Nidderau

Ostheimer Schützen bangen um Existenz

Das aktuelle Führungstrio Uwe Reichhold, Ulrich Baumann und Mario Schwenk (von links) muss in zwei Jahren ersetzt werden. Bislang sind noch keine Nachfolger in Sicht, dem Verein droht die Auflösung. Foto: Thomas Seifert

Nidderau. Noch gibt es einen funktionierenden Vorstand beim Schützenverein Ost‧heim. Doch die jetzigen Verantwortlichen an der Vereinsspitze fürchten, dass nach ihrem Rückzug in zwei Jahren niemand der rund 120 Mitglieder Verantwortung übernehmen will und die Existenz des 111 Jahre alten Vereins dann gefährdet ist.

Von Thomas Seifert

Der Schützenverein Ostheim war einst „eine gesellschaftlich und sportliche Größe im Ort“, erinnern sich der Vorsitzende Uwe Reichhold und Schriftführer Ulrich Baumann, beide seit über 40 Jahren Mitglieder. „Da es noch kein Bürgerhaus gab, war unser Vereinsheim in den 70er- und 80er-Jahren quasi der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Dort wurden legendäre Feiern auch anderer Ortsvereine abgehalten. Aber auch der Schützenverein selbst war sehr rührig mit Vereinsausflügen, Königsschießen, Ortsvereinsschießen mit bis zu 25 Mannschaften, Sommerfest oder Kinderfasching“, berichten die Vorstände.

Sportlich gingen Mannschaften mit diversen Waffen auf Kreis-, Bezirks- und Hessenebene erfolgreich an den Start. Mitte der 90er-Jahre scheiterte ein Team nur um Haaresbreite am Aufstieg in die Bundesliga. Neben den Disziplinen Luftpistole und Luftgewehr wurde auch mit Kleinkaliberwaffen geschossen, gab es Trapschützen, und für die Bogenschützen wurde ein Gelände bei den Tennisplätzen angelegt. Rund 50 Mitglieder waren aktive Schützen, und es existierte eine rührige Nachwuchsgruppe mit bis zu 20 Jugendlichen. Der Verein zählte damals rund 150 Mitglieder.

Aktive fehlen

Anfang des neuen Jahrtausends begann dann das Interesse am Schießsport stetig nachzulassen. „Wir hatten keine Übungsleiter mehr, die Jugendlichen blieben weg und die aktiven Schützen wurden immer älter und gaben nach und nach den Sport auf. Auch das berufliche Umfeld einiger Mitglieder hat sich so verändert, dass die Ausübung des Sports zeitlich nicht mehr möglich war.

Derzeit gibt es noch ein paar Trapschützen, wenige Bogenschützen, eine Vierer-Luftgewehrmannschaft und auch ein Kleinkaliberteam, das auf der Anlage drüben in Niederdorfelden schießt“, bilanziert Uwe Reichhold. „Wir haben im Vereinsheim eine komplette Luftgewehrschießanlage und weitere Einrichtungen. Die Voraussetzungen für Training und Wettkämpfe sind gut. Was uns fehlt, sind die Aktiven“, fügt Ulrich Baumann hinzu, der wegen seines beruflichen Engagements auch zu denjenigen zählt, die ihre Waffen an die Wand hängen mussten.

Pacht hilft

Das Vereinsheim „In den Borngärten“ hat in den Jahrzehnten seines Bestehens Um- und Anbauten erlebt und musste vor drei Jahren, nach dem zweiten Brand innerhalb kurzer Zeit, ein ganzes Jahr lang geschlossen bleiben, weil eine grundlegende Asbestsanierung notwendig geworden war. „Unser Treffpunkt ist damit weggefallen, das hat auch dazu beigetragen, dass es zum Beispiel den Stammtisch der passiven Mitglieder nicht mehr gibt“, fügt Mario Schwenk, stellvertretender Vorsitzender der Schützen, einen weiteren Grund hinzu, weshalb das Vereinsleben zum Großteil zum Erliegen gekommen ist.

Vor einem Jahr ist der Dart-Club „Dart Haie“ von Kilianstädten nach Ostheim umgezogen und hat im Gastraum des Vereinsheims eine neue Bleibe gefunden. „Die Pacht hilft uns enorm, die laufenden Kosten der Unterhaltung zu stemmen“, meinte Uwe Reichhold, der auf der Jahreshauptversammlung ebenso wie seine verbliebenen Vorstandskollegen seinen Rückzug im Jahr 2021 angekündigt hat. „Obwohl wir in einem Anschreiben zur Einladung die prekäre Situation explizit geschildert haben, waren schließlich lediglich 21 Mitglieder zu der Versammlung gekommen. Und keiner hat Bereitschaft gezeigt, sich in der Vereinsführung zu engagieren“, so Baumann.

Hoffnung auf Fortbestand

Horst Dillmann, Mitglied und Förderer des Schützenvereins, hatte bei der Versammlung den Vorschlag gemacht, die Problematik offensiv öffentlich zu machen, um zu verhindern, dass möglicherweise ein Ostheimer Traditionsverein aufgelöst werden muss, weil sich von den Mitgliedern – oder Externen – niemand bereit erklärt, sich als Vorstandsmitglied zur Wahl zu stellen. „Nun können wir nur abwarten, ob sich in den verbleibenden zwei Jahren Menschen finden, denen der Schützenverein am Herzen liegt und die sich dann engagieren“, hofft das Vorstandstrio auf ein Fortbestehen der Vereins.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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