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Nidderauer Imker hilf Flutopfern

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Bereit für den Abtransport: Rainer Schlegel aus Eichen gibt sein Hobby auf und spendet seine Utensilien an Imker, die durch das Hochwasser in Westdeutschland alles verloren haben.
Bereit für den Abtransport: Rainer Schlegel aus Eichen gibt sein Hobby auf und spendet seine Utensilien an Imker, die durch das Hochwasser in Westdeutschland alles verloren haben. © Thomas Seifert

Eine ungewöhnliche Fracht hatten dieser Tage Rainer Schlegel und Günter Knäfel in einem Transporter verstaut, mit dem sie sich nun auf den Weg nach Wachtberg-Fritzdorf in Nordrhein-Westfalen machten.

Nidderau – Auf der Ladefläche befanden sich eine ganze Reihe von Utensilien und Gerätschaften, die für den Imkerkollegen Josef Pichartz bestimmt sind, der bei der Flutkatastrophe im Ahrtal hart getroffen wurde. Rainer Schlegel betreibt seit 16 Jahren sein Hobby Imkerei. Der Eicher Hausarzt Dr. Hartwig Schumann, selbst Bienenzüchter und Obstbauer, hatte ihm bei einem Treffen eine Broschüre mit dem Titel „Einfach imkern“ in die Hand gedrückt und ihn ermuntert, die Bienenzucht selbst einmal auszuprobieren. Schlegel hatte schnell Feuer gefangen und es im Laufe der Zeit auf bis zu 15 Völker gebracht.

Bienenstöcke zu schwer geworden

Da ihm aber mit zunehmendem Alter das Heben der Bienenstöcke immer schwerer fiel, beschloss er, dieses sehr zeitaufwändige Hobby an den Nagel zu hängen. Als die Imker-Fachzeitschrift in einem reich bebilderten Artikel von den herben Verlusten der Kollegen aus dem Ahrtal berichtete, stand für Rainer Schlegel fest, dass er helfen wollte.

Über den Imkerverband Rheinland bekam er als Kontakt Josef Pichartz genannt. Der hatte immerhin Glück im Unglück gehabt, denn er konnte wenigstens seine Bienenvölker vor der Flut in Sicherheit bringen. Aber sämtliche Gerätschaften, die zum Imkern gehören, hatte das Wasser unbrauchbar gemacht. Und da wollte der Nidderauer in die Bresche springen.

Von der Not der Kollegen im Ahrtal hat Rainer Schlegel in einer Fachzeitschrift gelesen und beschlossen, mit Völkern und Gerätschaften zu helfen.
Von der Not der Kollegen im Ahrtal hat Rainer Schlegel in einer Fachzeitschrift gelesen und beschlossen, mit Völkern und Gerätschaften zu helfen. © Thomas Seifert

Von seinen acht Bienenvölkern, die Schlegel noch besitzt, gehen sechs an einen Eicher Jungimker, zwei werden im Frühjahr noch ins Ahrtal gebracht. Den Großteil seiner Gerätschaften aber sollte der hart getroffene Kollege bekommen. Neben Bienenkästen sind das unter anderem Rahmen für die Wachswaben, in denen die Bienen den Honig lagern, aber auch Entdeckelungsgeschirr, Absperrgitter für die Königin, ein Wachsschmelzgerät, ein Stromaggregat und Futter für die Tiere.

Viele Arbeitsschritte notwendig

„Für die Honiggewinnung sind viele Arbeitsschritte notwendig, und dafür braucht man spezielles Gerät“, betont Schlegel. „Da ich mich entschlossen habe, die Imkerei an den Nagel zu hängen, kann ich nun einem in Not geratenen Kollegen helfen.“

Und da traf es sich gut, dass sein Freund Günter Knäfel einen Kastenwagen besitzt und sich sofort bereit erklärte, die Gerätschaften und das Material nach NRW zu bringen. Gemeinsam verluden die beiden Männer das Material und machten sich auf den Weg in das gut 200 Kilometer entfernte Wachtberg-Fritzdorf, wo die Gerätschaften zunächst zwischengelagert werden, bis der endgültige Empfänger seine Räumlichkeiten für die Imkerei wieder so hergerichtet hat, dass er das gespendete Material dort abholen kann.

„Die Imkerei hat mir in all den Jahren viel Spaß gemacht. Auch der Austausch mit den Kollegen vom Imkerverein Nidderau-Schöneck war immer sehr hilfreich. Aber wenn es zu beschwerlich wird, muss man auch loslassen können. Es freut mich aber, dass ich mit meinen Völkern und den Gerätschaften einerseits einem in Not geraten Imker im Ahrtal helfen und anderseits einem Jungkollegen beim Aufbau der eigenen Zucht unterstützen kann“, stellt Rainer Schlegel fest. (Von Thomas Seifert)

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