Niederdorfelden

Ortsgerichtsschöffin Cornelia Bischoff hört auf

Cornelia Bischoff aus Niederdorfelden legt nach 20 Jahren ihr Amt als Ortsgerichtsschöffin aus Zeitgründen nieder. Foto: Gabriele Reinartz

Niederdorfelden. Cornelia Bischoff war 20 Jahre lang Ortsgerichtsschöffin in Niederdorfelden. Aus persönlichen Gründen möchte sie ihre Amtszeit nicht mehr verlängern. Daher ist die Gemeinde Niederdorfelden auf der Suche nach einem Nachfolger beziehungsweise einer Nachfolgerin.

Von Gabriele Reinartz

„Mir fehlt einfach die Zeit dazu. Ich arbeite nicht nur Teilzeit bei einem Ingenieurbüro in Frankfurt, sondern ich bin auch noch selbstständig mit einem Architekturbüro“, begründet Cornelia Bischoff ihre Entscheidung, für eine weitere zehnjährige Amtszeit als Ortsgerichtsschöffin in Niederdorfelden nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

„Auch wenn die Arbeit als Schöffin im Monat gar nicht so viele Stunden ausmacht – ich habe ein sehr aufwändiges Hobby, das ich wieder mit Leidenschaft ausübe: das Tanzen.“ Bischoff tanzt seit knapp zwei Jahren wieder, diesmal Standard. Mit ihrem Tanzpartner tanzte sie zuvor über 25 Jahre Latein und hörte damit wegen Zeitmangels vor einigen Jahren auf. „Ich habe aber gemerkt, dass mir das Tanzen sehr fehlt“, gibt sie zu.

​​Bürgermeister fragte sie damals persönlich

Bischoff ist zudem Mitgründerin der Showtanzgruppen Dorfeller Firegirls, mittlerweile fünf an der Zahl. Und auch dieser Verein verlangt ihr viel Einsatz ab. „Ich konnte im letzten halben Jahr kaum noch Termine als Schöffin wahrnehmen. Da ich aber grundsätzlich keine halben Sachen mache, möchte ich nun zum Ende der Amtszeit als Schöffin damit aufhören.“

Zur Schöffin ist sie vor 20 Jahren durch den damaligen Bürgermeister gekommen. „Er rief mich an und fragte mich, ob ich nicht Zeit und Lust dazu hätte“, erzählt sie. Bischoff war zu diesem Zeitpunkt im Erziehungsurlaub, ihre Tochter noch sehr klein. Daher sagte sie zu. „Als Architektin habe ich schon einen kleinen Vorteil, da es bei dem Amt darum geht, Grundstücke und Häuser zu schätzen. Aber Vorkenntnisse sind keine Bedingung“, sagt sie. In der Regel überprüft sie bei einer Besichtigung den Zustand eines Hauses, seine Größe und Lage, wie es in Stand gehalten wurde, ob ein Renovierungsstau vorliegt, ob es Schimmel oder Wassereintritte im Keller gibt und Ähnliches.

Bischoff ist auch stellvertretende Ortsgerichtsvorsitzende

„Anhand einer Tabelle, die mir Richtwerte vorgibt, kann ich dann alles bewerten und am Ende einen Gesamtwert ausrechnen.“ An manchen Tagen habe sie einiges zu bewerten, dazwischen auch wieder wochenlange Pausen. Denn Bischoff ist ausschließlich für Niederdorfelden zuständig. „In anderen Städten und Gemeinden ist sicherlich deutlich mehr zu tun“, gibt sie zu.

Bischoff ist auch stellvertretende Ortsgerichtsvorsitzende. Zu diesem Amt gehört die Nachlasssicherung. „Hier habe ich doch schon einiges gesehen und erlebt. Manchmal gestaltet sich ein Nachlass schwierig, weil zum Beispiel erst nach langem Suchen ein Testament gefunden wird. Jedoch ist der Job ja in erster Linie ein Ehrenamt und man will den Familien und den Verwandten so gut es geht mit den Schätzungen helfen.“

Eine kleine Aufwandsentschädigung

„Ich hoffe, dass die Gemeinde bald jemanden findet, der mir im Amt nachfolgt“, sagt sie noch zum Schluss. „Es ist wirklich kein großer Zeitaufwand, zumal der Ortsgerichtsvorsitzende die meiste Arbeit übernimmt. Andererseits sind die Aufgaben trotz allem interessant, abwechslungsreich und nicht schwierig. Außerdem ist die kollegiale Hilfe sehr groß.“

Eine Vergütung gibt es übrigens auch. Diese richtet sich nach dem Schätzwert. Aber mehr als ein kleines Taschengeld ist es nicht.

Bewerbung

Wer sich für das Amt des Ortsgerichtsschöffen interessiert, kann sich bis 28. Februar im Rathaus bewerben. Ansprechpartner ist der Gemeindevorstand, Burgstraße 5, 61138 Niederdorfelden. Telefonische Auskünfte zum Amt gibt es unter der Nummer 0 61 01/53 53 11. Wichtige Voraussetzung: Der Bewerber muss in Niederdorfelden gemeldet sein.

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