Corona-Pandemie

Covid-19-Impfstoffe statt Hustensaft bei Engelhard Arzneimittel?

So soll das Verwaltungsgebäude von Engelhard Arzneimittel in Niederdorfelden aussehen, wenn es fertig ist. Ab Mai können die ersten Mitarbeiter einziehen.
+
So soll das Verwaltungsgebäude von Engelhard Arzneimittel in Niederdorfelden aussehen, wenn es fertig ist. Ab Mai können die ersten Mitarbeiter einziehen.

Seit gut einem Jahr schränkt die Corona-Pandemie das Leben weltweit ein. Abhilfe können Impfstoffe bringen. Doch es gibt immer noch zu wenige. Könnte Engelhard Arzneimittel bei der Produktion einspringen? Wir haben nachgefragt.

Niederdorfelden – Die Krankheitssymptome bei einer Corona-Erkrankung ähneln denen einer Erkältungskrankheit, nämlich Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Also genau dem Krankheitsbild, um das sich der Niederdorfelder Pharmahersteller Engelhard Arzneimittel kümmert.

Rund 500 Mitarbeiter beschäftigt die Firma, die erst im Jahr 2000 von Frankfurt nach Niederdorfelden umgezogen ist und seither das Werk am neuen Standort kontinuierlich erweitert. Die letzte Vergrößerung wurde erst in diesen Wochen abgeschlossen.

Spezialisiert auf Atemwegs- und Hauterkrankungen

Engelhard Arzneimittel erforscht, entwickelt und produziert nach eigenen Angaben zwar Arzneimittel unter anderem gegen Atemwegs- und Hauterkrankungen, Aufmerksamkeitsstörungen und Verdauungsprobleme, doch zielt die Forschung nicht auf die Bekämpfung eines Virus ab.

„Unser Unternehmen bietet hauptsächlich Arzneimittel, die zur symptomatischen Behandlung viraler Atemwegserkrankungen verordnet werden können, auf pflanzlicher Basis an“, erklärt Markus Bullgin, der Sprecher des Unternehmens. Die seien rezeptfrei in der Apotheke zu beziehen, also sogenannte OTC-Arzneimittel (over the Counter) und trügen vor allem zur Linderung der Atemwegserkrankungen bei.

Kennzeichnend für derartige, rezeptfreie Arzneimittel ist, dass ihre Anwendung in der Bevölkerung auch dann als wirksam und sicher gilt, wenn keine Behandlung durch einen Heilberufler in Anspruch genommen wird.

„Unser Mittel Prospan lindert vor allem den Husten und reduziert die Krankheitsdauer um mehr als die Hälfte der Zeit“ Und das sei nach Aussage Bullgrins wissenschaftlich belegt.

Arzneien lindern Beschwerden

Vakzine, also Impfstoffe, hingegen basierten auf chemischen Substanzen und beträfen ein ganz anderen Bereich von Arzneimittel und dürften nur von medizinischen Fachpersonal verabreicht werden.

Die Firma Engelhard, die 1826 aus der Rosen-Apotheke in Frankfurt am Main entstanden und lange im Frankfurter Nordend ansässig war, hat seine Hustenarznei Prospan, das auf einem Efeublätter-Trockenextrakt basiert, 1950 entwickelt und auf den Markt gebracht. Später kam dann noch das Wundheilmittel Tyrosur und die Hals-Lutschtablette Trachisan auf den Markt.

„Wie Sie sehen, sind wir in einem ganz anderen Bereich unterwegs. Unsere Mittel heilen nicht im eigentlichen Sinne, sondern lindern zunächst erstmal die Auswirkungen von Husten, Schnupfen und Heiserkeit“, betont der Firmensprecher.

Anlagen nicht für Herstellung von Vakzinen geeignet

Deshalb käme die Firma Engelhard mit ihren umfangreichen Geräten und Maschinen auch nicht für eine zumindest vorrübergehende Produktion von Vakzinen in Frage. „Wir stellen zwar auch Arzneien her“, so Bullgrin , „doch eignen sich unsere Anlagen nicht für die Herstellung eines solchen Wirkstoffes“.

Im Übrigen sei das Unternehmen mit der Produktion seiner eigenen Pharmazeutika so ausgelastet, dass für ein weiteres Produkt gar keine Möglichkeiten bestünden – trotz der Vergrößerung der Produktionsstätte in letzter Zeit.

(Jürgen W. Niehoff)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare