1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis
  4. Nidderau

Rosemarie Czekalla aus Nidderau über ihre neuen Aufgaben im Rat der Landeskirche

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Frisch gewählt: Rosemarie Czekalla aus Nidderau (Mitte), hier mit Dekan Dr. Martin Lückhoff und ihrer Vertreterin Simone Küster, ist nun Mitglied im Rat der Landeskirche.
Frisch gewählt: Rosemarie Czekalla aus Nidderau (Mitte), hier mit Dekan Dr. Martin Lückhoff und ihrer Vertreterin Simone Küster, ist nun Mitglied im Rat der Landeskirche. © Christian Schauderna (PM)

In der Landessynode vertritt Rosemarie Czekalla gemeinsam mit Dekan Dr. Martin Lückhoff, Dr. Bernd Dülfer und Simone Küster den Kirchenkreis Hanau. Ihre Mitarbeit und Kompetenz wird künftig zudem im Rat der Landeskirche im Steuerungs- und Finanzausschuss gefragt sein. Kurz nach ihrer Wahl in das Leitungsgremium der Landeskirche fand die Nidderauerin Zeit für ein Gespräch.

Nidderau – Anfang Mai tagte die 14. Landessynode der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW). Zum ersten Mal dabei war Rosemarie Czekalla. Seit vielen Jahren ist sie im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Windecken und im Kirchenkreis aktiv. Als Lektorin und Prädikantin gestaltet und feiert sie Gottesdienste in Windecken, Nidderau und darüber hinaus. Zudem ist Czekalla in der Kommunalpolitik als ehrenamtliche Stadträtin für die SPD aktiv. Sie vertritt ihre Heimatgemeinde Nidderau als Mitglied des Magistrats und ist Frauenbeauftragte der Stadt.

Jeden Sonntag postet Czekalla unter der Überschrift „Mein Sonntagmorgen“ auf Facebook, wie sie ihren Sonntagmorgen gestaltet und lädt so auch zum Gottesdienst ein. Durch Social Media, so ihr Eindruck, erreichen Kirchengemeinden noch mal ganz andere Zielgruppen. Gerne teilt sie die Aktivitäten verschiedener Gemeinden. Sie sieht sich selbst als Netzwerkerin und Coach im Reformprozess „kirche bewegt“.

Wie haben Sie Ihre erste Landessynode erlebt?

Landessynode, das klingt ja etwas trocken. Aber ich habe eine lebendige, junge und diverse Landessynode erlebt. 72 Synodale aus unterschiedlichen Berufsgruppen, Jung und Alt, Frauen und Männer, die richtig viel Power mitbringen, um kreativ Kirche der Zukunft zu gestalten. Und von 17 Ratsmitgliedern wurden sieben Frauen gewählt.

Weniger Einnahmen, Corona-Pandemie, der Klimawandel und Krieg in der Ukraine. Nicht gerade einfache Rahmenbedingungen zu Beginn ihrer Amtszeit.

Im Rat der Landeskirche warten herausfordernde Aufgaben auf mich. In der Tat. Aber ich weiß mich an der Seite von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Es gilt, den eingeleiteten Reformprozess weiter umzusetzen. Den Verständigungsprozess „kirche bewegt“ weiter zu begleiten und zu konkretisieren. Den Doppelhaushalt 23/24 gut vorzubereiten. Attraktiver Arbeitgeber sein und auch in Zukunft zu bleiben.

Allerdings – da haben Sie recht, die Rahmenbedingungen könnten nicht herausfordernder sein. In der Mitte Europas herrscht Krieg. Es gilt hier sehr achtsam zu sein, wollen wir eine lebenswerte Zukunft in Freiheit und Demokratie für uns und die nächsten Generationen erhalten.

Folgen der Pandemie sind in uns allen noch greifbar. Wir wollen aufatmen und müssen den Atem anhalten ob der Bilder aus der Ukraine, aus Afghanistan, den Menschen auf der Flucht. Doch die Bereitschaft zu helfen, ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ungebrochen. Im Gegenteil, solidarisch zu sein, wird als sinnstiftend erlebt. Wir sind eben keine Buchhalter. Wir sind, wenn es darauf ankommt, barmherzige Samariter. Tragen einen Wertekanon der Nächstenliebe in uns. Das lehrt mich die Coronakrise, die Unwetterkatastrophe im Ahrtal, die vielen Flüchtlingsinitiativen – der Umgang mit den Klimakatastrophen. Das stimmt mich für die anstehenden Aufgaben optimistisch.

Stichwort: Rat der Landeskirche

Der Rat der Landeskirche ist mit Blick auf seine Kompetenzen das wichtigste Kirchenleitungsgremium zwischen den Synodaltagungen und zugleich Verbindungsorgan der kirchenleitenden Gremien. Der Rat der Landeskirche tagt monatlich. Er besteht aus 17 Mitgliedern. Ihm gehören die Bischöfin (als Vorsitzende) sowie ihre beiden Stellvertreter, der Prälat und der Vizepräsident, an, der Propst und die Pröpstinnen, der Synodalvorstand (Präses als stellvertretender Vorsitzender des Rates der Landeskirche) sowie acht Synodale, sechs Nichttheologen und zwei Pfarrer.

Der Rat verfügt über weitreichende rechtliche Kompetenzen: So kann er zwischen den Tagungen der Landessynode unter bestimmten Voraussetzungen Rechtsverordnungen erlassen. Er beruft auf Vorschlag der Bischöfin unter anderem die Stellvertreter der Bischöfin, die Pröpste, die Dezernenten des Landeskirchenamtes, die Dekane der Kirchenkreise und entscheidet in Zweifels- und Streitfragen, welche die Kirchenleitungsorgane betreffen. (jow)

Als Supervisorin und Wirtschaftsmediatorin beraten Sie Unternehmen in Veränderungsprozessen. Ist ihre „Wirtschafts-Brille“ hilfreich oder eher ein Hemmnis im Rat der Landeskirche?

Ich bin Diplom-Verwaltungswirtin (FH), Supervisorin/Coach DGS sowie Wirtschaftsmediatorin (IHK). Als Personal- und Organisationsberaterin kenne ich die Perspektive von Arbeitnehmern und Management, habe Veränderungsprozesse in Unternehmen koordiniert oder zum Beispiel die Privatisierung eines Bundesunternehmens zur Aktiengesellschaft begleitet. Als Beauftragte für Chancengleichheit und Diversity bei der Deutschen Telekom AG gestaltete ich unter anderem Mentoring-Programme für „Mehr Frauen in Führungspositionen“. Aus verschiedenen betrieblichen Veränderungsprozessen nehme ich eines mit: Wir Menschen sind nicht per se auf Veränderung programmiert. Einigen fällt es leichter, anderen schwerer, sich darauf einzulassen. Fast immer kommt es zu Verletzungen. Aber alle wollen beteiligt werden und mitgestalten. Vor allem diese Erfahrung möchte ich gerne in den Rat der Landeskirche einbringen.

Die Mitgliederzahlen in der Landeskirche gehen zurück. Dennoch gehen Sie optimistisch und voller Vorfreude in Ihre neuen Ehrenämter.

Ich halte es mit dem spontan beschlossenen Motto der 14. Landessynode „Lebendig, kräftig und schärfer“ aus dem Hebräerbrief. Da steckt für mich Energie drin, aufzubrechen und anzupacken.

Und obwohl die Mitgliederzahlen sinken, erleben wir vor Ort doch auch bewegende Konfirmationsgottesdienste, Hochzeiten an besonderen Orten, Kinogottesdienste, Abendmahlsfeiern in der Fußgängerzone, Kneipenandachten, Tauffeste am See, Trauerfeiern, die man dann der Pfarrperson anvertraut. „Danke, dass sie da sind.“ Das sagen die Leute nicht einfach so dahin.

Auf all die guten Gespräche, schönen Feiern, spirituellen Ereignisse möchten die Menschen, wenn ich es richtig sehe, eben nicht verzichten. Und natürlich freut mich die Spende für den Neubau des Gemeindehauses oder die Renovierung der Orgel – aber es braucht eben auch kontinuierliche Steuereinnahmen. Es braucht die Kirchensteuer. Stellen Sie sich vor, eine Kommune müsste sich von Spendengeldern finanzieren und wäre vom Wohlwollen von Grundstückseigentümern abhängig. Einen Haushalt für die Stadt aufstellen, Investitionen verantworten, einen Stellenplan genehmigen? Undenkbar.

Frau Czekalla, Sie haben sich nach vielen Jahren in kirchlichen Ehrenämtern Ihre Power nicht nehmen lassen. Wo tanken Sie auf?

Meine Eltern haben mich von klein auf mitgenommen in den Gottesdienst. Blumenschmuck, glänzende Taufbecken, Kerzenlicht, Gesang, festliche Musik, sonnendurchflutete Kirchenfenster, die Abendmahlsfeier – diese Fülle und Schönheit hat mich begeistert. Diese Erfahrung in Kirchenräumen prägt mich bis heute. Ich bin dankbar für die Stille in der Kirche oder in einem Kloster. Aber ich sitze auch gerne im Caféhaus, in Nidderau im Café Brückner. Hier finde ich Ideen und Inspirationen für meine Predigten. Am Kaffeetisch bin ich zudem für jedermann ansprechbar. Das ist mir besonders wichtig: sichtbar sein, ansprechbar sein. Und ich arbeite sehr gerne mit anderen zusammen. Ich bin von der Landessynode mit viel Tatkraft und in Aufbruchstimmung nach Nidderau zurückgefahren. (jow)

Auch interessant

Kommentare