünde Hoffnung, dass ein Abriss und Neubau“ bald realistisch würde.

Wie allerdings aus einem aktuellen Aktenvermerk der Verwaltung zu dem Thema im Ratsinformationssystem der Stadt hervorgeht, kann sich die Bodensanierung auf dem Gelände noch einige Zeit hinziehen. Zunächst sei ein Sanierungskonzept zu erarbeiten, das den Untersuchungsaufwand und die mögliche Beseitigung des Schadens durch LHKW (leichtflüchtige haloginierte Kohlenwasserstoffe) aus der Nutzung der früher dort ansässigen Firma Seeger undamp; Orbis thematisiere. Der Bürgermeister entschuldigte sich am Freitag ganz formell für die Probleme.

Feuerwehr Eichen hofft auf einen NeuanfangDas Vertrauen zwischen Magistrat und Stadtbrandinspektor Volker Reis auf der einen Seite und der Eicher Wehr auf der anderen Seite war zuletzt zerstört. Grund waren zum einen ein Streit um die Ausstattung der Wehr, zum anderen um die Dokumentation von Ausbildungszeiten der Mitglieder der Einsatzabteilung. Auch die jahrelange Hängepartie um den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses und die davon abhängige Beschaffung eines neuen Löschfahrzeuges belasteten das Verhältnis. Der Konflikt eskalierte derart, dass die Eicher Wehr im Sommer 2018 in einem Schreiben an Stadtverordnetenvorsteher Gunther Reibert (SPD) erklärte, sie würde Stadtbrandinspektor Reis ihr Vertrauen entziehen. Gegen den inzwischen vom Magistrat abgesetzten Wehrführer Jens Racky war bereits zuvor ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Die Stelle des Eicher Wehrführers ist derzeit vakant und soll nach Auskunft des Vorsitzenden des Feuerwehrvereins Thomas Maxheim zur Jahreshauptversammlung der Eicher Wehr am 28. Februar neu besetzt werden. Am Freitag wurde das Thema offiziell nicht angesprochen. „Mit der Wahl der neuen Stadtbrandinspektion am Freitagabend sind wir guter Hoffnung, dass es auch für die Wehr in Eichen bald wieder vorwärts geht“, sagte Maxheim am Montag auf Anfrage unserer Zeitung. jow

Quelle: Hanauer Anzeiger

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