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Niederdorfeldens Kürbiskönigin Carolin I. vermisst „normales“ Dorfleben

Niederdorfeldens Kürbiskönigin Carolin I. öffnet die Pforte zur Kürbisklause.
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Niederdorfeldens Kürbiskönigin Carolin I. öffnet die Pforte zur Kürbisklause.

Für den HANAUER hat sich Carolin Heinemeyer noch einmal richtig in Schale geschmissen. „Ein halbes Jahr hing mein Kleid in der Reinigung“, erzählt Niederdorfeldens Kürbiskönigin Carolin I. mit Bedauern. An diesem Nachmittag öffnet sie für unsere Zeitung die Pforte zur Kürbisklause, dem Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins (OGV).

Niederdorfelden - Größere Veranstaltungen haben hier schon lange nicht mehr stattgefunden. Wegen der Corona-Pandemie ist unter anderem auch das beliebte Kürbisfest ausgefallen: Die Krönung einer neuen Kürbiskönigin wurde ins nächste Jahr verschoben. Carolin Heinemeyer hat ihre Amtszeit in aller Stille verlängert. „Mein letzter großer Auftritt war bei der Karnevalssitzung der Vo-ti-fe-la im Februar. Ich war Teil des Elferrats“, blickt die 36-Jährige zurück. Im März folgte der Lockdown. Trotz der Lockerung im Sommer: Große Feste, bei denen die Hoheiten der Region normalerweise auftreten, sind alle abgesagt worden. An die 30 bis 40 Termine kommen sonst im Jahr schon zusammen. Nicht so 2020. Auch der traditionelle Empfang bei Ministerpräsident Volker Bouffier ist in diesem Jahr ins Wasser gefallen.

„Ich bin froh, dass ich bereits seit zwei Jahren im Amt bin und daher schon einiges miterleben durfte“, sagt Carolin I. Die Diplom-Wirtschaftsmathematikerin ist zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn 2017 nach Niederdorfelden gezogen. Sie habe es wichtig gefunden, sich in der Dorfgemeinschaft einzubringen.

Auftritte im Ort fehlen Carolin I. am meisten

Als Königinnenmacher Georg Schuch vom OGV sie dann angesprochen hat, ob sie das Amt übernehmen wolle, habe sie nicht lange gezögert. „Am meisten Spaß machen mir die Auftritte im Ort. Das ist toll für die Dorfgemeinschaft“, sagt Carolin Heinemeyer, die selbst in einem kleinen Ort im Vogelsbergkreis aufgewachsen ist. Diese Auftritte fehlen ihr am meisten.

Neben einem „normalen“ Dorfleben vermisst Betreuer Georg Schuch vor allem die gemeinsame Zeit mit „seiner Hoheit“ bei den Terminen. „Im Auto hatte man immer Zeit, sich auszutauschen. Das ist jetzt natürlich viel weniger geworden.“ Gemeinsam mit Dieter Beck, der ihn in seiner Aufgabe als Königinhelfer tatkräftig unterstützt, macht sich Schuch Gedanken, wie man gerade in der Weihnachtszeit den Menschen ein Zeichen senden kann. „Am 6. Dezember bin ich immer als Nikolaus unterwegs“, erzählt Schuch, der – perfekt für die Rolle – einen langen weißen Bart hat. Er überraschte die Kinder des OGV und war im Kindergarten zu Besuch. „In diesem Jahr war natürlich alles anders: mit Abstand und Hygieneregeln.“ Er habe nur ein Viertel der üblichen Besuche absolviert.

Noch keine Nachfolgerin ausgeguckt

Anders als in anderen Jahren hat sich Schuch bisher noch nicht auf die Suche nach einer Nachfolgerin für die amtierende Kürbiskönigin gemacht. „Die Pandemie bremst nicht nur das soziale Leben aus, sie lähmt auch meinen Tatendrang“, sagt er. Schließlich sei auch noch nicht absehbar, ob das Kürbisfest Ende September kommenden Jahres stattfinden kann. Eine Vorverlegung des Termins wäre eine Möglichkeit – in der Hoffnung, dass die Corona-Zahlen im Sommer niedriger sind als Anfang Herbst. Als kleinen „Ersatz“ hatte der Obst- und Gartenbauverein zumindest zum alljährlichen Kürbiswettbewerb aufgerufen und Samen an die Teilnehmer der vergangenen Jahre ausgegeben. Mit Abstand fand die Prämierung statt.

Nun überlegen die drei, wie sie sich den Niederdorfeldern in Erinnerung rufen können. „Wir wollen ihnen zeigen, dass es uns noch gibt“, betonen sie. Unter den Mitgliedern des Vereins ist bereits eine Autogrammkarte mit guten Wünschen verschickt worden. „Das kam gut an“, berichtet Schuch. Nun soll aber eine Aktion geplant werden, von der der ganze Ort profitiert. Carolin I. steht wie keine andere für den Zusammenhalt im Ort. Sie ist das Aushängeschild der kleinen Kommune – nach innen und nach außen. „Wir lassen uns was einfallen“, verspricht Carolin I.

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