„Philippi’s Backstube“ sucht nach einem geeigneten Standort

„Wir brauchen eine Zentrale“

Die Geschwister Alexandra und Thorsten Philippi könnten die Produktion ihres Bäckereibetriebes steigern. Die Nachfrage ist da. Doch im Stammhaus am Windecker Marktplatz fehlt der Platz dafür.
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Die Geschwister Alexandra und Thorsten Philippi könnten die Produktion ihres Bäckereibetriebes steigern. Die Nachfrage ist da. Doch im Stammhaus am Windecker Marktplatz fehlt der Platz dafür.

Unter dem Namen „Philippi´s Backstube“ firmiert der Familienbetrieb in Windecken seit dem Jahr 1967. Gegründet wurde er von Christa und Klaus Philippi. 2006 hat deren Sohn Thorsten, Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt des Handwerks, die Geschäftsleitung übernommen. Heute führt er den Betrieb gemeinsam mit seiner Schwester Alexandra, einer ausgebildeten Konditormeisterin.

Nidderau - Die Corona-Krise hat dem Unternehmen wirtschaftlich nicht geschadet. Doch aktuell hat der Familienbetrieb ein ganz anderes Problem. Mittlerweile zählen zum Stammhaus am Marktplatz zehn eigene Filialen im Radius von 17 Kilometern um die Backstube. 110 Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende gehören dem Unternehmen an. „2010 haben wir die Bäckerei Frech mit Backstube und vier Filialen übernommen. Jetzt haben wir zwei Backstuben in Heldenbergen und in Windecken“, sagt Philippi. Die vier Filialen existieren nicht mehr.

Während in Heldenbergen Brot, Brötchen und Kräppel gebacken würden, sei in Windecken die Konditorei, Feinbäckerei sowie die Verwaltung angesiedelt. „Beide Backstuben sind zu klein, um dort alles produzieren zu können. Wir brauchen eine Zentrale“, erklärt Philippi. 2018 sei zum Glück seine Schwester zurückgekommen, die 30 Jahre in Karlsruhe gelebt und dort ein Café mit 40 Mitarbeitern geleitet habe.

Heute ist sie unter anderem für das Café „Brot & Seele“ am Stadtplatz verantwortlich, das mittlerweile zum Unternehmen zählt. Partybrötchen, Marktbrot und Seelen, ein Weißbrotgebäck der schwäbischen Küche, dominieren dort das Angebot. „Seit zwei Jahren suchen wir nach einem Platz für eine Backstube. Die beiden bestehenden sind zu eng“, sagt Philippi.

„Gläserne Backstube“ ist auch denkbar

Die beengten Verhältnisse zeigen sich deutlich am Marktplatz in Windecken. Im Keller ist das Lager, im Erdgeschoss die Backstube, oben die Verwaltung. Die Angestellten müssten ständig Treppe laufen. Er wolle keine Backfabrik bauen, sagt Philippi, doch Qualität brauche Platz.

So stellt das Unternehmen täglich den Natursauerteig selbst her und verarbeitet das Mehl aus der Philippi-Mühle in Büdesheim. Die Rohlinge für die Brötchen werden in der Backstube hergestellt und in die Läden geliefert, um diese frisch vor Ort zu backen. Die Filialen werden täglich zwei- bis drei Mal angefahren. „Wir bräuchten eine Produktion, um alles an einem Standort zusammen zu fassen, mit zugehöriger Kühlfläche. Mindestens ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück und eine Halle von 1500 bis 1800 Quadratmeter sind nötig“, sagt Philippi. Verwaltung, Produktion sowie Sozialräume für die Angestellten würden neu entstehen. Auch ein Lager für Deko, Partytische und Ähnliches, um an Festen oder Veranstaltungen teilzunehmen, wäre integriert.

Im Moment ist das Lager auf drei Standorte verteilt. Das Stammhaus bliebe bestehen. Die Verwaltung würde umziehen. Aktuell könnte Philippi zwar die Produktion steigern, doch dazu fehlt der Platz. „Wenn ich am Muttertag 250 Herzen herstelle, ist die Fläche für anderes blockiert“, sagt Alexandra Philippi. Auch Kühlketten müssten eingehalten werden.

Innerhalb des Stammhauses sei viel Laufarbeit für die Herstellungsprozesse der Backwaren nötig, was Zeit koste. Am liebsten wäre den Philippis ein neuer Standort in Nidderau. Doch auch Überlegungen in Richtung Schöneck, Karben, Altenstadt, Bruchköbel und Niederdorfelden hat es bereits gegeben. Geplant ist neben der Produktion auch ein Laden, eventuell mit Café. „Auch eine ‘gläserne Backstube’ bei entsprechender Kundenfrequenz könnte ich mir vorstellen“, sagt Philippi.

Ein guter Standort wäre der alte Bauernhof, gegenüber des Geländes vom Baustoffgroßhandel Hack. Dieser stehe seit Jahren leer. Überlegungen habe es auch gegeben, sich im Gewerbegebiet in Kilianstädten einzukaufen. Auch die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in der Liebigstraße 18 in Heldenbergen hätte ohne großen Umbau genutzt werden können. Doch die Kenntnis vom Verkauf kam zu spät.

Stadt möchte Philippi in Nidderau halten

Probleme sieht Philippi aktuell, wenn der Marktplatz in Windecken für den Pkw-Verkehr gesperrt werden würde, da er dort vier Mal pro Woche Lieferungen erhält. Schwester Alexandra gibt zu bedenken, dass durch die Zentralisierung der Geschäfte in der Neuen Mitte der Marktplatz in Sachen Belebung entwertet wurde. Für seine Mitarbeiter möchte Philippi den Betrieb weiterhin interessant machen, indem er moderne Technik und Tradition verbindet. Auch die Ausbildung liegt dem Unternehmen sehr am Herzen. Der Betrieb bildet Bäcker, Konditoren und Fachverkäuferinnen im Nahrungsmittelhandwerk mit Schwerpunkt Bäckerei aus.

So sind selbst Überlegungen zum Bau eines Gebäudes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht vom Tisch. Eine Lehr-Backstube mit öffentlichen Backkursen, auch mit Kindern, kann sich Philippi gut vorstellen. „Die letzten Jahre“, sagt er, „gab es wieder mehr Zuspruch zum Bäckerhandwerk“. In Supermärkten werde Wert auf Produkte von Handwerksbäckern gelegt. Verbraucher achteten zunehmend auf Qualität und Regionalität.

Auf Nachfrage bei der Stadt Nidderau erklärt Tanja Woltz, Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing in Absprache mit Bürgermeister Andreas Bär, dass die Stadt aktuell keine Flächen und Immobilien besitzt, die sich zur Erweiterung der Produktion eigneten. In der Vergangenheit seien Philippi durch die Verwaltung Kontakte zu Eigentümern von zum Verkauf stehenden Grundstücken und Immobilien vermittelt worden. Bei Verkaufsabsichten sowie bei der Entwicklung neuer Gewerbeflächen werde die Stadt mit Philippi in Kontakt treten.

Die Verwaltung hoffe, dass dies nächstes Jahr geschehe. „Bürgermeister Bär hat Philippi Unterstützung zugesichert, da die Stadt ein großes Interesse daran hat, dass die neue Produktionsstätte in Nidderau errichtet wird“, teilt Woltz unserer Zeitung mit. (Von Georgia Lori)

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