Tonnen werden nicht geleert

Niederdorfelder Bürger beschweren sich über Müllabfuhr

Übergeben Unterschriften an Bürgermeister Klaus Büttner (Zweiter von rechts) und Gemeindemitarbeiter Stefan Waas (rechts): Sergej und Tatjana Stoll. Die Bewohner des Neubaugebiets „Im Bachgange“ ärgern sich über die mangelhafte Müllentsorgung der Firma Weisgerber.
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Übergeben Unterschriften an Bürgermeister Klaus Büttner (Zweiter von rechts) und Gemeindemitarbeiter Stefan Waas (rechts): Sergej und Tatjana Stoll. Die Bewohner des Neubaugebiets „Im Bachgange“ ärgern sich über die mangelhafte Müllentsorgung der Firma Weisgerber.

Die Beschwerden über die Müllentsorgung in Niederdorfelden reißen nicht ab. Vor allem im Neubaugebiet „Im Bachgange“, aber auch im Ortskern, werden Tonnen seit Monaten nicht oder nur unregelmäßig geleert. Tatjana und Sergej Stoll wollen das nicht länger hinnehmen. Sie haben Unterschriften gesammelt und diese mit einem Schreiben an Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) übergeben.

Niederdorfelden – 30 Bürger fordern darin die Firma Weisgerber Umweltservice auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Weisgerber räumt auf Nachfrage Probleme ein, wirbt jedoch für Verständnis.

Für Rathauschef Büttner kommt die Unterschriftenaktion nicht überraschend. Die Beschwerden über nicht geleerte Restmüll- und Biotonnen laufen regelmäßig in der Gemeinde auf. Erst vor wenigen Wochen ist der Rathauschef mit seinem Bauamtsleiter persönlich zum Firmensitz nach Wächtersbach gefahren, um dort eine Biotonne abzuholen. Der Grund: Eine Familie aus der Hainstraße wartete acht Wochen lang vergebens auf eine neue Tonne. Bei der Leerung war die alte gerissen. Der versprochene Ersatz wurde einfach nicht geliefert. Telefonische Nachfragen blieben erfolglos (wir berichteten).

Der Bürgermeister hat mittlerweile wenig Verständnis für den mangelnden Service bei Weisgerber. In der Vergangenheit hat die Gemeinde bereits mehrfach die Rechnungen der Firma Weisgerber wegen Schlechterfüllung gekürzt. Mittlerweile kümmert sich ein Rechtsanwalt um die Sache. „Schließlich geht es um das Wohl meiner Bürger“, sagt Büttner.

Seit 2018 ist das Unternehmen Weisgerber mit Sitz in Wächtersbach in Niederdorfelden zuständig für die Müllabfuhr und zwar für die Entleerung der Restmüll-, Bio- und Altpapiertonnen sowie teilweise für die Sperrmüllentsorgung sowie die Grünabfallsammlung. Der Wechsel zur Firma Weisgerber geschah nicht auf Wunsch der Gemeinde, betont Bürgermeister Büttner. Mit dem Vorgänger, der Firma Spahn aus Maintal, sei man sehr zufrieden gewesen. Allerdings wurde die Kommune vom Rechnungsprüfungsamt des Main-Kinzig-Kreises auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen, die Entsorgung europaweit auszuschreiben. Gewonnen hatte die Ausschreibung schließlich die Firma Weisgerber. Der Vertrag läuft noch bis Ende kommenden Jahres.

Probleme von Anfang an

Beschwerden über Verzögerungen und Ausfälle gab es von Anfang an. Als die Probleme nicht aufhörten, schwand das Verständnis. „Meine Kollegin und ich sind manchmal stundenlang damit beschäftigt, die Reklamationen aufzunehmen“, berichtet Gemeindemitarbeiter Stefan Waas. An manchen Tagen fielen ganze Straßenzüge aus. Die zuständigen Mitarbeiter in der Zentrale von Weisgerber ans Telefon zu bekommen, sei schwierig. „Aber wir geben natürlich nicht auf“, betont Waas.

Tatjana und Sergej Stoll gehören zu den ersten Bewohnern des Neubaugebiets „Im Bachgange“. Dort haben sie sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt und fühlen sich wohl. Doch die Probleme mit der Müllabfuhr wollen sie endlich gelöst wissen. „Das war vor allem im Sommer unangenehm, wenn die Biotonne tagelang vor unserem Haus stand“, berichtet Tatjana Stoll. Zu der Geruchsbelästigung seien auch noch Probleme mit Ungeziefer gekommen. „Die Tonne lebt irgendwann“, so die Mutter von Zwillingen. Ihr Mann fügt an: „Es ist ja schon schlimm genug, wenn die Tonne nicht geleert wird, aber wir bekommen ja noch nicht mal eine Information, wann die Nachleerung stattfindet. Also muss die Tonne auf der Straße stehen bleiben.“ Der eigentliche Standort für den Müll der Familie Stoll ist hinter der Garage.

Firma Weisgerber gibt Probleme bei der Fahrzeugbeschaffung an

Das Ehepaar will endlich geregelte Entleerungen und sammelte dafür Unterschriften in der Nachbarschaft. In dem Schreiben an Weisgerber heißt es: „Die Bezahlung der Müllgebühren unsererseits erfolgt pünktlich und daher erwarten wir auch eine dementsprechende Gegenleistung.“

Sean Stotzky, kaufmännischer Betriebsleiter bei der Firma Weisgerber Umweltservice, kann den Frust der Bürger verstehen, bittet jedoch um Verständnis. „Unser Problem ist die Bereitstellung der Fahrzeuge“, erklärt er unserer Zeitung. Durch pandemiebedingte Verzögerungen in den weltweiten Lieferketten, warte sein Unternehmen aktuell auf sieben noch nicht gelieferte Fahrzeuge. „Neubestellungen, die wir heute aufgeben, werden uns erst für Mai 2023 zugesagt“, erläutert Stotzky. Das habe vor allem im Sommer zu Problemen geführt. „Wir hätten eigentlich mit 32 Fahrzeugen fahren müssen, es standen aber nur 29 zur Verfügung.“ Um dies aufzufangen, seien die Mitarbeiter im Schichtbetrieb und samstags gefahren. „Ich bin froh, dass unsere Mitarbeiter das mitgetragen haben“, betont Stotzky. Weisgerber leert kreisweit täglich 30 000 bis 40 000 Tonnen in 16 Kommunen.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Das Problem mit den noch nicht ausgelieferten Bestellungen ziehe sich weiter. Einerseits dauere eine Tour mit den alten Fahrzeugen unter Umständen länger, was zu weiteren Verzögerungen im Ablauf führe. Zudem seien Ersatzteile für ein defektes Müllauto ebenfalls schwer zu beschaffen.

Im Mittelwert seien die Müllwagen vier bis fünf Jahre im Einsatz. „Wir bestellen jedes Jahr nach. Die neuen Fahrzeuge haben wir zumeist im Sommer in Betrieb genommen und die alten sind dann noch ein paar Wochen gefahren, bis wir sie stillgelegt haben. So hatten wir mehr Kapazitäten während der warmen Monate“, so der Betriebsleiter. Das habe in diesem Jahr nicht funktioniert. Eine schnelle Lösung sei auch bisher leider nicht in Sicht. (Mirjam Fritzsche)

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