Viele Fragen zum „Pakt für den Nachmittag“

Eltern der Struwwelpeterschule wünschen sich Klarheit

Die Struwwelpeterschule in Niederdorfelden aus der Vogelperspektive. Ab August tritt die Grundschule in den „Pakt für den Nachmittag“ ein. Die Betreuung übernimmt dann der Kreis. Doch noch sind viele Fragen offen.
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Die Struwwelpeterschule in Niederdorfelden aus der Vogelperspektive. Ab August tritt die Grundschule in den „Pakt für den Nachmittag“ ein. Die Betreuung übernimmt dann der Kreis. Doch noch sind viele Fragen offen.

Die Nachricht, dass die Struwwelpeterschule ab August in den „Pakt für den Nachmittag“ aufgenommen wird und das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (ZKJF) neuer Träger der Hortbetreuung werden soll (unsere Zeitung berichtete), hat nicht nur für Begeisterung im Ort gesorgt. Viele Eltern sind verunsichert. Wie viele Betreuungsplätze werden an der Schule zur Verfügung stehen? Wo melde ich mein Kind für die Nachmittagsbetreuung an, wenn die Kinderlobby nicht mehr zuständig ist?

Niederdorfelden/Schöneck - Kritik kommt auch von den Grünen in Niederdorfelden. Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) nutzte die Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend im Bürgerhaus, um noch einmal Stellung zu dem Thema zu beziehen. Die Sitzung wurde live im Internet übertragen.

Die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern, eine freiwillige Leistung der Gemeinde, hat die Kommune in den vergangenen Jahren vor viele Probleme gestellt: finanziell und räumlich. „Ich sehe es als großen Erfolg an, dass wir es nach jahrelangen Versuchen geschafft haben, dass die Struwwelpeterschule in den ‘Pakt für den Nachmittag’ geht“, sagte Büttner.

Betreuung aktuell an fünf Standorten

Die Gemeinde kämpft seit vielen Jahren mit der Problematik, Räumlichkeiten für Hortkinder zur Verfügung zu stellen (wir berichteten). Räume im Schulgebäude konnte sie nicht nutzen. Betreut werden die derzeit 86 Schulkinder von dem Verein Kinderlobby an fünf Standorten: im Rathaus, im Feuerwehrhaus, in der Kita Pusteblume, im Lobbyhaus sowie in einem Container auf dem Schulgelände. Solch einen Flickenteppich soll es künftig nicht mehr geben. „Beim Pakt müssen sich alle Räumlichkeiten auf dem Schulgelände befinden. Es ist ja auch sinnvoll, alles auf engem Raum zu haben“, erläuterte Büttner. Der Feuerwehr habe man schon lange versprochen, den Versammlungsraum wieder freizugeben. Bislang ohne Erfolg.

Er habe dem zuständigen Amt beim Kreis zugesagt, dass das Lobbyhaus und der Container auf dem Schulgelände vom neuen Träger weiter genutzt werden können. „Wir werden alles an Unterstützung leisten, was wir können, wenn es um Räumlichkeiten geht“, versprach Büttner. Die Entscheidung, dass die Betreuung künftig über das ZKJF laufen soll, sei von der Schulkonferenz getroffen worden. „Alle Mitarbeiter der Lobby sollen übernommen werden“, betonte der Bürgermeister.

Zukunft des Vereins Kinderlobby noch nicht abschließend geklärt

Genau das kritisiert Matthias Zach, Vorsitzender der Grünen in Niederdorfelden, in einer Mitteilung. „Dass ein gut funktionierender Verein zur Auflösung gebracht werden soll, ist ein Skandal“, so Zach. Die vollständige Übernahme des Fachpersonals sei zudem ein finanzielles Risiko für die ZKJF, so der ehemalige Kreis-Schuldezernent. Er befürchtet, dass sich die Betreuungssituation zunächst verschlechtern könnte, da nicht klar sei, mit wie vielen Kindern der Einstieg in den Ganztag erfolgt.

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt die Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises mit, dass eine abschließende Entscheidung über die Zukunft der Kinderlobby noch nicht getroffen ist. „Hinsichtlich des ‘Paktes für den Nachmittag’ ist in Niederdorfelden bislang nur geklärt, dass die ZKJF gGmbH auf Wunsch der Schule ab 1. August ein Betreuungsangebot etablieren soll. Ob dies additiv erfolgt oder durch Übernahme des Betreuungsvereins Kinderlobby ist zwischen diesen noch nicht verhandelt.“

Zahl der Betreuungsplätze hängt von Räumlichkeiten ab

Das Pakt-Angebot werde durch Landesmittel, den Schulträger, die Standortkommunen und die Elternbeiträge finanziert. „Dadurch wird das Betreuungsangebot im Allgemeinen deutlich günstiger als herkömmliche Betreuungsangebote in Horten. Üblicherweise hatten sich daher bisher die ZKJF gGmbH mit bereits bestehenden Betreuungsvereinen dahingehend verständigt, dass Personal und Verträge übernommen worden sind“, so Sprecher Frank Walzer.

Zur Zahl der Betreuungsplätze konnte er noch keine genauen Angaben machen. Wie groß die Gruppen in diesem neuen Betreuungsangebot sein werden, hänge letztlich von den zur Verfügung stehenden Betreuungsräumlichkeiten ab, welche die Schulen oder der Schulträger zur Verfügung stellen können.

Diese Antwort dürfte für Eltern in Niederdorfelden unbefriedigend sein. „Es ist bereits März und wir wissen nicht, wo und wann wir unsere Kinder demnächst anmelden können“, monierte Christian Sander vom Elternbeirat der Kita Pusteblume am Rande der Sitzung.

Hortplätze in Oberdorfelden bleiben bestehen

Anders verhält es sich für Kinder aus Oberdorfelden. Sie wurden bisher in ihrer Heimatgemeinde betreut und haben das Angebot der Kinderlobby nicht genutzt. Auch sie können ab August auf dem Schulgelände betreut werden, bestätigt der Kreis. „Der ‘Pakt für den Nachmittag’ ist ein schulisches Angebot und kann daher den Kindern angeboten werden, welche die jeweilige Schule besuchen. Es ist daher zunächst unerheblich, woher die Kinder kommen. Ausschlaggebend ist, dass sie Schülerinnen und Schüler der Struwwelpeterschule sind“, erklärt die Kreisspressestelle.

Auf Nachfrage unserer Zeitung informiert Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück (SPD), dass die bestehenden 20 Hortplätze in der Kita Oberdorfelden erhalten bleiben. Der „Pakt für den Nachmittag“ erweitere lediglich die bisherigen Möglichkeiten, Eltern einen verlässlichen Rahmen für die Betreuung ihrer Grundschulkinder zu bieten, betont Rück.

Ob die Schule in Niederdorfelden eine Mensa und weitere Anbauten erhält, wird gerade geprüft. „Hinsichtlich einer räumlichen Lösung erfolgte bereits eine Begehung durch das für Schulen zuständige Amt des Main-Kinzig-Kreises. Aktuell werden in Rücksprache mit der Schulleitung die Möglichkeiten zusammengestellt, welche sich auf dem Schulgelände noch für den zusätzlichen Raumbedarf ergeben“, heißt es aus der Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises.

Bis zum Start der neuen Nachmittagsbetreuung an der Struwwelpeterschule im Sommer bleibt also noch einiges zu tun.

(Mirjam Fritzsche)

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