Abschied mit Wehmut

Roland Beck legt sein Vorstandsamt beim TV Windecken nieder

Roland Beck bleibt auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand des TV Windecken an den Geschicken des Vereins interessiert.
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Roland Beck bleibt auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand des TV Windecken an den Geschicken des Vereins interessiert.

Fast 20 Jahre stand Roland Beck mit an der Spitze des Sportvereins TV Windecken. Vor wenigen Tagen hat er sein Amt niedergelegt – zwar freiwillig, aber doch ein bisschen aus Enttäuschung.

Nidderau – „Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie werden langsam zurückgenommen. Und damit ist Breitensport auch bald wieder möglich“, beginnt der 64-Jährigen Roland Beck das Gespräch. Er glaubt und hofft, dass nach langen Lockdown und dem damit verbundenen Trainingseinschränkungen die Zeit für einen Neuanfang bei seinem Verein TV Windecken gekommen ist. Doch er hat sein Vorstandstandsamt im geschäftsführenden Vorstand mit ein wenig Verärgerung aufgegeben. Die anderen Vorstandsmitglieder wollten den Weg zu einem professionellerem Vereinsleben mit hauptamtlichen Kräften wie einem hauptamtlichen Geschäftsführer und einem hauptamtlichen Kassierer nicht folgen. Dennoch spricht der studierte Sport- und Geschichtslehrer immer noch von „meinem Verein“.

„Der TV Windecken mit seinem mehr als 2000 Mitgliedern ist inzwischen an einer Stufe angelangt, wo man einen Verein nicht mehr so nebenbei und ehrenamtlich mit ein paar Telefonaten und ein, zwei Stunden Arbeit in der Woche führen kann. Wenn wir weiter wachsen wollen, dann müssen nach meiner Ansicht hauptamtliche Kräfte eingestellt werden“, erläutert Beck. Als Beispiele führt er Sportvereine in Frankfurt und Hanau an, die einen ähnlichen Weg gegangenen sind, den er nun auch für den TV Windecken für unvermeidlich hält.

Arbeitsintensive Corona-Zeit

Weil Beck so an seinem Verein hängt, hat er dort viel, sogar sehr viel Freizeit investiert. „In Zeiten der Coronakrise waren es durchschnittlich zwei bis drei Stunden täglich und an den Wochenenden sogar noch deutlich mehr.“ Beck hat die Hygienepläne für das Training der drei Sparten des Vereins – Turnen, Leichtathletik und Tanzen – entworfen und dafür gesorgt, dass sie eingehalten werden. „Das war deshalb so arbeitsintensiv, weil sich zum einen die Regeln dauernd geändert haben und dadurch die Trainingsgruppen mal größer, am nächsten Tag dann schon wieder kleiner sein mussten. Und zum anderen, weil viele den Sinn der Regeln wegen der vielen Änderungen einfach nicht mehr verstehen wollten und deshalb immer wieder absichtlich oder unabsichtlich gegen sie verstoßen haben“, erklärt Beck.

Dabei beklagt er sich nicht über die viele Mehrarbeit, denn sein Verein bedeutet alles für ihn. „Ich wäre wahrscheinlich nicht gegangen, wenn ich nicht mit dem 32-jährigen Raphael Schürholz einen Nachfolger gefunden hätte, der meine Ansichten versteht und der jung genug ist, den Verein dahingehend zu beeinflussen“, gibt sich Beck zuversichtlich.

Auch beim HSV Nidderau im Vorstand

Beck hat zwar Sport studiert, aber seinen Beruf nie ausgeübt. Vielmehr hat er nach dem Examen die Seiten gewechselt – weg vom Lehramt hin zu einer Tätigkeit, bei der er über den Sport berichten kann. Er ist ins Pressefach gewechselt, und zwar zunächst zum Deutschen Turnerbund und anschließend zum Deutschen Tischtennisverband. Seit Anfang der 2000er Jahre arbeitet der zweifache Familienvater in einer Werbeagentur in Frankfurt.

Dabei hat er den Sport nie aus den Augen verloren. Als er 1994 von Mosbach nach Heldenbergen umgezogen ist, hat er zunächst in der Handballmannschaft des HSV Nidderau aktiv mitgespielt und sogar als damals 40-Jähriger noch auf dem Platz gestanden. In diesem Verein gehörte er übrigens ebenfalls dem Vorstand an.

Zeit für einen Generationswechsel

Nach dem Ende seiner aktiven Sportlerzeit in den 90er Jahren wechselte er dann zum TV Windecken, weil er und seine Ehefrau begeisterte Tänzer sind. 2001 übernahm der das Amt des Pressewarts des Vereins und 2003 wurde er Abteilungsleiter der Tanzsportabteilung und rückte damit in den dreiköpfigen geschäftsführenden Vereinsvorstand auf. „Ich habe nie auf die Uhr geguckt und die Stunden gezählt, die ich für den Verein tätig war. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Aber ohne das großartige Verständnis meiner Frau wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Und dann geht er noch einmal auf sein Ausscheiden aus dem TV-Vorstand ein. „Nach der Coronakrise muss der Verein einen neuen Anfang wagen. Die letzte Zeit hat mich viel Kraft gekostet und deshalb ist das jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Generationswechsel an der Vereinsspitze“. Aber nicht nur ihn hat die Pandemie Kraft gekostet. Der TV Windecken ist nicht unbeschadet durch die Krise gekommen: Der Verein hat gut zehn Prozent seiner Mitglieder durch Austritt verloren. Es gibt also viel Arbeit für Becks Nachfolger.

(Jürgen W. Niehoff)

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