1. Nidderauer Imkertag

Uwe Becks vom Imkerverein Nidderau-Schöneck gibt Einblicke in die Welt der Bienen

Uwe Becks vom Imkerverein Nidderau-Schöneck hat seine Bienenvölker im Hausgarten stehen.
+
Uwe Becks vom Imkerverein Nidderau-Schöneck hat seine Bienenvölker im Hausgarten stehen.

Am Samstag wechseln auf dem Stadtplatz in Nidderau 40 Gläser Honig ihre Besitzer. Anlass ist der 1. Nidderauer Imkertag, den der Imkerverein Nidderau-Schöneck gemeinsam mit der Bürgerstiftung Nidderau von 10 bis 15 Uhr veranstaltet (siehe Infokasten).

Nidderau/Schöneck – Gespendet werden die Gläser von den Mitgliedern des Imkervereins. Je 500 Gramm des von fleißigen Bienen gesammelten Honigs sind ein süßes Dankeschön an die Blühpaten, die sich zur Premiere an der Aktion „Nidderau sucht Blühpaten“ der Bürgerstiftung beteiligt haben. Die Bürger spendeten insgesamt 3500 Euro, mit denen in und um Nidderau herum mehrjährige Blühstreifen oder Blühfelder angelegt wurden. Deren Bandbreite reichte von Kübeln über Beete und Ecken in Gärten bis zu 11 000 Quadratmeter große Streifen oder Felder. Erbstadt kreierte mit „Erbstadt blüht“ eine eigene Aktion.

Kalter Frühling: 2021 ist ein schlechtes Honigjahr

Der Nutzen von Blühstreifen oder -feldern ist groß, bestätigt Uwe Becks, stellvertretender Vorsitzender des 122 Mitglieder starken Imkervereins. Von April bis November bieten solche Parzellen mit blühenden Wildkräutern und Kulturarten Wild- und Honigbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Vögeln ausreichend Nahrung.

Wie wichtig solche Flächen sind, zeigt auch ein Blick auf das schlechte Honigjahr 2021. „Es war im Frühjahr zu kalt, nass und windig“, sagt Becks. Er erntete dieses Jahr 30 Kilogramm Honig pro Volk. „Das ist noch gut, andere haben wesentlich weniger geerntet.“ Die zusätzlich angelegten Blüh-Parzellen haben dabei geholfen, die schwierigen witterungsbedingten Verhältnisse abzumildern.

In der Region wird zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Sommer, Honig geschleudert. Uwe Becks ist mit zwölf Völkern im Frühjahr in die Saison gestartet und wird jetzt mit 15 Völkern in den Winter gehen. „Honigbienen sind neben Ameisen die einzigen Insekten, die Staaten bilden und als Volk überwintern“, sagt Becks, der mit 45 Jahren mit der Imkerei anfing.

Keine Nachwuchsprobleme bei den Imkern

Im Frühjahr hat ein Volk zirka 7500 Bienen, zur Sommersonnenwende sind es bis zu 40 000 Bienen und ab Mitte September noch 15 00 Winterbienen. „Das Leben einer Arbeiterin in einem Bienenstaat ist kurz. Die Sommerbiene als fleißige Nektarsammlerin und Brutpflegerin lebt rund 35 Tage. Die Winterbiene kann acht bis neun Monate alt werden.“

Eine Zarge voller Honig bringt es auf ein Gewicht von bis zu 25 Kilogramm. Wichtig neben gesunden Bienenvölkern, die eine gute Bestäubungsleistung erbringen, sind auch Imker, die sich mit der Haltung, Vermehrung und Züchtung von Honigbienen sowie mit der Produktion von Honig und weiterer Bienenprodukte beschäftigen. „Die Zahl der Imker in unserem Verein ist gestiegen, aber nicht die Zahl der Völker. Imker wie der langjährige Vorsitzende Erich Selzer aus Büdesheim hatten 60 Völker. Heute besitzt ein Imker durchschnittlich sechs Völker.“

Nachwuchsprobleme hat der Imkerverein Nidderau-Schöneck zurzeit nicht. „Das Insektensterben hat die Leute aufgeweckt. Wichtig ist, dass alle, die mit der Imkerei liebäugeln, wissen, dass Imker Tierhalter sind, die viel lernen müssen von Völkerführung über Honiggewinnung bis zu Völkervermehrung. Imker zu sein ist schön und bereichernd, bedeutet aber auch viel Arbeit.“ Aus diesem Grund sollten Interessenten Schulungen besuchen und Angebote wie „Probe-Imkern“ für ein Jahr unter der Patenschaft eines erfahrenen Bienenzüchters annehmen.

In den Waben befindet sich wenig Honig, dafür mehr Brut. Insgesamt fiel die diesjährige Ernte mäßig aus.

„Mein Pate war Erich Selzer, der sich intensiv mit Bienenhaltung und -zucht auseinandersetzte und unseren Verein groß gemacht hat.“ Das Interesse von Kindern und Jugendlichen an der Imkerei wollen die Vereinsmitglieder mit einem Bienenlehrgarten wecken. Der soll auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück am stillgelegten Trinkwasserbrunnen am Ortsausgang von Windecken in Richtung Kilianstädten entstehen. Übernommen hat der Verein das Areal Ende April letzten Jahres von den Kreiswerken Main-Kinzig. Die 18 Vereinsmitglieder haben Ende November 100 Sträucher als Bienenweide gepflanzt und Wildblumen ausgesät, damit sich das Grundstück nach und nach in ein Bienen- und Wildbienen-Paradies verwandelt. Doch durch die Corona-Pandemie wurden die Arbeiten auf dem naturnahen Gelände zwischen Nidderaue und Waldrand etwas ausgebremst.

Imkertag am 11. September

Im April rief die Bürgerstiftung Nidderau zur Aktion „Nidderau sucht Blühpaten“ auf. So kam auch die Zusammenarbeit der Bürgerstiftung mit dem Imkerverein Nidderau-Schöneck zustande. Es entstand die Idee, am Samstag, 11. September, einen ersten Imkertag zu veranstalten. Er findet von 10 bis 15 Uhr auf dem Stadtplatz am Nidder Forum in der Neuen Mitte statt. Der Imkerverein wird an einigen Ständen mit einer Ausstellung Einblicke in die Imkerei und Informationen zum Bienenschutz geben. Natürlich können die Besucher auch Produkte kaufen. Als Dankeschön erhalten die Blühpaten ein Glas Honig geschenkt. Die Bürgerstiftung wirbt schon jetzt um neue Blühpaten für 2022.

„Die auf dem Gelände befindlichen Obstbäume haben wir im Frühjahr fachmännisch geschnitten und die Äste als Totholzhecke entlang des Zaunes aufgeschichtet. Das Gras wurde gemäht und abtransportiert, damit sich Wildblumen ansiedeln können. Durch Vermittlung von Förster Kaufmann aus Ostheim haben wir zwei mächtige, hohle Baumstämme bekommen. Aus ihnen wollen wir Klotzbeuten machen, also Bienenbehausungen, auch zum Überwintern“, so Becks.

Geplant sind zudem ein „Bienenfest“ in einem Privatgarten in Büdesheim und Veranstaltungen wie ein „Bienentag“ auf dem Vereinsgelände. Doch zuerst laden die Imker und die Bürgerstiftung Nidderau für diesen Samstag zum Imker-, Bienen- und Blühpatentag auf den Stadtplatz am Nidder Forum ein. (Christine Fauerbach)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare