Parlamentschefin

Feriengespräch: Kristina Schneider ist die erste Bürgerin der Gemeinde Niederdorfelden

Auch bei schlechtem Wetter gut gelaunt: Kristina Schneider an einem ihrer Lieblingsplätze an der Hohen Straße. Von hier hat man bei Sonnenschein einen tollen Blick auf die Frankfurter Skyline. An diesem Tag ist die Aussicht leider eher trüb.
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Auch bei schlechtem Wetter gut gelaunt: Kristina Schneider an einem ihrer Lieblingsplätze an der Hohen Straße. Von hier hat man bei Sonnenschein einen tollen Blick auf die Frankfurter Skyline. An diesem Tag ist die Aussicht leider eher trüb.

Seit mehr als zehn Jahren führt Kristina Schneider (SPD) das Gemeindeparlament in Niederdorfelden – immer besonnen und um Ausgleich bemüht. Im Feriengespräch mit unserer Zeitung spricht sie über ihre Rolle in der Lokalpolitik und ihre späte Liebe zu dem kleinen Ort, der mit zwölf Jahren ihr Zuhause wurde. Bis dahin hatte sie mit ihrer Familie in Enkheim gewohnt.

„Nur ein paar Minuten von der Straßenbahnhaltestelle entfernt“, erzählt die 51-Jährige. Der Umzug nach Niederdorfelden: ein „Kulturschock“. Aber der Umzug war nötig, da ihr Vater Wilfried Schneider (SPD) zum Bürgermeister von Niederdorfelden gewählt worden war.

Der Anfang in dem Dorf sei für sie nicht leicht gewesen. „Die Grundschulzeit, in der viele Freundschaften entstehen, habe ich ja noch in Frankfurt verbracht“, erklärt sie. Als Tochter des Bürgermeisters sei es nicht immer leicht gewesen, Anschluss zu finden. „Die Schule habe ich weiterhin in Enkheim besucht, da ich für den Besuch der weiterführenden Schule sowieso in eine größere Stadt hätte fahren müssen“, erklärt sie.

Ihre Meinung zu ihrem neuen Heimatort änderte sich fundamental mit dem Führerschein in der Tasche. „Von dem Zeitpunkt an war ich unabhängig und konnte das Leben auf dem Land mehr genießen“, sagt sie. Als Kristina Schneider dann im Studium ihren Mann kennenlernte, war sie bereits Kreistagsabgeordnete, deshalb kam ein Umzug vorerst nicht in Frage.

Politik liegt in der Familie

Dass sie sich politisch engagieren möchte, das stand für Schneider nie in Frage. „Mein Urgroßvater hat 1891 den SPD-Ortsverband in Enkheim gegründet, mein Großvater war sowohl in der SPD als auch in der Arbeiterwohlfahrt aktiv. Und mein Vater ist gerade für 60 Jahre Parteizugehörigkeit bei den Sozialdemokraten geehrt worden“, sagt sie. Das habe sie geprägt. „Bei uns zu Hause wurde viel diskutiert. Schon als Kind habe ich beim Wahlkampf geholfen: Flugblätter ausgetragen und Plakate geklebt“, so Schneider.

Die Tradition an ihre Söhne – 16 und 18 Jahre alt – weiterzutragen, ist ihr ein wichtiges Anliegen. „Ich bin überzeugt davon, dass es gute Traditionen mit wichtigen Werten und Zielen sind“, sagt sie. Beide seien zumindest poltisch interessiert, verfolgten die aktuellen Nachrichten. „Mir ist vor allem wichtig, dass sie sich eine eigene Meinung bilden“, betont die Vorsitzende der Gemeindevertretung.

Schneider genießt das Leben auf dem Dorf

Für ihre Kinder sei es toll gewesen, im Dorf aufzuwachsen und die Freiheit zu genießen, die es in großen Städten oft nicht gibt. „Wir haben uns immer gut aufgehoben gefühlt“, sagt Schneider. Es sei schön, für Ausflüge in die Natur nicht erst fahren zu müssen, sondern direkt von zuhause aus starten zu können. „Vor ein paar Jahren habe ich das Joggen für mich entdeckt“, erzählt die 51-Jährige. Ohne großen sportlichen Ehrgeiz, einfach wegen der Freude an der Bewegung an der frischen Luft. Eine ihrer Lieblingsstrecken führt über die Hohe Straße zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden. „Bei gutem Wetter gibt es hier einen spektakulären Blick auf die Frankfurter Skyline. Dann weiß ich wieder, warum ich hier wohne“, sagt sie.

Am Tag unseres Treffens ist der Himmel wolkenverhangen. Der Regen macht Kristina Schneider nicht viel aus. „Ich bin ein robuster, wetterfester Typ“, erzählt sie. Ihren Urlaub verbringt die Familie gerne an der Nordsee.

Aus öffentlichen Diskussionen hält sich Schneider lieber raus

Auch wenn es manchmal stürmisch im Parlament zugeht, die erste Bürgerin der Stadt bleibt ruhig. Eine Sitzung zu leiten, ist eine Aufgabe, die der Diplom-Verwaltungswirtin und Soziologin liegt und die sie gerne übernimmt. „In den Fraktionssitzungen kann ich durchaus hart streiten, doch öffentliche Diskussionen sind nicht gerade meine Leidenschaft“, gibt Schneider zu. Eine Demokratie lebe davon, nach Regeln zu streiten. Jede Meinung sei es wert, gehört zu werden. „Politik ist eine Aufgabe, sie ist aber auch ein Privileg“, unterstreicht sie. Das habe sie gerade in der Corona-Zeit erlebt. Trotz des Lockdowns habe das Gemeindeparlament weiter tagen dürfen. „Eine tolle Wertschätzung“, betont Schneider.

Die Auswirkungen der Pandemie hat sie auch beruflich zu spüren bekommen. Die Verwaltungswirtin ist in der Kreisverwaltung im Bereich Planung und Organisation beschäftigt, die unter anderem mit dem Aufbau der Impfzentren betraut war. Schneider hat am Bürgertelefon gesessen und die Kollegen aus dem Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung unterstützt. „Das war eine herausfordernde Aufgabe, aber es tat gut, wenn die Menschen einem gesagt haben, dass sie froh sind, dass sie mit jemandem sprechen konnten“, erklärt Schneider.

Laufen als Ausgleich

Einen Ausgleich zu Job und Politik findet sie einerseits beim Laufen. „Zudem lese und koche ich gerne“, erzählt sie. Seit Kurzem sei ihre Familie Solawista, also Mitglied in der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi). Beim Luisenhof im Ort sei das möglich. Dabei werden die auf dem Hof erzeugten Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern von den Verbrauchern mit organisiert und finanziert. „In diesem Jahr gibt es sehr viel Gemüse. Da muss man sich überlegen, was man daraus alles zubereitet“,so Kristina Schneider. Im Keller steht jetzt viel Eingekochtes. „Für schlechte Zeiten“, sagt die Niederdorfelderin.

Von Mirjam Fritzsche

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