Fusion mit Niederdorfelden kam nicht zustande

Als Gronau den Landkreis Hanau verließ

Das Gronauer Rathaus wurde 1806 als Fachwerkbau errichtet. Im Erdgeschoss waren Feuerwehr und im Anbau das Backhaus untergebracht. 1972 wurde das Gronauer Rathaus abgerissen. Im Vordergrund ist die Spitze des alten Gronauer Brunnens zu sehen. REpros: Christine Fauerbach
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Das Gronauer Rathaus wurde 1806 als Fachwerkbau errichtet. Im Erdgeschoss waren Feuerwehr und im Anbau das Backhaus untergebracht. 1972 wurde das Gronauer Rathaus abgerissen. Im Vordergrund ist die Spitze des alten Gronauer Brunnens zu sehen. REpros: Christine Fauerbach

Am 1. Juli 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Gronau im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis nach Bad Vilbel eingemeindet. Es gehörte damit zunächst zum Landkreis Friedberg, ab dem 1. August 1972 zum Wetteraukreis. Der favorisierte Zusammenschluss mit Niederdorfelden und Oberdorfelden war nicht zustande gekommen.

Gronau/Niederdorfelden – Am 1. Juli 1971 wurde ein neues Kapitel in der Geschichte von Gronau eingeläutet. Die bis dahin selbstständige Gemeinde wurde ein Stadtteil von Bad Vilbel. Die Eingemeindung geschah im Zuge der in Hessen durchgeführten Gemeinde- und Gebietsreform. Deren Ziel war es, größere Gemeinden zu bilden, die leistungs- und lebensfähiger sein sollten als die vielen kleinen selbstständigen Gemeinden. Gleichzeitig sollten die Kreisgrenzen neu gezogen werden.

Zugestimmt und beschlossen hatte die Gemeindevertretung die Eingemeindung nach Bad Vilbel am 7. Dezember 1970. Für die Selbstständigkeit der Gemeinde Gronau hatte ein Gemeindevertreter gestimmt, für die Fusion mit Niederdorfelden sprachen sich zwei Gemeindevertreter aus und für das Zusammengehen mit der Gemeinde Bad Vilbel stimmten sechs Gemeindevertreter mit „Ja“. Damit war die Entscheidung für Bad Vilbel gefallen. (Quelle: Nidder Zeitung, 11.12.1970). In der gleichen Gemeindevertretersitzung kündigte der Gronauer Bürgermeister Hellmuth Diener (SPD) an, auf ein Amt in Bad Vilbel zu verzichten wie unter anderem die FR berichtete. Diener war vom 1. Dezember 1964 bis zum 31. Dezember 1968 ehrenamtlicher und vom 1. Januar 1969 bis zum 30. Juni 1971 hauptamtlicher Bürgermeister von Gronau. Mit nur 34 Jahren ging er „in Pension“, da er auf ein Amt in der Bad Vilbeler Stadtverwaltung verzichtete.

Die Eingemeindungsurkunde unterschrieben Bürgermeister Erich Glück und Bürgermeister Hellmuth Diener. Mit der Eingemeindung gab Gronau nicht nur seine Selbstständigkeit auf, sondern wechselte zugleich vom Landkreis Hanau in den Kreis Friedberg.

Niederdorfelden wollte nicht zum Kreis Friedberg gehören

Zuvor hatten die Gronauer Gespräche mit den Nachbargemeinden Niederdorfelden und Oberdorfelden über eine mögliche Fusion geführt. Nachdem das Land Hessen der Angliederung der Gemeinde Büdesheim in den Kreis Hanau zugestimmt hatte, stand der Bildung einer Großgemeinde Schöneck mit Kilianstädten und Oberdorfelden mit rund 10 000 Einwohnern nichts mehr im Wege. Der damalige Bürgermeister von Niederdorfelden Jakob Burkhardt (SPD) hatte zuvor geäußert, dass „man nicht den Wunsch hege, sich mit einer Nachbargemeinde dem Kreis Friedberg anzuschließen“. Dennoch kamen beide Gemeindeparlamente einstimmig zum Beschluss, den Zusammenschluss Niederdorfeldens (2500 Einwohner) mit Gronau (1300 Einwohner, Stand 1970) herbeizuführen. Gronau behielt sich lediglich noch vor, auch noch nach dem Westen Richtung Bad Vilbel Fusionsverhandlungen zu führen, (Quelle: HANAUER ANZEIGER vom 1.4.1970).

Die Aufgabe der Selbstständigkeit, Eingemeindungen und Änderungen der Kreiszugehörigkeit wurden auch in der Bevölkerung heftig und kontrovers diskutiert. Viele Gronauer sprachen sich anfangs vehement für einen Zusammenschluss mit Niederdorfelden und Oberdorfelden und dem Verbleib im Kreis Hanau aus. Ein Grund, der für den Zusammenschluss mit Niederdorfelden sprach, war die geografische Lage. Beide Gemeinden trennten nur noch wenige hundert Meter voneinander. Die heute trennende Umgehungsstraße der Bundesstraße 521 zwischen den beiden Orten wurde erst einige Jahre später gebaut.

Bad Vilbel warb um „Gronauer Braut“

Die Eingliederung von Gronau nach Bad Vilbel wurde feierlich vollzogen, wie die FR berichtete. Vilbeler Magistratsmitglieder und Stadtverordnete trafen sich am 1. Juli 1971 zusammen mit dem Gronauer Gemeindevorstand und der Gemeindevertretung am Ortseingang (von Bad Vilbel kommend), um die Ortstafeln auszuwechseln. Anschließend fand im ersten Stock des damaligen Feuerwehrgerätehauses eine Feier statt. In dieser verabschiedete Bad Vilbels Bürgermeister Erich Glück (SPD) die bisherige Gronauer Gemeindevertretung und führte sie in ihr neues Amt als Ortsbeirat ein. Unabhängig davon wurde bis zur Kommunalwahl im Oktober 1972 noch eine Ortskommission gebildet.

Bad Vilbel hatte seinerseits mit vielen Angeboten um die „Gronauer Braut“ geworben, unter anderem mit Schulen, Arztpraxen, einer höheren Schlüsselzuweisung durch den Kreis Friedberg und dem Erhalt von Traditionsveranstaltungen wie der Gronauer Kerb, die seither zu den Veranstaltungen der Quellenstadt gehört. Attraktiv war Gronau für Bad Vilbel durch seine reiche Mitgift in Form von Land. So gehören zur Gronauer Gemarkung unter anderem die Flächen des Dottenfelder Hofes, jeweils die halbe Lehmkaute und der Dortelweiler Sportplatz.

Positive Bilanz nach 50 Jahren Eingemeindung

Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) zieht eine positive Bilanz der vergangenen 50 Jahre. „Bei der Eingemeindung hatte Gronau 1500 Einwohner, heute sind es 2700. In den letzten fünf Jahrzehnten wurden viele Investitionen in Gronau getätigt“, sagt er. Dazu gehörten der Bau der Breitwiesenhalle 1986, der Kunstrasenplatz auf dem Sportplatzgelände, das kombinierte Kindergarten- und Schulgelände, der Neubau des Feuerwehrhauses, die Trauerhalle auf dem Friedhof, der im neuen Schulbau vorgesehene ‘Raum für Gronau’, Baugebiete wie die Kornsiedlung, das Baugebiet an der Nidda, das geplante Neubaugebiet an der Berger Straße mit einem Nahversorger und die im regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesene Wohnbauerweiterungsfläche Am Gronaris Sprudel. „Es gibt keinen Stadtteil von Bad Vilbel, der so viel Grün, geschützte Naturflächen und Naherholungsangebote hat“ , so Stöhr. (Christine Fauerbach)

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