1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis
  4. Nidderau

"Notmeerschweinchen Nidderau": Schon 180 Tiere vermittelt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Für Christine Preis sind die Meerschweinchen viel mehr als nur ein Hobby. Ihr Mann Gregor hat längst auch Gefallen an den wuscheligen Gesellen gefunden. Foto: Backhaus
Für Christine Preis sind die Meerschweinchen viel mehr als nur ein Hobby. Ihr Mann Gregor hat längst auch Gefallen an den wuscheligen Gesellen gefunden. Foto: Backhaus

Nidderau. Christine Preis leitet die vor fast einem Jahr gegründete tierheimähnliche Einrichtung „Notmeerscheweinchen Nidderau“ und kümmert sich um die in Not geratenen Tiere. Bisher läuft es gut für die 38-Jährige, die Platz für bis zu 60 Nagetiere hat und bereits 180 Meerschweinchen vermitteln konnte.

Von Yvonne Backhaus-ArnoldChristine Preis ist aufs Schwein gekommen, besser gesagt aufs Schweinchen. 2009 wurde sie „infiziert“, wie sie selbst sagt, vom „Meerschweinchenvirus“. Onno, Frieda und Nele hießen die ersten drei Tiere, die sie sich gekauft hat.

Vor fast einem Jahr hat die 38-Jährige die „Notmeerschweinchen Nidderau“ aus der Taufe gehoben. Die vom Veterinäramt geprüfte tierheimähnliche Einrichtung kümmert sich um in Not geratene Meerschweinchen, die aus den verschiedensten Gründen abgegeben wurden.Einrichtung bietet Platz für bis zu 60 Tiere„Kommen Sie rein“, sagen Christine Preis und ihr Mann Gregor. Die beiden sind im Juni 2013 von Frankfurt nach Heldenbergen gezogen. Im März haben sie sich ein Haus in Windecken gekauft. „Das alte Haus hatte ein Zimmer zu wenig. Das hier ist perfekt“, sagt Gregor Preis, der im Sozialamt der Stadt Frankfurt arbeitet.

Drei Räume stehen den Meerschweinchen jetzt zur Verfügung, bis zu 60 Tiere finden in den Käfigen Platz – alte und kranke, trächtige und erblindete. Und sie alle bekommen einen Namen.Meerschweinchen als neue Aufgabe „Die private Notstation ist mein Baby“, erklärt die 38-Jährige. Sie ist stolz auf das, was sie geschaffen hat und das viel mehr ist als nur ein Hobby. Es ist ein Vollzeitjob, es ist „ihre“ Aufgabe. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte kam mit einem Gen-Defekt zur Welt. 2005/2006 musste sie sich innerhalb von zwölf Monaten neun Kopf-Operationen unterziehen. Vor sechs Jahren wurde Christine Preis für berufsunfähig erklärt.

Jetzt sind die Meerschweinchen ihr Leben. Vor dem Umzug nach Nidderau engagierte sich das Paar bereits im Verein „Meerschweinchen in Not“ in Frankfurt. Jetzt machen sie ihr eigenes Ding, mit hohen Ansprüchen an sich selbst. „Wir nehmen auf, vermitteln, pflegen und beraten“, erklärt Preis. Und zu beraten gibt es jede Menge. „Viele halten Meerschweinchen für Kuscheltiere. Andere haben nur eines, obwohl die Tiere mindestens zu zweit gehalten werden müssen“, erklärt die Expertin.180 Nager wurden bereits vermitteltIm ersten Jahr hat das Paar 240 Meerschweinchen aufgenommen, ausgesetzte Tiere, die Spaziergänger gefunden oder Tierzentren weitervermittelt hatten. Auch das Tierrefugium und das Tierheim Hanau verweisen Menschen, die die Tiere abgegeben wollen, weil sie keine Zeit mehr oder eine Allergie entwickelt haben, an die „Notmeerschweinchen Nidderau“. 180 der 240 Nager konnten vermittelt werden, 16 sind gestorben.

Wer sich Meerschweinchen anschaffen möchte, zahlt 30 Euro für ein Weibchen und 40 Euro für ein kastriertes Männchen. Verkaufen, den Begriff mögen Christine Preis und ihr Mann nicht. Sie sprechen von einer „Schutzgebühr“ und einem „Schutzvertrag“, den die neuen Besitzer unterzeichnen müssen. Zudem wird das künftige Zuhause der Meerschweinchen einer Vorkontrolle unterzogen. „Wir vermitteln beispielsweise nur in 1,40 Meter große Käfige“, erklärt die 38-Jährige.Übernahme von Patenschaften ab fünf Euro im Monat möglichWer keine Tiere aufnehmen möchte, kann ab fünf Euro im Monat eine Patenschaft (mit Besuchserlaubnis) für eines der Glücksschweinchen (so heißen die Tiere, die bis zu ihrem Tod hier bleiben) übernehmen – für Jupp, Chip, Fine oder Kimi, ein schwarz-weißes Rosetten-Meerschweinchen mit Punker-Frisur. Sie alle verbringen hier ihren Lebensabend, werden gepflegt und gehegt.

Apropos Pflege und Geld: 5000 Euro Startkapital hat Christine Preis privat investiert. Tierarzt-Kosten, 11 000 Euro waren es in den vergangenen zwölf Monaten, Einstreu und Heu werden über das eigens eingerichtete Notmeerschweinchen-Konto gedeckt, das tägliche frische Gemüse und den Abfall zahlt das Paar aus der privaten Kasse. Mittlerweile gehen immer wieder auch Spenden ein.Tiere beobachten statt Fernsehen schauen„In der Garage, da, wo andere Leute ihr Auto parken, lagern wir Heu (200 Kilo, Anm.d.Red.) und Einstreu“, berichtet Gregor Preis und lacht. Auch er hat längst sein Herz für die wuscheligen Wesen geöffnet, obwohl er und seine Frau schon seit zwei Jahren keinen Urlaub mehr gemacht haben. „Wenn sie hier sitzen und die Tiere beobachten, brauchen sie keinen Fernseher mehr. Das ist einfach toll.“

Und auch Hund Leslie hat sich längst an die Mitbewohner gewöhnt. Sein Lieblingsplatz ist auf dem Kissen direkt unter einem der Käfige. Angefangen hat übrigens alles mit Luttger und Heinrich. Beide heißen nach dem Mann, der die Meerschweinchen vor eineinhalb Jahren im Wald gefunden und zu Christine Preis gebracht hat. Die hatte die Notmeerschweinchen Nidderau zwar noch nicht geöffnet, aber bereits den festen Plan, dies zu tun. „Heinrich habe ich mittlerweile zu einer Familie nach Mainz vermittelt, Luttger ist immer noch hier.“Live-Fütterung zum AbschiedZum Abschied gibt es noch eine Live-Fütterung mit frisch aufgeschnittener Gurke. Es quietscht und schabt. Es wird geknabbert und geknuspert. Einfach tierisch was los hier.

Kontakt: Christine Preis, Notmeerschweinchen Nidderau, Telefonnummer 0 61 87/ 4 19 17 47, E-Mail: info@notmeerschweinchen-nidderau.de, Internet: www.notmeerschweinchen-nidderau.de

Auch interessant

Kommentare