Der Schöpfer der Eintracht-Hymne aus Nidderau

Patrick Bohlender aus Ostheim ist leidenschaftlicher Fußballfan und Musiker

Hat schon als Teenager eigene Musikstücke geschrieben: Patrick Bohlender, der das Eintracht-Lied „Zwölfter Mann“ komponiert hat.
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Hat schon als Teenager eigene Musikstücke geschrieben: Patrick Bohlender, der das Eintracht-Lied „Zwölfter Mann“ komponiert hat.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt“, lautet eine Lebensweisheit von Forrest Gumps Mutter. Für Patrick Bohlender enthält die Schachtel Töne und Melodien in allen Klangfarben. Inspirationen und Ideen setzt der Komponist, Songwriter und Produzent, der in Ostheim lebt, sogleich am Klavier in Musik um.

Nidderau - Patrick Bohlender ist Fußballfans vor allem durch das Eintracht-Fan-Lied „Zwölfter Mann“ ein Begriff. Text und Musik schrieb er 2014. Inzwischen ist der Rocksong zur Fan-Hymne avanciert. Von klein auf spielte der gebürtige Hanauer, der in Heldenbergen aufwuchs, lieber eigene Stücke anstatt andere Komponisten zu interpretieren. Mit Noten konnte er sich lange nicht anfreunden. Was seinen Start in die Welt der Musik erschwerte. „Eine Musikschule hat mich als Kind mit der Begründung, ich sei unmusikalisch, rausgeworfen“, berichtet der 38-Jährige schmunzelnd.

Talent in der Musikschule entdeckt

Und so brachte er sich selbst Keyboardspielen bei, indem er versuchte, bekannte Melodien aus dem Radio wie „The Final Countdown“ nachzuspielen. Schließlich erkannte eine Musiklehrerin der Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden, dass der Junge Talent hat, aber nicht gern nach Noten spielt und somit im klassischen Fach nicht in der richtigen Abteilung war. Sie empfahl ihren Schüler mit Erfolg an einen Kollegen aus dem Bereich Rock, Pop, Jazz weiter. Das Talent des jungen Musikers erkannte auch Herbert Helfrich, sein Musiklehrer am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) in Bad Vilbel, als er ihn Klavierspielen hörte.

Erste Publikum vor Lebensmittelmarkt

Seinen ersten Auftritt vor Publikum hatte Patrick Bohlender trotz aller Hürden bereits als Achtjähriger vor einem Lebensmittelmarkt in Heldenbergen. „Ich hatte am Ende des Tages meinen Hut voller Münzen und Scheine, dank bekannter Beatles-Songs und meinen ersten Eigenkompositionen.“ Als Jugendlicher schlug sein musikalisches Herz für Trap Music. Er trat als Solokünstler und mit anderen Musikern zusammen auf. „Nach dieser Phase habe ich mich wieder ans Klavier gesetzt und konnte dank Hip-Hop plötzlich Balladen schreiben.“ Nach dem Abitur am GBG machte er Ausbildungen zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen und seinen Bankfachwirt. „Parallel dazu habe ich am Wochenende Musik gemacht. Samstagnachts bin ich mit einer Partyband aufgetreten und Sonntagmorgens habe ich in Nidderauer oder Schönecker Kirchen Orgel gespielt.“ Inzwischen ist Bohlender, der mit seiner Familie seit 14 Jahren in Ostheim lebt, als Komponist, Songwriter und Produzent tätig, hat bereits zwei Alben veröffentlicht. Mit Noten hat er sich dank seiner Ehefrau Kristina auch angefreundet. „Ich habe sie bei ihren Auftritten als Sängerin bei ihrem Chanson- oder Klassikrepertoire begleitet. Dadurch lernte ich nicht nur perfekt Noten lesen, sondern auch mit einem Instrument orchestral zu spielen.“ Als 15-jähriger Teenager schrieb Patrick Bohlender eine Melodie über ein Gemälde von David Caspar Friedrich, die er als 30-Jähriger wieder aufgriff. Das Hauptthema floss in seine spätromantische Komposition „Nebelwald“ ein.

Melodien und Akkorde für Rapper

Treibstoff für seine Kreativität ist der Wunsch: „Die Welt mit meiner Musik zu bereichern“ und „ein Erbe zu hinterlassen“. Auf einen Musikstil begrenzen lassen möchte er sich nicht. Sein Oeuvre umfasst Rhythm and Blues, Hip-Hop und Trap Music, Rock, Klassik, Jazz und Filmmusik. „An Filmmusik liebe ich die Verbindung von klassischen mit modernen Elementen.“ Im Frankfurter Abbey Road Institute, einer Bildungsinitiative der Abbey Road Studios in London, und anderen Studios im Frankfurter Ostend spielt er als Studiomusiker Melodien und Akkorde für Rapper ein.

Filmmusik ist seine Leidenschaft

Zudem ist er Produzent von einigen Rappern wie Janina Jackson, mit der er unter anderem das Musikvideo in Karben bei der Gärtnerei Decher drehte. Für die Hanauer Sängerin Sarah Gravino ist er als Songwriter und Produzent tätig. Für sie schrieb er unter anderen das Liebeslied „Wahrheit“. In der Friedberger Burgkirche spielte er mit Steffen Wagener „Padre nostro“ ein und drehte das Musikvideo dazu. Bei einem Urlaub im Schwarzwald wurde er zur Komposition seines „Nachtwalzers“ inspiriert und in Montenegro nahm er ein Video mit einem Künstler auf. Seine Musik wird inzwischen in der ganzen Welt gehört. Dadurch sind viele Kontakte zu anderen Künstlern wie dem Maler und Direktor des „The Andrews Art Museum“ in den USA, Tom Vogler, entstanden. Bohlender komponiert gemeinsam mit Lars Nieminen die Filmmusik des ersten OME-Spielfilms „RUN“. Die Titelmelodie „Schattensong“ schrieb er allein. Die Filmmusik besteht aus zwei von Kristina Bohlender gesungen Liedern sowie aus 18 Instrumentalstücken. Die talentierten Musiker teilen sich die Arbeit auf: „Ich komponiere am Klavier die Melodien und Multi-Instrumentalist Lars kümmert sich vor allem um die Soundbearbeitung.“ Filmmusik zu komponieren, gehört mit zu den Lieblingsaufträgen von Patrick Bohlender. (Von Christine Fauerbach)

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