Aus dem Gericht

Niederdorfelden: Baufirma soll insgesamt rund 1,6 Millionen Euro veruntreut haben

Wegen Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung angeklagt: Die ehemaligen Geschäftsführer einer bereits aufgelösten Baufirma aus Niederdorfelden müssen sich vor dem Hanauer Landgericht verantworten.
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Wegen Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung angeklagt: Die ehemaligen Geschäftsführer einer bereits aufgelösten Baufirma aus Niederdorfelden müssen sich vor dem Hanauer Landgericht verantworten.

Über drei Jahre hinweg soll eine Baufirma aus Niederdorfelden in großem Stil Sozialversicherungsbeiträge veruntreut und Steuern hinterzogen haben. Dabei sei mutmaßlich ein Schaden von insgesamt 1,6 Millionen Euro entstanden. Seit Donnerstag müssen sich die ehemaligen Geschäftsführer der Baufirma, ein 51-jähriger Mann aus Niederdorfelden und ein 44-Jähriger aus Neustadt (Landkreis Marburg-Biedenkopf), vor dem Hanauer Landgericht verantworten. Mindestens 14 Personen sollen die beiden Männer in der Zeit zwischen Juni 2011 und August 2014 schwarz beschäftigt haben.

Hanau/Niederdorfelden – Durch Bargeldabhebungen in hohen Summen gerät die Baufirma ins Visier der Steuerfahnder. Da dies ein Hinweis auf Schwarzgeldzahlungen sein könnte, führt der Zoll Durchsuchungen durch. Schnell kommt der Verdacht auf: Die Buchhaltung könnte nicht nur lückenhaft, sondern auch aufwendig manipuliert worden sein. Denn um die Beschäftigung der Schwarzarbeiter zu verschleiern, sollen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft unter anderem Scheinrechnungen von sogenannten Servicegesellschaften eingebucht haben. Bei diesen Servicegesellschaften handelt es sich meist um angemeldete Firmen, die gewerbsmäßig falsche Rechnungen schreiben, um Straftaten wie Schwarzarbeit zu verschleiern. Als Gesellschafter sind dort meist Strohleute oder Menschen mit gefälschten Personalien eingetragen.

Scheinfirmen stellen Rechnungen aus

So sollen auch bei dem Niederdorfeldener Bauunternehmen Rechnungen über Warenlieferungen und Dienstleistungen aufgetaucht sein, die die Baufirma laut Staatsanwaltschaft nur auf dem Papier erbracht hat. Das Geld, das die Baufirma getreu der Rechnungsbeträge an die Servicefirmen ausgezahlt haben soll, bekamen die Angeklagten mutmaßlich abzüglich einer vereinbarten Provision bar wieder ausgezahlt, um Schwarzarbeiter zu entlohnen. In der Baubranche sei diese Praxis weit verbreitet. Laut ARD-Recherchen werden in der Baubranche jährlich schätzungsweise bis zu 126 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet – ein riesen Verlust für die Sozialkassen.

Die Niederdorfeldener Baufirma ging mutmaßlich noch weiter: Für diese Scheinleistungen berechneten die Servicegesellschaften eine Umsatzsteuer. Die wiederum sollen die Angeklagten als Vorsteuer geltend gemacht haben. Im Februar 2018 drohte dann die Pleite, inzwischen hat sich die Baufirma aufgelöst.

Zum Prozessauftakt macht der Vorsitzende Richter Dr. Mirko Schulte klar: Sollten sich die Anklagevorwürfe bestätigen, dürften die Angeklagten nicht – wie von den Verteidigern gefordert – mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Das Strafmaß könnte sich zwischen mindestens einem bis höchstens 15 Jahren bewegen.

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