Vogelschützer in Windecken und Eichen wollen stärker kooperieren

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Sie haben ein Herz fürs „Federvieh“: Gerd Klinkowitz (links) und Gotthard Heuritsch von den Vogelschutzvereinen Eichen und Windecken.

Naturschutz liegt im Trend – so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Auf Facebook verabreden sich Leute zum Müllsammeln, die Jugend der Welt geht freitags für mehr Klimaschutz auf die Straße und nahezu jede Kommune hat inzwischen ihr eigenes Blühfeld.

Beide sind seit Jahrzehnten im Natur- und Vogelschutz tätig. In ihren Vereinen kommt von der vermeintlichen Umweltbegeisterung nichts an. „Schauen Sie doch nur mal, welche Müllberge da von den jungen Leuten auf den Demos produziert werden“, sagt Klinkowitz. „Auch die ehrenamtlichen Sammelaktionen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Wald laden die Leute ihre alten Elektrogeräte ab, obwohl man die kostenlos zum Recyclinghof bringen kann. Da greift man sich doch an den Kopf.“

Mangelndes Interesse: Kinder- und Jugendgruppe eingestellt

Aus Mangel an Interesse haben die Eicher Vogelschützer ihre Kinder- und Jugendgruppe eingestellt, wie der Vorsitzende Klinkowitz berichtet. Und auch Heuritsch hat bei Führungen von Schulklassen die Erfahrung gemacht, dass die jungen Leute nur noch auf ihre Handys anstatt in die Natur schauen. „Es wird immer schwerer, Nachwuchs zu gewinnen“, bilanziert Heuritsch, der 1964 als Schriftführer in den Vorstand der NABU Vogelschutzgruppe Windecken eintrat und 15 Jahre lang erster Vorsitzender war. Seit zwei Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender.

Schaut man auf die Mitgliederzahlen, stehen beide Vereine nicht schlecht da. Zumindest auf dem Papier. Die Eicher Vogelschützer zählen 90 Unterstützer, bei der NABU-Gruppe Windecken, die auch den Stadtteil Heldenbergen einschließt, sind es sogar 280 Naturfreunde. Allerdings hapert es an Aktiven. Während es in Eichen immerhin etwa zwei Dutzend sind, kommen in Windecken nur noch etwa zehn Personen zusammen, wenn es darum geht, Hand anzulegen.

Gruppe kümmert sich um rund 400 Nistkästen

Eine überregionale Werbeaktion des NABU hatte vor einigen Jahren durchaus Mitglieder gebracht, allerdings „nur“ fördernde. „Wir haben uns über die Jahre viel Arbeit aufgehalst“, erklärt Gotthard Heuritsch. „Wir haben 400 Nistkästen. 300 davon hängen im Windecker Bürgerwald, 65 im Heldenbergener Wald, 25 im Park der Oberburg und weitere in Kindergärten. Die müssen alle gepflegt und bei Bedarf erneuert werden. 20 weitere Nistkästen am Altwasser der Nidder werden von den Anglern betreut.“

Auch sonst sei im Bürgerwald einiges zu tun. Der Naturlehrpfad, den der Verein in den 70er Jahren errichtet habe, muss unterhalten werden. Er werde heute noch sehr gut angenommen, allerdings hätten einige Schilder gelitten. „Im Wald ist die letzten 30 Jahre schwer gehaust worden“, sagt Heuritsch. „Es gab einen hohen Holzeinschlag, viele Schneisen wurden geschlagen.“ Aber auch natürliche Einflüsse erschweren den Vogelschützern die Arbeit. „Der Waschbär ist zu einer riesigen Plage geworden“, schildert Heuritsch. „Er fällt über Bodenbrüter und andere Vögel aber auch Eichhörnchen her. Außerdem sind immer weniger Nistkästen besetzt, weil es wegen des Insektensterbens weniger Vögel gibt. Es fehlt einfach an Weichfutter zur Versorgung der Jungen.“

Monokulturen sorgen für dramatische Rückgänge bei Tierarten

Auch Klinkowitz, der seit Kindertagen im Naturschutz aktiv ist, beobachtet dramatische Veränderungen. „Die Feldlärche war mal ein Allerweltsvogel. Heute verzeichnen wir einen Rückgang von 85 Prozent, zum Beispiel durch Monokulturen wie Maisäcker. Da gibts gar nichts.“ Hinzu kämen die radikalen und häufig unsachgemäß durchgeführten Gehölzschnitte, zum Beispiel entlang von Bahndämmen. „Da fragt man sich, für was es eigentlich Naturgesetze gibt.“

 Um einer „Entfremdung“ der Bevölkerung von der Natur entgegenzuwirken, wollen die Eicher Vogelschützer einen Naturlehrpfad in den Nidderauen anlegen. Im Oktober hatte der Verein seine Pläne präsentiert (wir berichteten). Ausgangspunkt soll das Vereinsheim am Ende der Straße „Im Wiesengrund“ sein. Dort, am Ufer der Nidder mit freiem Blick in die Auen und auf einen der Storchenmasten, soll ein Fernrohr installiert werden, um die Tiere beim Brüten beobachten zu können.

Waldlehrpfad mittlerweile zehn Kilometer lang

Am Friedwald können Wanderer auf den bestehenden Waldlehrpfad der Windecker Vereinsfreunde abbiegen, der mit gemeinsamen Kräften auf Vordermann gebracht werden soll und die Strecke auf knapp zehn Kilometer verlängert. Doch auch über dieses gemeinsame Projekt hinaus wollen die beiden Vereine künftig enger zusammenarbeiten. So wollen die beiden Vereine beim Festumzug zum 50-jährigen Bestehen der Stadt Nidderau am 21. Juni mit einem gemeinsamen Wagen und einer Fußgruppe teilnehmen.

Einen Wunsch haben die beiden Vogelschützer noch: „Die Vereine in Nidderau wollen alle leben. Wir kümmern uns zum Wohle aller um die Natur. Da wäre es schön, wenn außer den Besuchern aus den umliegenden Kommunen auch ein paar Nidderauer mehr zu unseren Veranstaltungen kommen würden.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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