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Radwegeplan wird zurückgedreht: Anwohner übergeben Petition

Sie wollen mitreden: Andreas Dietz (von links), A-Racine Schreiber, Ronald Holzwarth vom ADFC Nidderau-Schöneck, Harald Sellmann und die Initiatorin der Petition Ellen Hebel-Volpert haben ihre eigene Meinung zur Radwegeplanung.
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Sie wollen mitreden: Andreas Dietz (von links), A-Racine Schreiber, Ronald Holzwarth vom ADFC Nidderau-Schöneck, Harald Sellmann und die Initiatorin der Petition Ellen Hebel-Volpert haben ihre eigene Meinung zur Radwegeplanung.

Die Fortschreibung des Fahrradwegekonzeptes für die Ortsdurchfahrt Heldenbergen sorgt weiterhin für große Aufregung in Nidderau. Vor allem die Anwohner und Gewerbetreibenden sind nicht zufrieden mit den bislang vorgestellten Plänen des Darmstädter Ingenieurbüros „Var+“.

Nidderau – Dass ein Großteil der Bürger mit dem Radwegekonzept, vorangetrieben vor allem von Bündnis 90/Grüne, nicht zufrieden ist, demonstrierten Anwohner und Gewerbetreibende am Montagabend im Struktur- und Bauausschuss mit der Übergabe einer Petition mit über 400 Unterschriften. „Statt der Fahrradstreifen brauchen wir hier in Heldenbergen ausgewiesene Parkplätze“, stellte Andreas Dietz klar, der das Fitness-Center an der Friedberger Straße betreibt. Kaum jemand würde mit dem Fahrrad die Steigung hinauf zu den Einkaufsmärkten am Ende der Friedberger Straße fahren, so Dietz. Allenfalls nutzten die Radfahrer die flachere Saalburgstraße als Querverbindung.

„Nach meinen Beobachtungen haben die meisten Freizeit-Biker das Ziel Richtung Eichen und Altenstadt zum Vulkanradweg“, wie Dietz, der selbst passionierter Radsportler und Triathlet ist, nach der Ausschusssitzung im Gespräch mit weiteren Interessierten vor der Willi-Salzman-Halle erläuterte. Das Ziel müsse sein, die Ortsdurchfahrt als Durchgangsstraße unattraktiv zu machen. Dabei begrüßten die Anwohner ausdrücklich die Tempo-30-Einführung. Sie plädieren zudem für einen Rückbau der ehemaligen B45 und die Ausweisung zusätzlicher Parkplätze, wodurch sich auch der Verkehr beruhigen ließe.

„Bei einer Beerdigung zum Beispiel herrscht auf der Friedberger Straße grundsätzlich Parkplatznot“, beobachtet Dietz. „Da würde auf einen Fahrradstreifen sicher auch keine Rücksicht genommen. Wir denken, es ist mehr als überfällig, jetzt eine echte Diskussion zu führen über Sinn oder Unsinn des jetzigen Radwegekonzepts.“

Auch die FWG-Stadtverordnete Anette Abel bemängelte, dass bei der Planung Aspekte wie Nebenstraßen, Gewerbetreibende und Zielverkehr wohl keine Rolle gespielt haben dürften, „denn andernfalls hätte so eine Planung niemals ernsthaft diskutiert werden dürfen“. Weiterhin bemängelte die FWG-Stadtverordnete, dass ein Planungsauftrag bisher noch nicht hätte erteilt werden dürfen, da noch kein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vorläge.

Viele Radfahrer meiden die Steigung an der Friedberger Straße und nutzen die flache Saalburgstraße. Ab hier dürfen sie den Gehweg zum Gewerbegebiet befahren.

In diesem Punkt musste sogar der Ausschussvorsitzende Helmut Brück (SPD) einräumen, dass die Bearbeitung diese Vorlage bisher nicht gerade glücklich verlaufen sei, man sich jedoch jetzt auf dem richtigen Weg befinde. Demzufolge soll die Planung noch einmal komplett überdacht werden, und zwar unter Einbeziehung der Bürger, wie auch Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) in der Sitzung in Abwesenheit des Verkehrsdezernenten Rainer Vogel (Grüne) befürwortete. Auch eine Vorlage des Heldenbergener Wehrwehrführers Torsten Seifried, die dieser bereits im vergangenen Jahr präsentiert hatte, soll wieder auf den Tisch. Berücksichtigung sollen auch die Bedenken des Ortsbeirats finden, der vor der Wegnahme der Parkplätze zugunsten der Fahrradstreifen gewarnt hat, weil so eine Rennbahn entstehen würde und die Radfahrer noch mehr gefährdet seien. Nach einstündiger und sehr lebhafter Diskussion wurde schließlich und sogar einstimmig der Vorschlag des Bürgermeisters angenommen.

Eine deutliche Mehrheit fand auch anschließend der Antrag auf grundhafte Erneuerung und Umgestaltung des Windecker Marktplatzes. Seit vor einiger Zeit der Kanal unter dem Marktplatz saniert wurde, ist er nur provisorisch mit Holzstützen abgesichert. Weil dies keine Dauerlösung sein kann, müssen diese Stützen nun ausgetauscht beziehungsweise durch haltbareres Material ersetzt werden. Damit einhergehend wird der Platz grunderneuert. Auf SPD-Antrag soll dabei auch das Nutzungskonzept für den Marktplatz einfließen.

Überraschung löste bei einigen am Ende der Sitzung die Mitteilungen des Bürgermeisters aus, wonach die Planung für das Altenzentrum in Eichen noch gar nicht in Stein gemeißelt sei. Vielmehr überlege man, ob in das Altenzentrum nicht auch Räume für die Kita integriert werden können, die die Stadt dann anmieten würde.

Auch zu dem diskutierten Mischgebiet jenseits der B 521 in Eichen gibt es Neuigkeiten. So kündigte Schultheiß in der Sitzung die Präsentation der Pläne der Hessischen Baulandoffensive für spätestens November an. Diese soll Auskunft über die Machbarkeit eines Gewerbegebietes an dieser Stelle geben.

Von Jürgen W. Niehoff Und Jan-otto Weber

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