Kommunalwahl

CDU tritt nicht mehr an: Gemeinde Niederdorfelden steuert auf Zwei-Parteien-Parlament zu

Da war sie noch optimistisch: Brunhilde Steul, Vorsitzende der CDU Niederdorfelden, hat alles versucht, um Mitstreiter für die Kommunalwahl 2021 zu finden. Es hat nicht funktioniert. Die CDU wird keine Liste einreichen.
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Da war sie noch optimistisch: Brunhilde Steul, Vorsitzende der CDU Niederdorfelden, hat alles versucht, um Mitstreiter für die Kommunalwahl 2021 zu finden. Es hat nicht funktioniert. Die CDU wird keine Liste einreichen.

Das Schreckensszenario für Brunhilde Steul wird wohl eintreten. Ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens wird die CDU in Niederdorfelden nicht zur Kommunalwahl antreten. „Ich bekomme einfach nicht genug Kandidaten für eine Liste zusammen“, erklärt die Vorsitzende des Ortsverbands im Gespräch mit dem HA. Im November hatte die 66-Jährige, die aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr antritt, aktiv für Mitstreiter geworben – ohne Erfolg. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagt Steul.

Niederdorfelden – Selbst die Anrufe der Vorsitzenden der CDU Main-Kinzig und Bundestagsabgeordneten Katja Leikert bei potenziellen Kandidaten seien ergebnislos verlaufen. „Wir haben wirklich alles versucht“, so Steul. Zwar laufe die Frist für die Einreichung der Listen erst am 4. Januar ab. Doch die Hoffnung, dass sich über die Weihnachtsfeiertage noch Kandidaten auftun, hat die Niederdorfelderin nicht mehr.

Ein weiterer Rückschlag für die örtlichen Christdemokraten sei der Tod ihres Ehrenvorsitzenden Rudolf Mihatsch (88) Anfang Dezember gewesen. „Jetzt zählt unser Gemeindeverband nur noch vier Mitglieder“, bedauert die Vorsitzende. Trotzdem möchte sie alles daran setzen, die CDU Niederdorfelden am Leben zu erhalten. „Falls sich doch noch ein Nachfolger für mich findet, ist es natürlich einfacher, etwas Bestehendes wieder aufzubauen, als völlig von vorne zu beginnen.“ Geprüft werden soll, ob ein Zusammenschluss mit dem Gemeindeverband in Schöneck möglich ist.

Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) bedauert schwindenden politischen Wettbewerb

Für Niederdorfelden bedeutet das, dass nach aktuellem Stand in der neuen Legislaturperiode nur zwei Parteien im Parlament sitzen werden. Bei Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) kommt bei dieser Aussicht keine große Freude auf. Seine Partei stellt aktuell mit neun Sitzen die absolute Mehrheit in der Gemeindevertretung. CDU (vier Sitze) und die Grünen (zwei Sitze) bilden die Opposition. Die SPD ist gut aufgestellt. Sie hat eine Liste mit 25 Kandidaten eingereicht, die von Juliane Frey angeführt wird.

„Ich bedauere es, dass die CDU nicht mehr antritt. Wir haben gut zusammengearbeitet“, sagt Büttner. Wettbewerb sei zudem immer interessant. Dass die Christdemokraten ihre Wählerbasis nicht motivieren konnten, führt er auch darauf zurück, dass die Menschen überwiegend zufrieden mit der Entwicklung im Ort sind. „Niederdorfelden steht trotz der Corona-Pandemie gut da“, betont der Rathauschef. Weiterhin auseinandersetzen muss sich die SPD mit den Grünen in Niederdorfelden. Die Ökopartei hat vor wenigen Tagen ihre Liste aufgestellt und schickt 14 Kandidaten ins Rennen. Ein Zwei-Parteien-Parlament ruft aber auch beim Grünen-Ortsvorsitzenden und ehemaligen Bürgermeister Matthias Zach keine Jubelstürme hervor. „Es wird eine Riesen-Herausforderung für uns Grüne als einzige Oppositionspartei“, betont Zach im Gespräch mit dem HA.

Ex-Bürgermeister Zach führt Grüne als einzige Oppositionspartei

Bei den Grünen bahnt sich zudem eine weitere grundlegende Änderung an. Fraktionsvorsitzender Horst Schmidt, seit 28 Jahren Mitglied des Gemeindeparlaments, wird im März nicht mehr kandidieren. Mit seinem in einem Jahr anstehenden Renteneintritt habe dies nichts zu tun, erklärt der 64-Jährige. Einerseits hadere er mit der Entwicklung seiner Partei insgesamt. „Dass ein grüner Minister einen Polizeieinsatz gegen Umweltschützer und Ausbaugegnern der A49 unterstützt, kann ich einfach nicht mehr nachvollziehen.“

Auch mit der örtlichen Politik der Grünen komme er nicht mehr zurecht. „Ich bin kein Freund der Fundamentalopposition. Wenn Beschlüsse vernünftig sind, finde ich das einfach nicht angemessen, aus Prinzip dagegen zu stimmen.“ Angesichts eines Parlaments mit weniger Vielfalt empfiehlt Schmidt den Niederdorfelder Bürgern, Ausschusssitzungen zu besuchen. „Dort findet hauptsächlich die Diskussion statt. Und auch Bürger dürfen dort ein kurzes Statement abgeben.“

Im neuen Jahr findet seine letzte Sitzung als Mitglied des Gemeindeparlaments statt. „Auf jeden Fall werde ich danach etwas vermissen“, so Schmidt. „Wenn es die Möglichkeit einer Einzelkandidatur gäbe, hätte ich das gemacht.“ Amtsmüde sei er nämlich nicht.

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