Wohin kommt die Waldkita? - Geflügelzüchter und Borussen sind noch im Spiel

Zwei Playmobilfiguren stehen vor dem Vereinsheim der Geflügelzüchter Heldenbergen (Nidderau)
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Das Vereinsheim der Geflügelzüchter Heldenbergen (verlängerte Burggasse, gegenüber dem Kleingartenverein Am Lindenbäumchen) könnte zum Standort für einen Natur- und Waldkindergarten der Stadt Nidderau werden.

Nidderau wächst, und der Bau von Kindergärten ist teuer. Deshalb halten sowohl die Stadtverwaltung als auch die Politik an der Idee fest, einen Natur- und Waldkindergarten zu gründen.

Nidderau – Der erste Anlauf ist vor einem Jahr gescheitert. Zwar hatte die Stadt bereits eine Betriebsvereinbarung mit der in Sachen Waldkindergarten erfahrenen Pädagogin Asha Scherbach* getroffen, jedoch kam am Ende Skepsis bei den Eltern bezüglich des Konzeptes auf, das unter anderem einen Verzicht auf Medienkonsum in den Elternhäusern nahe legte. Die Eltern sprangen ab.

Diesmal soll alles anders werden. Deshalb hat die Stadt einen Aufruf an die Eltern gestartet, sich die zur Auswahl stehenden Konzepte anzuschauen und ein „konkretes Feedback“ zu geben, ob Interesse an einem Waldkindergarten besteht.

Konzept für Waldkita wurde überarbeitet

Auch Asha Scherbach bewirbt sich diesmal wieder um die Trägerschaft. Ihr Konzept habe sie verändert, wie sie vor der Sommerpause bei der Vorstellung im Jugend- und Sozialausschuss versicherte. Was zu Hause passiere, sei Sache der Eltern.

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Obertshausen würde gern den Betrieb des Wald- und Naturkindergartens übernehmen. Interessanterweise hatte Scherbach über viele Jahre Waldkindergärten für die AWO aufgebaut und pädagogische Konzepte entwickelt. Eine Entscheidung über die Trägerschaft soll im Herbst fallen, wenn die Rückmeldungen der Eltern vorliegen.

Fehlt nur noch ein Domizil. Denn die Hütte der Windecker Vogelschützer, die im vergangenen Jahr bereits als Standort für die Waldkita von der Stadt ertüchtigt wurde, kommt nun nach Angaben des Ersten Stadtrats Rainer Vogel (Grüne) nicht mehr infrage. Die Sicherheit im Wald könne aufgrund der Trockenschäden der vergangenen Jahre nicht gewährleistet werden.

CDU schlug das Klubheim als Standort für die Waldkita vor

Die CDU hatte zur Stadtverordnetenversammlung im Mai einen Antrag gestellt, einen „Naturkindergarten mit Tierpädagogik“ einzurichten und schlug als Standort das Klubheim des in Auflösung befindlichen Geflügelzüchtervereins vor. Einen weiteren Antrag zu dem Thema brauche man nicht, beschied jedoch die rot-grüne Mehrheit. Schließlich gebe es bereits den Beschluss, einen Natur- und Waldkindergarten zu gründen. Die mögliche Einbeziehung von Tieren sei darin enthalten. Und auch das Geflügelzüchterheim sei keine neue Idee, so Stadtrat Vogel. Es habe bereits Gespräche gegeben.

Dies bestätigt nun auch der Vorsitzende des Heldenbergener Geflügelzuchtvereins Michael Schmitt im Gespräch mit unserer Zeitung. „Stadtrat Vogel und ich haben bereits im Herbst zusammengesessen und über die Zukunft des Vereinsgeländes gesprochen. Der Stadtrat hatte die Idee, hier einen Kindergarten zu machen.“

Schmitt hatte den Vereinsvorsitz nach dem Tod seines Großvaters Franz Seifried, des bisherigen Vorsitzenden, im vergangenen Jahr übernommen. Außer ihm selbst gebe es im Verein jedoch keine aktiven Züchter mehr. Die alten Mitglieder drängten auf Auflösung. „In diesem Fall würde das Gelände wieder an die Stadt zurückfallen, von der der Verein das Grundstück noch auf 20 Jahre gepachtet hat“, erklärt Schmitt.

Lage an Wald und Feld sei ideal für eine Waldkita

Für einen Naturkindergarten wäre das rund 5000 Quadratmeter große Areal in der Nähe von Wald und Feld ideal. Es gibt Strom und Toiletten, wenn auch kein fließend Wasser. Bislang behilft sich der Verein mit großen Wassertanks in der Garage. Eine Leitung ließe sich jedoch verlegen, wie Stadtrat Vogel bereits in den Gremien sagte.

Neben dem eigentlichen Vereinsgebäude gibt es drei Stallbauten, die von der Kita genutzt werden könnten. Schmitt selbst hält auf dem Gelände seine Hühner. Der Kaninchenzuchtverein Heldenbergen liegt gleich nebenan. Auch der Reiterhof Herrmann ist keine 500 Meter weit entfernt.

Allerdings schwebt dem 29-Jährigen noch eine andere Nutzung vor. Denn Schmitt führt gemeinsam mit seinem Vater Peter als Erstem Vorsitzenden auch den Fußballfanklub Nidderau Borussen. „Wir haben seinerzeit eine neue Bleibe gesucht, nachdem die Wirtschaft im Sportheim am Fußballplatz zu gemacht hat. Wir haben das Geflügelzüchterheim aufgemöbelt und treffen uns nun regelmäßig zum Fußballgucken.“

Kinder der Waldkita könnten Hühner versorgen

An einer Kooperation mit der Stadt interessiert: Michael Schmitt, Vorsitzender des Geflügelzuchtverein Heldenbergen und stellvertretender Vorsitzender der Nidderau Borussen.

Für Schmitt wäre eine Parallelnutzung gut vorstellbar. „Wir kommen uns mit den Kindern ja zeitlich nicht in die Quere, weil wir uns abends und am Wochenende treffen. Wir würden auch noch investieren und zum Beispiel den Freisitz renovieren. Die Kinder könnten auch helfen, die Hühner mit zu versorgen.“

Am liebsten, so Schmitt, würde er im Zuge der Auflösung des Geflügelzuchtvereins gleich eine neue Vereinbarung mit der Stadt treffen. Doch die hat offenbar auch noch andere Liegenschaften, die für einen Naturkindergarten infrage kämen, wie aus einer aktuellen Pressemitteilung hervorgeht. „Es wäre jedenfalls schade, wenn das Gebäude und das Grundstück ungenutzt bleiben würden“, findet Schmitt.

*Die Offenbach Post ist Teil des Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital.

Interessierte Eltern sollen sich melden

Die Stadt Nidderau ruft Eltern dazu auf, sich bei Interesse am Natur- und Waldkindergarten direkt an den Fachbereich Soziales zu wenden. Beworben haben sich folgende Träger:

1. Die AWO Obertshausen, die bereits mehrere Waldkindergärten vorrangig im Landkreis Offenbach betreibt sowie

2. Frau Asha Scherbach, die aktuell ebenfalls mehrere Natur- und Waldkindergärten betreibt und viele Jahre bei der AWO Obertshausen als Verantwortliche für die Waldkindergärten tätig war.

Beide Träger verfügen über langjährige Erfahrungen im Bereich Wald- und Naturkindergarten. Der Betreuungsumfang variiert bei beiden Trägern zwischen 6 bis 7,5 Std pro Tag, kann aber noch angepasst werden. Eine Ganztagesbetreuung wird es allerdings nicht geben.Die Stadtverwaltung bittet darum, nicht nur eine Interessensbekundung, sondern ein konkretes Feedback abzugeben, welches der beiden auf der Homepage eingestellten Trägerkonzepte den Zuspruch der Eltern findet. Auch ein möglicher Betreuungsbeginn eigener Kinder in der ausgewählten zukünftigen Kita wird abgefragt. Der Feedbackbogen für Interessierte kann ab sofort auf der Startseite der Homepage runtergeladen werden, hier sind auch die beiden Trägerkonzepte einsehbar. Rücksendefrist ist der 9. Oktober 2020.

Die Inbetriebnahme eines Natur- und Waldkindergartens in Nidderau ist für den 1. März 2021 angedacht. Falls interessierten Eltern beide Trägerkonzepte nicht zusagen, bittet die Stadt Nidderau auch um eine Rückmeldung, was vermisst wird oder nicht gefällt.

Weitere Informationen

Infos zum Thema Natur- und Waldkindergarten erhalten alle Interessierten im Fachbereich Soziales der Stadt Nidderau unter 06187 299-105 oder 299-153 beziehungsweise per Email an info@nidderau.de.

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